Jugendwohlfahrt: Gut investiertes Geld

Kommentar23. November 2012, 20:41
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Sinkendes Budget und steigender Betreuungsbedarf sind nicht die einzigen Missständen, mit denen die österreichische Jugendwohlfahrt zu kämpfen hat

Wie lange wird es dauern, bis die nächste Horrormeldung über die Bildschirme flimmert und die Spalten der Zeitungen füllt? Wieder ein Kind schwerst misshandelt, ein geschundener kleiner Körper mit zerbrochener Seele. Und wieder wird es heißen: Warum hat die Jugendwohlfahrt nicht rechtzeitig eingegriffen? Schließlich war die Familie doch amtsbekannt.

Dabei müsste man den Sozialarbeitern nur zuhören: Wachsende Armut, zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse, mehr Trennungen führen zu steigenden Klientenzahlen. Dem stehen sinkende Budgets gegenüber. Super visionsstunden werden gestrichen, die Leute sind ausgepowert, am Ende. Viele - vor allem die mit der notwendigen Erfahrung - verlassen den Job.

Oder man könnte den Kinder- und Jugendanwaltschaften zuhören. Sie beklagen seit Jahren, dass es in Österreich keine einheitlichen Standards gibt; beispielsweise was die Feststellung einer Gefährdung und die Entscheidung über eine Abnahme des Kindes angeht. Von Länderseite wird eine Bundesregelung blockiert - immer auch mit dem Argument, mehr Geld in die Hand nehmen zu müssen.

In Summe brauchte man österreichweit 500 Dienstposten mehr, um die Jugendwohlfahrt den Erfordernissen der Zeit anzupassen, schätzen die Kinderanwälte. Freilich: Wir können das Geld auch weiter für betreute Wohngemeinschaften, Heime und Gefängnisse verwenden.  (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 24./25.11.2012)

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