Rücker: "Wurden mit Nagl mitbestraft"

Ein Pirat im Rathaus - Kahr: "Ich bin überwältigt über so viel Vertrauen"

Graz -"Dieses Wahrergebnis soll Mut machen und Hoffnung geben", sagte KPÖ-Spitzenkandidatin Elke Kahr in einer ersten Reaktion zu den sich abzeichnenden starken Zugewinnen. Für alle hätten Reformen in letzter Zeit immer eine Schlechterstellung bedeutet. Sie werde keinen Anspruch auf das Bürgermeisteramt stellen und auch eine Koalition - mit wem auch immer - kann sie sich nicht vorstellen. "Was ich mir vorstellen kann, sind Bereichskoalitionen."

Ein Ergebnis dieser Art, das bei jenem der Kommunalwahl 2003 liege, hätte sie sich nie erwartet, so Kahr. "Ich bin überwältigt über so viel Vertrauen." Eine Unregierbarkeit der Stadt sieht sie nicht: "Man sollte jetzt ohne Nervosität und Reflexe keine Zusammenarbeit ausschließen. Ich glaube so geht konkret viel mehr weiter." Echte Koalitionen seien aus ihrer Sicht zwar auszuschließen, mögliche Bereichsallianzen halte sie aber für vernünftig.

VP-Nagl: "Wir sind die klare Nummer eins"

ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl sind nach dem Ergebnis der Grazer Gemeinderatswahl, das als einzig mögliche Zweier-Koalition jene seiner Partei mit der KPÖ offen lässt, die auf ihn zukommenden Probleme bewusst: Sein Resumee im ORF-Interview im Trauungssaal des Grazer Rathauses: "Die Wähler haben uns eine Landschaft hinterlassen, in der es nicht leicht sein wird". Man habe sich klare Mehrheiten gewünscht, die gebe es leider nicht. "Wir haben aber das Rennen gewonnen, wir sind die klare Nummer eins", sagte Nagl trotz des Verlustes von 4,89 Prozentpunkten laut vorläufigem Wahlergebnis.

Obwohl die Wahlergebnisse durch immer mehr ausgezählte Sprengel immer deutlicher geworden waren, hatte Nagl lange gewartet, sich der im Rathaus versammelten Presse zu stellen. Dass die Verhandlungen schwierig würden, sei er gewohnt, sagte Nagl: "2003 war das auch so."

Grüne Rücker: "Wurden mit Nagl mitbestraft"

Die Grüne Spitzenkandidatin Lisa Rücker zeigte sich trotz eines Minus bei Stimmen und Mandaten bei der Grazer Gemeinderatswahl zufrieden: "Wir können mit dem Ergebnis gut leben." Sie gratulierte Elke Kahr von der KPÖ zu ihrem Erfolg, wünschte siche aber gleichzeitig von ihr, dass "sie nun auch mehr Verantwortung übernehmen" sollte.

Als Ursache für ihren Stimmenverlust meinte Rücker: "Wir wurden mit Bürgermeister Siegfried Nagl mitbestraft." Die Ausgangslage der Grünen sei "eine große Herausforderung gewesen", deshalb zeigte sich die ehemalige Vizebürgermeisterin zufrieden.

Eine "bittere Pille" sei dagegen das Plus für die FPÖ. In welche Richtung sie sich nun bewegen wolle - Opposition oder Koalition - konnte sie in einer ersten Reaktion nicht sagen: "Wie es jetzt aussieht, ist es für alle eine schwierige Ausgangsposition." Sie wolle in den kommenden Tagen verhandeln - ausschließen wollte sie nichts.

SPÖ-Schröck: "Partei ist noch nicht gesund"

Lange Gesichter und offene Enttäuschung waren nach der ersten Hochrechnung in der Parteizentrale der SPÖ in Graz zu vernehmen. "Ich sag' es ehrlich, ich bin traurig", so Spitzenkandidatin Martina Schröck angesichts eines neuerlichen Stimmenverlusts. Landeshauptmann und Landesparteichef Franz Voves meinte ebenfalls enttäuscht: "Die Grazer SPÖ hat einen tiefen Boden gefunden, aber ich glaube sie hat ihn nun gefunden."

Der anfänglich gute Stimmung in der SPÖ-Zentrale in Eggenberg wich nach dem Bekanntwerden der ersten Zahlen Überraschung und Entsetzen. Schröck, die gegen 16.00 Uhr gekommen war, tauchte kurz vor der ersten offiziellen Hochrechnung unter und stellte sich erst wieder püntklich um 17.00 Uhr den Parteigenossen und Medien: "Ich bin enttäuscht, aber der Zustand der Partei vor einem Jahr war katastrophal. Die Partei war am Boden und bei dem Ergebnis ist klar: Sie ist noch nicht gesund."

Auch Voves verbarg seine Enttäuschung nicht. Er glaube aber an Schröck und ihr neues Team: "Ich bin optimistisch für 2017. Sie hat großes Potenzial." Schröck habe in so kurzer Zeit nicht ausmerzen können, was in zwei Jahrzehnten den Bach hinuntergegangen sei. Eine Führungsdiskussion zeichne sich seiner Meinung nach nicht ab.

Ein Pirat entert das Rathaus

Für die Piratenpartei, die als einzige neue bzw. Kleinpartei den Einzug in den Gemeinderat geschafft hat, meinte Spitzenkandidat, Philip Pacanda, man habe das Ziel erreicht, die gewünschte Zweistelligkeit, jedoch nicht. In Anbetracht der Durststrecke in der öffentlichen Wahrnehmung "passt das Ergebnis."

Konsequenzen bei BZÖ-Grosz

Schwer enttäuscht zeigte sich BZÖ-Spitzenkandidat und Landeschef Gerald Grosz, nachdem das orange Bündnis aus dem Gemeinderat geflogen ist: "Ich habe die Botschaft verstanden, ich werde die Konsequenzen ziehen. Meine Lust und auch die Legitimation, in Graz Politik zu betreiben, ist endenwollend." In den nächten Tagen werde er überlegen, wie es persönlich weitergehe. (APA, 25.11.2012)

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