Content Award: Eine Collage knipsen

24. November 2012, 10:16
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Der Content Award gibt alljährlich einen Überblick über neue Entwicklungen einer jungen Wiener Kreativszene. - Zum Beispiel mit einer App, mit der man während des Fotografierens Collagen anfertigen kann.

Er wollte es schaffen, beim Fotografieren mit dem Smartphone gleich Teile aus Fotos herausnehmen zu können und individuell zusammenzusetzen, erzählt Stephan Petzl. Und das "nicht zu Hause mit Photoshop, sondern interagierend mit der Umgebung". Er habe versucht, die Idee seinen Freunden zu erzählen. "Keiner hat's kapiert." Also machte er sich an die Arbeit, einen Prototyp für seine Fotografie-App "Cutoutcam" zu programmieren. Nach 20 Stunden Arbeit hatte er eine Anwendung, die dann zwar längst noch nicht richtig funktionierte, aber das Potenzial der Idee erahnen ließ.

Apps, Computerspiele, Visuals

Die Idee trug Früchte. Zumindest in Form des mit 5000 Euro dotierten Preises für die "beste mobile Applikation" beim Content Award der stadtnahen Wiener Technologieagentur ZIT. Die Preisverleihung ging Donnerstagabend im Media Quarter Marx über die Bühne. Der Bewerb hebt alljährlich neben besten Apps auch Computerspiele, Visuals, Kurzfilme und beste animierte Charaktere von Wiener Entwicklern hervor, um die lokale Entwicklerszene zu stärken. Mit dem Sonderpreis Fempower bemüht man sich zudem um Geschlechtergleichstellung in der Entwicklerbranche.

Überraschende Effekte

Die "Cutoutcam" folgt einem spielerischen und kreativen Prinzip: Im Zuge des Fotografierens können Collagen erstellt werden, indem man per Fingerbewegung Formen, "Löcher" aus einem Foto ausschneidet und neue Motive in diese Formen "hineinfotografiert" und somit überraschende grafische Effekte erzielt.

400 Stunden Entwicklungszeit

Insgesamt hat Petzl seit der Geburt seiner Foto-App-Idee im vergangenen Herbst 400 Stunden in die Entwicklung gesteckt, hobbymäßig und nebenbei. Zusätzlich studiert der Webdesigner Software Engineering an der TU Wien.

25.000 heruntergaldene Apps

"Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Gewinn", sagt der 31-jährige Webdesigner. Aber: "Mir taugt es, wenn grafische Welt und Softwareentwicklung aufeinandertreffen." Immerhin gibt es mittlerweile auch schon eine kostenpflichtige Pro-Version auf Google Play, der Download-Plattform für Android-Smartphones, die bereits ein paar hundert Mal heruntergeladen wurde. 25.000 luden die freie Version herunter. Sein Preisgeld will Petzl nun in die Entwicklung der entsprechenden iPhone-App stecken. Die Hoffnung bestehe, das iPhone-Kunden zahlungsfreudiger seien. Die App sieht er eher als "sehr spezielles Spielzeug für Grafikdesigner. Dass ein großer kommerzieller Erfolg drinnen ist, glaube ich aber eher nicht." (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 24.11.2012)

  • Eine App, so nebenbei entwickelt: Stephan Petzls "Cutoutcam", mit der man im Zuge des Fotografierens mehrere Bilder verschachteln kann, gewann beim Wiener Content Award.
    screenshot: contentaward.at

    Eine App, so nebenbei entwickelt: Stephan Petzls "Cutoutcam", mit der man im Zuge des Fotografierens mehrere Bilder verschachteln kann, gewann beim Wiener Content Award.

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