Zeitung braucht Qualität auch auf neuen Bühnen

Kolumne25. November 2012, 19:25
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Zu den Herausforderungen der Verleger zählt auch die Weiterentwicklung der Online-Versionen

Zwei deutsche Tageszeitungen eingestellt: Eine "Krise" ist das (noch) nicht. Sie entstünde, wenn sich zumindest eines der Flaggschiffe des deutschen Tagesjournalismus, die Süddeutsche oder die Frankfurter Allgemeine, in ernsten Schwierigkeiten befände.

Mitten in der Wirtschaftskrise traf es zwei angesehene Blätter, die seit Jahren ihre Probleme nicht abschütteln konnten. Hinter der Financial Times Deutschland stand die Idee, den Erfolg der renommiertesten Wirtschaftszeitung der westlichen Welt auf Deutschland zu übertragen und dem Handelsblatt Konkurrenz zu machen. Zwei Probleme plagten die gleichwohl ambitionierte deutsche Version von Anfang an: Das Zielpublikum las ohnehin schon die FT und brauchte keine deutschen Übersetzungen. Geist und Linie der FT in Berichte und Kommentare über Deutschland in die FTD einfließen zu lassen, musste scheitern. Denn die Redaktion in London war und ist eine EU-Gegnerin, die Leute in Hamburg konnten (und wollten) diesen Kurs nicht fahren. Zuletzt wirkte das Blatt mit dem britischen Logo nur noch fremd - verstärkt durch ein unsympathisches Layout.

Das Schicksal der Frankfurter Rundschau ist leichter abgehandelt. Die ehemalige SPD-Parteizeitung, in den 70er-Jahren noch ein führendes Organ der linksliberalen Milieus, verkümmerte und fiel schließlich Format-Basteleien und inhaltlichen Fusionen (u. a. mit der Berliner Zeitung) zum Opfer. Zu viel gespart.

Unter solchen Vorzeichen hat es immer wieder Schließungen gegeben. Weil der Zeitungspreis die Kosten bei weitem nicht deckt, waren und sind Inserate das wichtigste Finanzierungsinstrument. Sinkende Schaltungen sind das akute Problem (wie schon 2002, nach dem 9/11-Terror). Aber die Online-Medien speisen ihre Erlöse aus exakt denselben Quellen. Neue haben auch sie nicht aufgetan.

Endzeitstimmung ist dennoch nicht angebracht. Im deutschen Ad Impact Monitor wurde eben eine umfangreiche Studie mit Auswertungen hunderter Werbekampagnen veröffentlicht. Das Ergebnis: Anzeigen in Printmedien sind viel effizienter als im TV. Und man muss hinzufügen: Die Glaubwürdigkeit der Qualitätsblätter überträgt sich auf die seriöse Anzeige.

Die größte Herausforderung für Print sind aber zweifellos die ursprünglich als Instrument einer besseren Verbreitung gestarteten Internetausgaben der Zeitungen. Sie punkten vor allem unter der Jugend, bei Zeitgeistfreaks und bei Leuten mit geringem Zeitbudget. Ihre Oberflächen haben inzwischen ebenfalls Konkurrenz erhalten. In Form der iPads, wo es noch weniger Fläche gibt und die Publikation von Inseraten auf reduzierte Flexibilität stößt.

Der schnelle Konsum und die Bürger-Postings werden die journalistische Qualität nicht ersetzen. Sie bleibt aber Beweger und Erreger, ohne die Demokratie nicht funktioniert. Die Verleger (und die Journalisten) werden sich daher verstärkt überlegen müssen, wie sie auf mehreren Bühnen (von Print bis iPad) das Publikum für Aufklärung und Meinung gewinnen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, 26.11.2012)

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