Der Goldrausch der Iraner

25. November 2012, 18:22
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Die Türkei macht ein gutes Geschäft mit den Iran-Sanktionen: Teheran liefert Erdgas an die Türkei, wird in Lira bezahlt und kann damit nur noch - Gold kaufen im Basar von Istanbul

Wenn man am Flugsteig nach Dubai Damen sieht, wie Pfingstochsen behängt, und Herren, die sich an kleine Koffer klammern, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um die iranische Staatskassen-Rohrpost. Ring für Ring, Armreif für Armreif lässt die iranische Führung seit Monaten Gold nach Hause schleppen, weil das Bankwesen des modernen Menschen Atomprogramm und internationaler Sanktionen wegen dem iranischen Menschen nun weitgehend verschlossen ist.

Die Kurve über den Golf ist etwas unauffälliger als der direkte Weg von Istanbul/Atatürk nach Teheran. Zweimal am Tag fliegt Turkish Airlines nach Dubai, zweimal Qatar Aiways, und dann gibt es noch wenigstens sieben andere Linien zur Auswahl. Da lässt sich einiges Edelmetall bewegen. TurkStat, das nationale Statistikamt, hat den sagenhaften Goldrausch berechnet: Landesweit Ausfuhren im Wert von 8,9 Milliarden Dollar in den ersten sieben Monaten dieses Jahres, mehr als viermal so viel wie 2011 (1,8 Milliarden). Seit August brummt es aber vor allem auf der Dubai-Route. Von den 2,3 Milliarden Dollar an Gold, die die im August offiziell die Türkei verließen, gingen plötzlich 1,9 Milliarden nach Dubai. Im September wurde das kleine Golfemirat als größter Handelspartner der Türkei geführt. Zuwachs: 452,3 Prozent.

Ali Babacan hat das alles – oder fast alles – vergangene Woche in einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss erklärt. Der Iran verwende die Einnahmen aus dem Erdgasverkauf an die Türkei, um sich wiederum mit Gold in der Türkei einzudecken, sagte der Staatsminister für Wirtschaft. Denn die Erlöse aus dem Gasgeschäft würden auf ein türkisches Lira-Konto eingezahlt, das Teheran erstens wegen der Sanktionen nicht einfach abrufen kann; und mit dem es zweitens auch nur Waren auf dem türkischen Markt kaufen kann. Deshalb der Weg in den Goldbasar in Istanbul. „Goldexporte werden praktisch zu einer Zahlung für unsere Erdgaskäufe“, fasste Babacan zusammen. Ein brillantes Geschäftsmodell. Spätestens wenn die EU auch Gaseinkäufe aus dem Iran stoppt und die Türkei sich dann anschließt, wird es damit allerdings vorbei sein.

  • Goldbarren in einem Geschäft in Istanbul. Die Exporte in den Iran erreichen Höchstwerte.
    foto: reuters/sezer

    Goldbarren in einem Geschäft in Istanbul. Die Exporte in den Iran erreichen Höchstwerte.

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