Start der UN-Konferenz: Klimaschutz neu denken

Kommentar25. November 2012, 17:16
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Die klimaschädlichen Treibhausgase sind nicht gesunken, sondern gestiegen - und das fast überall in der Welt

Die Fakten liegen bei der jetzt beginnenden UN-Klimakonferenz, der 18. ihrer Art, auf dem Tisch. Diese Fakten sprechen eine eindeutige Sprache:

Die klimaschädlichen Treibhausgase sind nicht gesunken, sondern gestiegen - und das fast überall in der Welt. Die Nutzung fossiler Energien, die für den Anstieg der klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich gemacht werden, steigt. Da immer mehr Vorkommen von Schiefergas und Ölsand gefunden werden und die Technologien zu ihrer Behebung sich immer mehr verbessern, dürfte die fossile Energiegewinnung vor neuer Blüte stehen. Das Argument von Klimaschützern, "Peak Oil", also das Ende von Öl und Gas, stehe bevor und werde sowieso eine neue Ära der Energieversorgung einläuten, wird um einige Dekaden verschoben werden müssen. Die aufstrebenden Schwellenländer pochen auf (fossil befeuerte) Wohlstandsmehrung - und die armen Entwicklungsländer würden folgen, wenn sie könnten.

Das Interesse der politischen Eliten, eine wirkliche Trendumkehr bei der Klimaschutzpolitik anzupeilen, ist enden wollend. Der Verdacht besteht, dass die Bürger ihrer Länder kein großes Interesse haben, wirkliche Einschnitte in ihrem Lebensstandard hinzunehmen. Die Mehrheit der Menschen ist nicht bereit, bei ihrer persönlichen Mobilität zu sparen oder bei Konsumgütern, die in den abgelegensten Ecken dieses Planeten billig produziert und quer über den Erdball verhökert werden. Jeder Politiker, der im Namen des Klimaschutzes etwas in diese Richtung laut andenkt, erhielte bei seiner nächsten Wahl dafür die Rechnung. Nicht einmal US-Präsident Barack Obama hat sich nach seiner Wiederwahl klimaschutzmäßig weit hinausgelehnt. Und die EU rückt mehr und mehr von ihrem postulierten Weg ab, eine Art weltweite Themenführerschaft einzunehmen.

Angesichts dieser unvorteilhaften Gemengelage ist es an der Zeit, die internationale Klimaschutzpolitik neu zu denken. Bilaterale Abkommen von Staaten oder Staatenblöcken mit gleichgelagerten oder ähnlichen Interessen sind wahrscheinlich zielführender als ein globales Abkommen à la Kioto, an das sich keiner hält. Technologietransfer im Namen des Klimaschutzes müsste forciert werden. Denn zu tun gäbe es genug: " Mitigation", Abschwächungen der Folgen wird immer wichtiger, wenn die Erderwärmung so fortschreitet, wie zu befürchten ist. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 26.11.2012)

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