Vettels Hattrick nach einem verrückten Finale

25. November 2012, 19:05
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Sebastian Vettel schaffte als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte den dritten Titel. Das Finale war packend, virtuell war Fernando Alonso, Zweiter hinter Jenson Button, schon Champion gewesen. Aber eben nur virtuell

Sao Paulo - Nachdem er in einer an Dramatik kaum zu überbietenden Nervenschlacht den Titel-Hattrick vollendet hatte, kletterte Sebastian Vettel entkräftet aus seinem Auto. Als erster Gratulant des nun dreimaligen Formel-1-Weltmeisters eilte Rekordchampion Michael Schumacher herbei, anschließend hätte Teamchef Christian Horner seinen Champion vor Freude fast erdrückt. Dann joggte der Hesse in Sao Paulo zu den Fans und genoss das Bad in der Menge. "Das alles ist schwer zu fassen", jubelte er. "Mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können."

Drei Punkte Vorsprung

Red-Bull-Pilot Vettel (25) reichte beim verrückten Saisonfinale in Brasilien mit einem Unfall direkt nach dem Start, vier Boxenstopps und einer Zieleinfahrt hinter dem Safety Car ein sechster Platz, um von 13 mitgebrachten Punkten drei Zähler Vorsprung ins Ziel zu retten. Seinem WM-Rivalen Fernando Alonso genügte im Ferrari der zweite Platz im Reifenpoker bei ständig wechselnden Witterungsbedingungen mit starkem Regen zum Schluss nicht, er schaute nach dem Zieleinlauf gedankenverloren unter seinem Helm ins Nichts.

"Gratulation dem Seb, der den Kopf nicht hängen hat lassen, obwohl er schon in der ersten Runde verkehrt herum vor mir stand", sagte Schumacher. "Er ist ein Kumpel von mir, ich freue mich für ihn." Alonso war mit einigen Minuten Abstand gefasst. "Ich bin stolz, auch wenn wir die WM verloren haben", sagte der Spanier: "Aber wir haben es nicht hier vergeben, sondern in Rennen vorher, wo wir etwas Pech hatten."

Dramatisches WM-Finish

In einem der dramatischsten Rennen aller Zeiten war der virtuelle Titel mehrfach zwischen Vettel und Alonso hin und her gewechselt. Vor Vettel hatten nur der legendäre Juan Manuel Fangio (1954-57) und Schumacher (2000-04), der am Sonntag mit einem versöhnlichen siebenten Platz zum zweiten Mal und diesmal wohl endgültig seine Karriere beendete, mindestens dreimal in Folge den Titel geholt. Schumacher erhielt von Mercedes das Auto aus seinem letzten Rennen als Geschenk.

Vettel, dem ein neuer gold-silberner Helm und ein Trikot seines Lieblings-Fußballvereins Eintracht Frankfurt von Torjäger Alex Meier als Glücksbringer dienten, ist nicht nur jüngster dreimaliger Weltmeister, er ist bei seinem dritten Triumph mit 25 Jahren und vier Monaten sogar jünger als Schumacher bei seinem ersten von sieben Titeln im Jahr 1994 (25 Jahre, 10 Monate).

Nachdem er einen schlechten Start gehabt hatte, wurde der Titelverteidiger in der dritten Kurve in eine Kollision mit Bruno Senna verwickelt, drehte sich und hatte Glück, im Rennen zu bleiben. Alonso eroberte mit einem tollen Manöver am Ende der ersten Runde den dritten Rang - damit wäre er zu diesem Zeitpunkt Weltmeister gewesen.

Hinter dem Safety-Car ins Ziel

Doch Vettel startete die Aufholjagd und war nach neun Runden Sechster. Zwischendurch war Alonso zweimal von der Strecke abgekommen und hatte den wichtigen dritten Platz verloren. Vettel war virtuell wieder vorne, beging aber 18 Runden vor Schluss mit einem Reifenwechsel einen Fehler, den er mit einem weiteren Boxenstopp korrigierte. Wieder lag Alonso virtuell vorne, doch auch er musste zum Reifenwechsel. Am Ende waren die Positionen bezogen, und nach einem Unfall von Paul die Resta in der vorletzten Runde führte das Safety Car das von Jenson Button (McLaren) angeführte Feld ins Ziel. (sid, red, DER STANDARD, 26.11.2012)

WM-Wertungen

Ergebnis GP von Brasilien

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    Der alte und neue Weltmeister, Sebastian Vettel.

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    Der Dominator der letzten drei Formel-1-Jahre mit seiner Crew.

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    Fernando Alonso reagierte gefasst auf die knappe Niederlage. "Wir haben den Titel nicht hier vergeben."

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