Spekulation macht hässlich

25. November 2012, 19:38
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Das Salzbuger Landestheater sprengt mit der Uraufführung von "Wir gründen eine Bank" den gewohnten Rahmen

In zwei gleichzeitig aufgeführten Stücken blickt man kritisch auf die Finanzwelt.

Salzburg - Geld ist nicht die einzige Währung im Beziehungskreislauf des Menschen, schon gar nicht in einer Bank. Weder skrupellose Spekulanten noch gutgläubige Idealisten finden auf dem glitschigen Börsenparkett die Lösung für ihre Lebensumstände. Auch die Gründung einer Bank - zwischen Freunderlwirtschaft, zynischen Medien und korrupten Politberatern - hilft nicht, weltverbessernde Visionen zu verwirklichen.

Das Theaterprojekt Wir gründen eine Bank spielt nicht im Rahmen des Gewohnten, weder inhaltlich noch formal. Schon vor Beginn des Theaterabends werden die Zuschauer mit kapitalismuskritischen Aktionisten und einer Demonstration im Foyer konfrontiert. Auf der Bühne werden zeitgleich und synchron die zwei Stücke Geld und Bankrott gespielt, getrennt von einer Wand.

Ein Teil der Zuschauer wechselt die Perspektive und sitzt auf einer Tribüne auf der Hinterbühne, der andere Teil im gewohnten Saal. In der Pause wechseln die Zuschauer die Sitzplätze und sehen das andere Stück.

Grundstock des Theaterabends ist Émile Zolas Roman Geld in einer Bühnenfassung von John von Düffel. Die Zuschauer finden sich in der Inszenierung von Carl Philip von Maldeghem inmitten des Börsenwahnsinns wieder und begleiten den größenwahnsinnigen Protagonisten, gespielt von Tim Oberließen, vom Aufschwung seiner Bank bis zum Bankrott.

Die Spekulation wird für den Bankdirektor zur Seele der Geldmaschine. Ist die Zockerei erfolgreich, wird sie mit Sex belohnt, trotz der moralischen Bedenken der Geliebten. Fallen die Aktien, sind auch die Freunde weg. Schlussendlich zeigt sich: Spekulation macht hässlich. Und der Börsenmakler wird zum Apostel der marxistischen Theorie erklärt.

Das Landestheater Salzburg verknüpft den historischen Text Zolas - der heute nicht weniger aktuell wie bei seiner Erscheinung 1891 ist - mit dem aktuellen Stück Bankrott von Hausregisseurin Astrid Großgasteiger und schafft so einen kurzweiligen, lebendigen Theaterabend. Großgasteiger wählt einen regionalen Ansatz, lässt Texte von Salzburger Bürgern über ihre Erfahrungen mit dem Finanzwesen in das Stück einfließen und setzt die Laienschauspieler der Salzburger Bürgerbühne ein.

Bürgerbühne als Aktionäre

Die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum wird aufgelöst, und die Besucher sind kurzerhand selbst Aktionäre bei der Jahreshauptversammlung der Aktiengesellschaft Bergsolar, die mit Solarpalmen die Energiewende herbeirufen möchte. Der Bergsolar-Vorstand wird von Zwischenrufen aufgebrachter Aktionäre im Publikum gestört, die die Laienschauspieler der Salzburger Bürgerbühne verkörpern. Überzeichnet kippt die Aktionärsversammlung in eine Geiselnahme, gipfelt in einem kollektiven Hosenrunterlassen und selbstgebauten Bomben aus Plastik-Sprengstoff.

Am Ende hebt sich die Wand, beide Stücke vereinen sich, und der moralische Holzhammer schlägt zu. Appelle an das Publikum werden laut, das System nicht einfach hinzunehmen. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 26.11.2012)

  • Eine Aktionärsversammlung gerät außer Kontrolle.  Astrid Großgasteigers 
Stück "Bankrott" läuft am Salzburger Landestheater parallel zu Émile 
Zolas "Geld".
    foto: landestheater salzburg

    Eine Aktionärsversammlung gerät außer Kontrolle. Astrid Großgasteigers Stück "Bankrott" läuft am Salzburger Landestheater parallel zu Émile Zolas "Geld".

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