"Passkrieg": China annektiert umstrittene Gebiete in Reisedokumenten

25. November 2012, 18:24
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Neue Ausweise enthalten Karten mit problematischen Grenzziehungen

Peking zieht alle Register, um seine territorialen Ansprüche auf das Südchinesische Meer und auf andere umstrittene Grenzgebiete lautstark kundzutun. Sein jüngster Schachzug kam fast unbemerkt. Er löst nun einen grotesken "Passkrieg" aus: Seit Mitte Mai erhalten chinesische Bürger, die ins Ausland reisen, neue Ausweise. Die Behörden haben sie nicht nur elektronisch lesbar gemacht, sondern auch patriotisch ausgeschmückt. Auf 40 ihrer 48 Seiten sind die Reisepapiere mit Motiven vom schönen Reich der Mitte als Hintergrundbilder ausgeschmückt. Auch kleine Reliefkarten der Grenzen sind eingedruckt. Und die aber haben es in sich.

Auf ihnen ist etwa das chinesisch-indische Grenzproblem im Himalaya, über das sich beide Staaten 1962 bekriegten, bereits im Sinne Pekings gelöst. Auch der aktuelle Konflikt um das Südchinesische Meer ist entschieden. Mit einer gestrichelten Grenze (Neun-Punkte-Linie) markiert Peking seinen Besitzanspruch über fast 85 Prozent des 3,5 Millionen Quadratkilometer großen Meeres und alle Inseln.

Die Anrainerstaaten protestierten, als sie sich die neuen Pässe genauer ansahen. Manilas Außenminister warf Peking eine grobe Verletzung des internationalen Seerechts vor. Hanoi verlangte die Rücknahme oder Korrektur der Ausweise. Chinesische Reisende mussten in Vietnam Extragebühren für Einreisestempel auf Extra-Einlegeseiten zahlen. (Johnny Erling aus Peking /DER STANDARD, 25.11.2012)

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    China beansprucht Gebiete per Pass.

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