Hühnermist soll nicht schuld an schlechtem Vorarlberger Käse sein

25. November 2012, 17:47
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Importverbot für Mist

Bregenz - Schlechter Käse bringt schlechte Nachrede. Bregenzerwälder Bauern klagen über Imageverlust, seit bekannt wurde, dass in der Bergkäse-Region mit importiertem Hühnermist aus Tierfabriken gedüngt und die Käsequalität schlechter wurde. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Hühnermist und Käse sei nicht erwiesen, sagt der Milchexperte der Landwirtschaftskammer, Othmar Bereuter.

Gewaltiger Imageschaden

Falsche Gärung sei für die Käseproduzenten nichts Neues, den Zusammenhang mit dem Hühnerdung hätten die Medien erfunden, "und damit einen gewaltigen Imageschaden ausgelöst" . Hühnermistgranulat sei ein EU-weit erlaubtes Handelsprodukt und in Österreich zugelassen. Trotzdem habe der Mist aus Hühnerfabriken auf Vorarlberger Wiesen nichts zu suchen, sagt Bereuter: "Wir wollen ja nicht zur Entsorgungsstation für ausländischen Mist werden."

Verbot von importierten Hühnermist

Zwei bis drei Prozent der Bauern hätten mit Importmist gedüngt, sagte Agrarlandesrat Erich Schwärzler (VP) dem ORF. Künftig sollen es null Prozent sein. Die Landwirtschaftskammer zog die Notbremse, vergatterte die Sennereien und Milchlieferanten zu neuen Verträgen, die den Gebrauch von importiertem Hühnermist verbieten. Zum Importdünger griffen Bauern, weil sie so den Heuertrag vervielfachen konnten.

Alte Handwerkstradition

"Wegen einiger schwarzer Schafe werden wir nun alle in einen Topf geschmissen", seufzt der Andelsbucher Bauer Jakob Felder; die Mehrzahl der Bauern mache saubere Arbeit. Felder ist einer der wenigen, der Hartkäse noch in alter Handwerkstradition herstellt. Er produziert seinen Bergkäse direkt am Hof, verwendet Gepsen, Gefäße aus Fichte, zur Lagerung der frisch gemolkenen Milch.

Viel Fingerspitzengefühl brauche es dann, bis im rund drei Stunden dauernden Arbeitsgang aus der Milch Käse wird. Peinlich genau müsse man die Temperatur im Kessel überwachen, peinlich genau auf Sauberkeit achten.

Weniger als sechs Euro pro Kilo Käse

Bis der Käse als milder, junger Hofkäse auf den Markt gebracht werden kann, vergehen zwei bis drei Monate. Würzigen Bergkäse bekommt man erst nach mindestens sechs Monaten sorgfältiger Pflege der Käselaibe. Die aufwändige Herstellung des Bregenzerwälder Gepsenkäses war Slow Food die Aufnahme in die Arche des Geschmacks wert. Der Lebensmittelhandel zeigt weniger Wertschätzung: Keine sechs Euro bekommt der Bauer für das Kilo Käse. (Jutta Berger, DER STANDARD, 26.11.2012)

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    Ein kausaler Zusammenhang zwischen Hühnermist als Dünger und Käsequalität ist laut Landwirtschaftskammer nicht erwiesen.

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