"Doktor Strasser war nicht total untätig"

    23. November 2012, 18:19
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    Nach seinem Abgang aus der Politik stieg Ernst Strasser ins Beratungsbusiness ein. Bei der Investmentfirma VCP arbeitete er an einem Auftrag der Telekom, der den U-Ausschuss beschäftigte. Sein Firmengeflecht wird von der Finanz geprüft.

    Ernst Strasser hat es nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich zu etwas gebracht. Etwa bei der Investmentgruppe Vienna Capital Partners (VCP), bei der er nach dem Verlust der Ministerwürden 2005 anheuerte. Oder mit eigenen Firmen, über die Strasser auch mit Peter Hochegger Geschäfte machte, der wiederum in der Telekom-Affäre eine Schlüsselrolle einnimmt. Ob dabei immer alles mit rechten Dingen zuging, beschäftigte den Untersuchungsausschuss zur Korruption im Parlament, vor dem der Expolitiker aussagte.

    Bei der VCP Energy Holding kümmerte sich Strasser um Transaktionen und Beratung, vornehmlich im Energiebereich in Südosteuropa. Laut VCP-Gründer Heinrich Pecina erhielt der Exminister zwischen 2006 und 2009 ein Fixum zwischen 200.000 und 400.000 Euro jährlich. (Zum Vergleich: In seiner Steuererklärung 2007 deklarierte Strasser damals knapp 60.000 Euro Einkommen und Gehalt.) Auffällig ist dabei ein Projekt, das von der VCP im Auftrag der Telekom Austria abgewickelt wurde. Es ging dabei um den Glasfaserkabelausbau, bei dem die Telekom Konkurrenz in Wien und Niederösterreich insbesondere durch Energiekonzerne befürchtete. Die Frage nach Strassers Leistung beantwortete Pecina im U-Ausschuss so: "Also ich meine, dass Doktor Strasser nicht total untätig war ..."

    Beim zweiten Projekt wurde Strasser über seine cce consulting aktiv, die einen Auftrag von Hochegger erhalten hat. 90.000 Euro flossen für eine angebliche Beratungsleistung rund um den EU-Beitritt Bulgariens. Die einzige nachweisbare Leistung war ein Abendessen in Sofia u. a. mit dem Regierungschef. Strasser sprach bei der Befragung zudem von der Intensivierung der bulgarischen Kontakte bei der Europapolitik des Landes. Betreffend Zeitpunkt der Tätigkeit und deren Abrechnung verstrickte sich der Zeuge freilich in Widersprüche.

    Die VCP, bei der vor Strasser schon sein Exkabinettschef Christpoh Ulmer untergekommen war, verließ Strasser Ende 2008, um ins EU-Parlament zu gehen.

    Südosteuropa war jenes Terrain, auf dem sich Berater Strasser intensiv bewegte; er angelte sich Aufträge der Casinos Austria ebenso wie der Lotterien. Auch die Österreichische Staatsdruckerei, in deren Vorstand sein Exkabinettschef Thomas Zach sitzt und in deren Beirat Strasser 2008 bis 2010 war, nützte sein Netz. Die Staatsdrucker konsultierten Strassers GP Beteiligungs- und VerwaltungsgmbH und überwiesen ihr zumindest 150.000 Euro.

    Die 2007 gegründete GP brachte Strasser und seinen Exsteuerberater Gerhard P. (damals: Deloitte NÖ) in Troubles. Letzterer war bis 2011 treuhändisch Alleingesellschafter und Chef der GP, ohne dass es Deloitte wusste.

    Nachdem Strasser selbst eingestiegen war, erstattete er Selbstanzeige bei der Finanz. Deren Steuerprüfung ist noch immer im Gang, "weil sie unglücklich gelaufen ist", sagt Strassers Berater. Die offenen Fragen lägen aber "im harmlosen Bereich". (as, gra, DER STANDARD, 24./25.11.2012)

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