Debatte über Gauck-Treffen mit NSU-Opferfamilien

23. November 2012, 18:58
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TV meldete Ablehnung des Präsidenten - Präsidentensprecher dementiert: Treffen geplant

Berlin - Das Bundespräsidialamt hat einem ARD-Bericht widersprochen, wonach Bundespräsident Joachim Gauck ein Treffen mit den Familien der NSU-Opfer ablehnt. "Selbstverständlich ist ein Treffen des Bundespräsidenten mit den Opferfamilien der NSU-Mordserie geplant", sagte ein Sprecher des Präsidialamtes am Freitagabend in Berlin. Ein solches Treffen sei bereits seit längerer Zeit vorgesehen.

Das ARD-"Hauptstadtstudio" berichtete zuvor, Gauck habe eine Bitte der Türkischen Gemeinde in Deutschland für ein persönliches Treffen zum Jahrestag der Aufdeckung der Mordserie des rechtsextremen NSU im November ausgeschlagen. Die Familien mögen von einem solchen Treffen "absehen", zitierte die ARD aus einem Schreiben des Amts.

"Eigene Akzente"

Der Sprecher sagte dazu, auf "dieses konkrete Anliegen" sei Gauck nicht eingegangen, denn er wolle "seine eigenen Akzente" setzen und habe "seine eigenen Vorstellungen für ein solches Treffen". Der Sprecher wollte keine Angaben dazu machen, wann und an welchem Ort dieses Treffen geplant ist.

Die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John, zeigte sich in der ARD verwundert über Gaucks Absage. "Ich finde es schade, dass ein solches Treffen nicht zustande kommt", sagte sie dem Sender. Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte Gaucks Absage. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundespräsident ein Zeichen gesetzt hätte", zitierte die ARD den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) hatte jahrelang von den Behörden unbehelligt agieren können und war erst vor gut einem Jahr aufgeflogen. Die Neonazi-Gruppe soll zwischen 2000 und 2006 neun Kleingewerbetreibende mit türkischen und griechischen Wurzeln und 2007 eine Polizistin in Heilbronn erschossen haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Bombenanschläge in Köln und eine Serie von Banküberfällen zugeschrieben. (APA, 23.11.2012)

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