Kolchosen, Kekserl und Krawall

  • Am Sonntag wird in Graz gewählt.
    foto: apa/techt

    Am Sonntag wird in Graz gewählt.

Grazer Wahlkampf-Endspurt: Polizei drängt Politiker ab

Graz - Jeder könne "sich selbst davon überzeugen, dass wir in der Oststeiermark keine Kolchosen eingerichtet haben", reagierte der ehemalige KPÖ-Politiker Ernest Kaltenegger am Freitag auf die letzten Attacken der ÖVP gegen die KPÖ in einem kurzen Wahlkampf, der am Sonntag endet.

Umfragen, in denen KPÖ-Frau Elke Kahr bei 20 Prozent lag, hatten das Team des siegessicheren ÖVP-Bürgermeisters Siegfried Nagl im Endspurt aufgerüttelt. In Boulevardblättern wurde plötzlich vor einem Linksbündnis gewarnt, obwohl Nagl Kahr bisher als "verlässlich" gelobt hatte.

Kaltenegger wies in seiner Aussendung auch darauf hin, dass aus früheren KPÖ-Wahlkämpfen Ansteckknöpfe und Aufkleber mit der Losung "Fürchtet Euch nicht -KPÖ!" vorrätig seien. Andere versprühten am Freitag weniger Humor, sondern liefen um jede Stimme. Sowohl das Team Nagls als auch jenes von SPÖ-Spitzenkandidatin Martina Schröck blieben im Einsatz.

Eine große Abschlusskundgebung gebe es - genau wie bei der SPÖ - nicht, erzählte Nagls Wahlkampfleiterin Claudia Babel, "nur ein internes kurzes Zusammensitzen mit der JVP und den VP-Frauen, die haben Kekserl gebacken". Sie selbst habe in den letzten Tagen noch persönlich an 360 Türen geklingelt, nur 92 öffneten sich.

Auf Wahlkampfhilfe aus dem Bund verzichteten SPÖ wie ÖVP. Grüne und FPÖ holten ihre Parteichefs Eva Glawischnig und Heinz-Christian Strache aus Wien.

Tumulte bei FPÖ-Kundgebung

Zu turbulenten Szenen kam es am Freitag, als beim FPÖ-Schlussevent am Freiheitsplatz die Polizei ein Platzverbot aussprach, weil es in Graz seit Jahren Gegendemonstrationen bei Auftritten Straches gibt. Dabei bestimmten aber nicht nur Polizeibeamte, sondern auch Securitys der FPÖ, wer den Platz betreten dürfe. Maximilian Ulrich, Sprecher der Polizei, stritt das ab und sagte dem Standard, dass "nur Personen, von denen eine Gefahr ausgeht, nicht vorgelassen wurden".

Doch liegen dem STANDARD Videos der Auslese durch FPÖ-Security vor. "Eine eigenartige Kompetenzverschiebung von der Polizei zur FPÖ" ortete die anwesende Nationalratsabgeordnete der Grünen, Judith Schwentner. Ihr Parteifreund, der burgenländische Landtagsabgeordnete Michel Reimon, wurde, nachdem er friedlich seinen Ausweis vorgezeigt hatte, gewaltsam von Polizisten zurückgeschoben. Auch davon liegen dem STANDARD mehrere Videos und Fotos vor. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 24./25.11.2012)

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