Er will nur dienen

23. November 2012, 18:04
65 Postings

Die Aufregung über Frank Stronachs bürokratischen Versuch, das Bild, das Journalisten in Interviews mit ihm der Öffentlichkeit vermitteln, selbst auszumalen, war stark übertrieben

Die Aufregung über Frank Stronachs bürokratischen Versuch, das Bild, das Journalisten in Interviews mit ihm der Öffentlichkeit vermitteln, selbst auszumalen, war stark übertrieben. Das Formular, das die frechen Schnüffler vorweg unterzeichnen sollten, hat er dennoch zurückgezogen, womit er bewies, dass er auch mit 80 noch über seinen eigenen Schatten springen kann. Schließlich hat er "diese strikte Interview-Policy als Unternehmer für seine Firma eingeführt, weil bei börsennotierten Unternehmen jede Äußerung Einfluss auf den Kurs haben könne", wie in den "Salzburger Nachrichten" zu lesen war.

Letztlich muss ihm doch aufgefallen sein, dass es sich bei seinem Team Stronach noch nicht um ein "börsennotiertes Unternehmen" handelt. Unbestritten bleibt aber, dass "jede Äußerung Einfluss auf den Kurs haben" kann, den sein parlamentsnotiertes Unternehmen dahinschlingert. Da hinlänglich klargestellt ist, dass Äußerungen, die "Einfluss auf den Kurs haben", ohnehin nur von einer einzigen Person kommen können, was von den Kursteilnehmern in speichelleckerischen Ergebenheitsadressen wiederholt bestätigt wurde, hätte er sich bei einiger unternehmerischer Weitsicht das Formular auch ersparen können. Aber wer Österreich verändern will, darf nicht zimperlich sein.

Für diese Haltung legte er in den letzten Tagen einige Beweise an den Tag. So sagte er Mittwoch an der Wiener Imadec University laut "Kurier" auf die Frage nach seiner ersten Handlung als Bundeskanzler: "Ich will kein Amt, ich will nur dienen." Wie er sich dieses "Dienen" zum Zweck der Schaffung von "hunderttausend neuen Jobs" vorstellt, präzisierte er wie folgt: "Wirtschaft geht ganz einfach. Man muss nur das bessere Produkt zum günstigeren Preis machen." Einsichten wie diese erklären, warum er sich selbst für "einen der angesehensten Manager der Welt" hält. Eine solche Persönlichkeit zu unterstützen, gründeten in Salzburg zwei Herren namens Humpf und Michalek die "Frank Stronach Partei" und taten damit eine "Äußerung, die Einfluss auf den Kurs" nehmen wollte, ohne zuvor ein Formular des Titelgebers ihrer Partei unterschrieben zu haben.

Das wollte, wie "Österreich" meldete, der Diener nicht durchgehen lassen. "Stronach klagt die Stronach-Partei", mit der schwerwiegenden, aber logischen Folge: "Die Partei heißt jetzt "Heinzelmännchen Partei". Bekanntlich wollen auch Heinzelmännchen "kein Amt", sondern "nur dienen", weshalb Stronachs Klage ein wenig humorlos wirkt. Noch dazu, wo "Humpf ursprünglich Stronach-Fan" war. "Wir haben uns Stronach-Partei genannt, bevor Frank Stronach in die Politik gegangen ist", bewies er Weitblick, "er habe den Namen bloß vor Missbrauch schützen wollen", möglicherweise durch seinen Träger. Als "Heinzelmännchen" von echtem Schrot und Korn "habe man Stronach für seine Anwaltskosten sogar einen Gutschein über 12.000 Euro angeboten". Zu wenig, geht es bei Stronachs Klage doch "um einen Streitwert von 200.000 Euro", eine Summe, die im Hinblick auf die öffentliche Optimierung von "Stronach auf Heinzelmännchen" verständlich ist.

Seinen Auftritt als Gast im "Kleine Zeitung"-Salon fasste die Redaktion unter dem Pleonasmus "Der ungezähmte Widerspenstige" zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihr bedeutet, wie notwendig sie es hätte, eines von Stronachs Formularen zu unterzeichnen. Die "Kleine Zeitung" sei "zwar bisher fair gewesen, aber "sie hat schon ein paar Journalisten, die ein bissl komisch schreiben", urgiert er ein Stronach-Bild, in dem vor allem er sich erkennt. Denn "ein bissl komisch" ist es schon, wenn er Erwin Pröll als "größten Schmähtandler und Schuldenmacher" entlarvt und man dazu erfährt, dass dieser "Stronachs Fußballakademie und auch die Weltkugel in Ebreichsdorf verhindert habe". Als ein Unternehmer ihm "ein bissl komisch" kommen will und erinnert, "Ihre Förderungen waren Teil der Schulden, die wir heute haben", schlägt Stronach auch nicht unkomisch zurück: "Sind Sie bei der sozialistischen Zentralregierung? Wie viele Arbeitsplätze haben Sie denn geschaffen?"

Der Stehsatz, "entscheidend für die Wirtschaft" sei "a besseres Produkt zum besseren Preis", darf nicht fehlen. Bei der Umsetzung soll ihm ein "Weisenrat" helfen - als hätte er einen solchen notwendig. Ein Weiser ist schon beigetreten - Hans Sünkel von der Technischen Universität Graz. Aus "Respekt für die Lebensleistung: Seine politischen Ansichten sind für manche Personen schwer verdaulich". (Günter Traxler, DER STANDARD, 24./25.11.2012)

Share if you care.