Österreichische "Heuschrecke" ängstigt die SPD

Kopf des Tages
  • Artikelbild
    foto: apa

Peer Steinbrücks Berater Roman Maria Koidl gibt auf

Eigentlich war Roman Maria Koidl noch gar nicht richtig da. Und jetzt ist der österreichische Unternehmer auch schon wieder weg - was in der Zentrale der deutschen Sozialdemokraten für Erleichterung sorgt.

Einer aber steht wieder ziemlich düpiert da: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der bei der Bundestagswahl 2013 die deutsche Regierungschefin Angela Merkel schlagen will. Einen pfiffigen Wahlkampf (auch online) will er bieten, und daher sollte Koidl als Online-Berater für Steinbrück tätig werden.

Doch dann schauten sich deutsche Medien die Vita des 45-Jährigen näher an und sahen: Koidl war einmal für den Hedgefonds Cerberus tätig. Dieser gilt bei Sozialdemokraten als Inbegriff der "Heuschrecke", entsprechend groß war das Entsetzen. Eine "Heuschrecke" als Wahlkampfberater eines Kanzlerkandidaten, der vor allem durch seine Millionenhonorare von sich reden macht - was für ein sozialdemokratischer Albtraum.

Das Gemurre im Willy-Brandt-Haus war schnell so laut, dass Koidl erklärte: "Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf abzielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen." Sein Angebot zur Wahlkampfunterstützung zog er daher zurück.

Koidl selbst, der auch ausgebildeter Skilehrer ist, bezeichnet sich als Unternehmer, Kunstmäzen und Autor. Sein Vater stammt aus Graz, seine Mutter aus dem Rheinland. Er selbst ist österreichischer Staatsbürger und wächst in Köln auf.

Nach der Matura arbeitet er als Journalist unter anderem bei An tenne Bayern, danach spezialisiert er sich auf Marketing und ist von 1991 bis 1993 Dozent für Kommunikation und Wissenstransfer an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Auf seiner Internet seite nennt er sich "Serial Entrepreneur" (Serien-Unternehmer). Neben PR und Design beschäftigen ihn Kunst, Kaffee und Schokolade. Koidl gründet 1996 die erste Coffee-Shop-Kette in Kontinentaleuropa, macht den Berlinern zeitgenössische Kunst in einem ehemaligen Umspannwerk (Kunsthalle Koidl) schmackhaft und kauft den deutschen Schokoladenhersteller Most.

Daneben schreibt er Bestseller wie Scheißkerle - Warum es immer die Falschen sind und Blender - Warum immer die Falschen Karriere machen. Sein Wohn- und Arbeitsort hat der SPD übrigens auch nicht gefallen: Es ist die Schweiz.  (Birgit Baumann/DER STANDARD, 24.11.2012)

Share if you care