Italiens Innenpolitik: Unbefleckter Monti

Kommentar23. November 2012, 18:02
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Die italienischen Parteien haben im vergangenen Jahr nichts aus der italienischen Malaise gelernt

Nach einem Jahr relativer Ruhe gerät Italien politisch wieder in schwere See. Über den 10. März als Wahltermin wird heftig spekuliert. Nach den Vorwahlen des Partito Democratico an diesem Wochenende wird auch die Rechte im Dezember ihre neue Spitze bestimmen. Und zuletzt hat Staatspräsident Giorgio Napolitano öffentlich erklärt, Ministerpräsident Mario Monti könne nicht mit einer eigenen Liste zur Wahl antreten. Weil er Senator auf Lebenszeit ist, sei das konstitutionell unzulässig.

Für Napolitano ist das eine ungewöhnlich deutliche und jedenfalls unerwartete Intervention in den langsam wieder anlaufenden römischen Machtspielchen. Mit Monti hat er bisher sehr gut zusammengearbeitet, die Italiener haben vor allem den beiden seriösen Herren zu verdanken, dass sie in der Eurokrise bisher mit einem dunkelblauen Auge davongekommen sind. Deswegen ist es unwahrscheinlich, dass der Präsident dem Premier damit schaden wollte. Vielmehr versucht er wohl, den ehrenwerten Professor aus dem schafthohen Morast eines Wahlkampfes herauszuhalten, durch den der Stiefel demnächst waten muss.

Denn die italienischen Parteien haben im vergangenen Jahr nichts aus der italienischen Malaise gelernt. Und es ist gut möglich, dass man gleich nach der Wahl wieder einen unbefleckten Monti für die internationale Reputation Italiens brauchen wird - entweder als Premier oder gleich als Nachfolger Napolitanos auf dem Quirinal. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 24.11.2012)

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