Magna baut Graz um und hofft auf Russland

André Ballin, Walter Müller, 23. November 2012, 17:10

Magna will mit dem russischen Autobauer Awtotor aus Kaliningrad kooperieren. Magna Steyr in Graz wird indes radikal umgebaut

Graz/Moskau - Der Autozulieferer Magna macht jetzt ernst und baut sein österreichisches Stammhaus in Graz, die Magna Steyr AG, radikal um. Die Magna-Geschäftsführung bestätigte am Freitag, dass die Kernbereiche Engineering und die Zentralbereiche (Service etc.) herausgelöst und neu organisiert werden (über das entsprechende interne Strategiepapier hatte der Standard berichtet).

Hintergrund des Plans, die Firma organisatorisch umzubauen war, dass die rund 1800 Beschäftigten damit vom lukrativen Industrie-Kollektivvertrag in den für den Konzern günstigeren Ge werbevertrag wechseln müssen.

Dieses Vorhaben hatte unter der Belegschaftsvertretung und der Gewerkschaft intern aber zu heftige Protesten geführt. Nach vierzehntägigen Verhandlungen kam der Konzern der Belegschaft nun entgegen: Das Rahmenrecht des Industrie-Kollektivvertrags bleibe überwiegend erhalten, auch die Arbeitszeit - diese sollte ursprünglich erhöht werden - bleibe gleich. In einer außerordentlichen Betriebsversammlung stimmte die Belegschaft daher am Freitagnachmittag der Umstrukturierung von Magna Steyr zu.

Aufbruchstimmung

In Kaliningrad herrscht indessen Aufbruchsstimmung. Vom "Detroit an der Ostsee" spricht in der russischen Grenzprovinz, eingeschlossen von den EU-Nachbarn Litauen und Polen, zwar noch niemand, aber die Hoffnung darauf, dass die Wirtschaft dank der Autoindustrie nun gehörig Gas gibt, ist groß. Grund für die Euphorie ist ein Abkommen, das der austrokanadische Automobilzulieferer Magna mit dem lokalen Autoproduzenten Awtotor am Donnerstag geschlossen hat. Die Vereinbarung sieht den gemeinsamen Aufbau eines Automobil-Clusters in der Region vor. Entstehen sollen sechs vollwertige Autofabriken mit einer Produktionskapazität von 250.000 Fahrzeugen pro Jahr und 15 Zulieferbetriebe. Laut Awtotor-Vorstandschef Wladimir Schtscherbakow liegen die Investitionen bei gut 100 Milliarden Rubel (etwa 2,5 Milliarden Euro).

Awtotor ist ein spezialisierter Montagebetrieb. Im vergangenen Jahr wurden hier 222.000 Fahrzeuge der Modelle BMW, Opel, Cadillac, Hyundai und Kia zusammengeschraubt. Künftig könnten die Marken Subaru, Jaguar und Range Rover dazukommen. Als mögliche Zulieferer werden neben dem Magna-Konzern, der in Kaliningrad Plastikdetails fertigen will, Johnson Controls, Eberspächer, Fagor und Lear genannt.

Als Basis für das gemeinsame Projekt gilt die russische Magna-Tochter Magna 2 Nischni Nowgorod. Das 2008 gegründete Unternehmen hat den Vorteil, über Zollrabatte bei der Einfuhr von Autokomponenten zu verfügen, wenn die Teile für die Automontage in Russland verwendet werden. Awtotor hat an der Magna-Tochter 60 Prozent übernommen. Über den Kaufpreis gibt es keine Angaben.

Magna werde Awtotor bei der Entwicklung der Konzeption und dem Aufbau des Clusters unterstützen, erklärte der Europachef des Konzerns, Günther Apfalter. Zudem will Magna als Partner bei der Lokalisierung der Produktion auftreten.

Magna ist schon mit mehreren Fabriken in Russland vertreten - drei in St. Petersburg, eine in Kaluga und eine in Nischni Now gorod. Neben westlichen Autobauern zählt auch der russische Kleinlasterhersteller Gaz (geführt vom ehemaligen Magna-CEO Siegfried Wolf) zu den Kunden. (André Ballin, Walter MÜller, DER STANDARD; 24./25.11.2012)

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24 Postings
und die Karawane zieht weiter

die Autofabriken dorthin, wo der Bedarf ist (und die Arbeitskräfte, die Kaufkraft) und die Zulieferer folgen, nicht nur günstigere Rahmenbedingungen (Löhne, Industriefreundlichkeit, Hoffnung auf Arbeit und "kleinem" wohlstand usw.). außerdem wollen wir ja nicht, dass alles weit transportiert wird, also siedeln auch die Industrien dorthin - ach ist das alles kompliziert, am besten wir glauben einfach an die wirklichen "Werte" und sind einfach nur lieb zueinander.

Was sind Plastikdetails?

was sagt denn der frankie zu der "schlechten" presse

wählt ihn & es werden noch mehr "gute" kvs fallen...

Garz wird immer mehr Russalnd Orientiert ?

Die KPÖ bekommt immer mehr Ewig-Gestrige als Zuläufer und die Industrie stellt sich auch um ... wenn da nicht die Kommunistische Machtübernahme geplant ist. Wär ein Filmstoff.

Gilt das auch für die anderen Magna-Ablegern aus dem Cluster - in der Steiermark?

Der Hummer WURDE zusammengebaut, da Hummer ja seit gut 2 Jahren zugesperrt ist.

dieses mal kam es noch zu einem kompromiss,

langfristig reißen die gewerkschaften die westeuropäische wirtschaft jedoch in den abgrund.

Ja, drücken wir endlich die Löhne, damit wir nach Russland expodieren können. In Russland ist der Mittelstand ja so groß und auch die niedrigeren Einkommensschichten können sich ein Auto leisten.

Sie haben von Wirtschaft keine Ahnung!

da haben sie leider völlig recht! denn das ständige nachgeben und die laufenden reallohnverluste werden unsere lokalen märkte allalong komplett zum erliegen bringen.
zudem werden die immer weiter sinkenden einnahmen aus lohnsteuer und sozialversicherungen, durch die immer größere anzahl an geringverdienern, das ihre zum kollaps beitragen.

Aktuell

macht es aber den Eindruck, als schaffe das die Wirtschaft schon selbst.

Awtotor

hört sich eher an als wenn die Kaviar produzieren.

...jetzt sehen wir wirklich was die Regeln sind!

In der Nachkriegszeit kam der Wiederaufbau und somit der Aufschwung. Die USA z.B. hat vieles bewirkt, Europa geholfen aber auch sehr gut davon profitiert. Im allg. Aufbau wird naturgemäß niemand großartig über das System nachdenken.

Zur Jahrtausendwende (genau genommen schon Ende der 80er) war der Höchststand in der EU erreicht und seither gibt es nur mehr eine Umstrukturierungsparty nach der anderen...

Jetzt, wo so langsam alle kapieren, daß es in der EU bergab geht, beginnen die Menschen nachzudenken.
Die fetten Jahre sind vorbei!

Plötzlich erkennen immer mehr und mehr die einzig gültigen Regeln:
- Gut ist alleine nur was einem INVESTOR weiterhilft und weiterbringt
- in EU is nix mehr zu holen also schlachten wir China aus!

".. also schlachten wir China aus"

Erklärung bitte. China ist doch selber am allermeisten dran interessiert, mit Billiglöhnen den Weltmarkt zu erobern. Sie können auch gar nicht anders: wenn sie nicht wollen, dass ihr Land wieder dorthin versinkt, wo es 1950 war, dann müssen sie das tun. Wenn sie auch nur um 30% aufwerten, kriegt die produzierende westliche Welt zu viel Luft - und das können sie in in ihrem eigenen Intersse nicht zulassen, denn es gibt nicht mehr genügend Ausweichsektoren bzw. profitable neue Produkte. Alles hat sich bis in die letzten Nischen spezialisiert, perfektioniert, organisiert und bürokratisiert. Die gesamte Realwirtschaft ist weltweit zu einer Gratwanderung geworden, von der man beim kleinsten Fehltritt abstürzt.

Da der Industrie/ Wirtschaft der Weitblick fehlt: Die (insbesondere europäische) Politik sollte sich einmal überlegen, was passiert, wenn die Optimierer ihr Werk vollbracht haben.

Europa ist heute (noch) der größte Binnenmarkt der Welt - was passiert, wenn die kaufkräftige Mittelschicht dezimiert wird? Und welche Auswirkungen hat das auch auf die Industrieproduktion in Asien?

Alternativen?

Innovative Einzelunternehmen? Nur potenzielle Ausbeutungsopfer.

Bürojobs? Fehlanzeige, auch hier setzt die Automatisierung mittlerweile voll ein.

Jobs am Menschen? Wie sollen weitere Jobs in Pflege oder Ausbildung finanziert werden, wenn der Standortwettbewerb ganz besonders über Steuern geführt wird.

Die Karre wird grad mit Vollgas an die Wand gefahren. Den Profiteuren kann es egal sein. Selbst wenn sich dann ihr absoluter Besitzstand drastisch reduziert, relativ ändert sich nichts. Und ein neuer Raubzug kann beginnen.

Arbeitszeitverkürzungen? -> mehr Arbeitsplätze

Würde aber vielleicht bedingen, dass man ein Wirtschaftssystem verabschiedet in dem die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht die Wirtschaft dem Menschen.
Weg von einem System von dem nur wenige profitieren auf Kosten aller anderen. -> Hin zu einem System wo der soziale, kulturelle, wissenschaftliche und technologische Fortschritt der Gesellschaft über dem persönlichen Profit einiger weniger steht.
Wo das Überleben nicht vom Erwerbsleben abhängt, wer jedoch mehr als Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen will, aber natürlich auch etwas leisten muss. Doch auch die Leistung gehört neu bemessen, denn die, die heute viel Geld verdienen, leisten in Wahrheit meist nur wenig für die Gesellschaft.

Alternativen?

Es gibt dazu keine. Optimierung und Perfektionierung bei gleichzeitiger Ausschaltung jeder individuellen Kreativität und jeder Arbitrarität ist der endgültige Sargnagel für das gesamte System.

Der Steiermark würde es gut tun, sich möglichst schnell

neu zu orientieren. Der Autocluster wird in Zukunft nicht mehr die treibende Kraft sein...

Ein Exil-Steirer

wird eh schon gemacht:
humantechnologie
eco world styria

geht aber nicht von heute auf morgen

Den Holzcluster haben sie noch vergessen aufzuzählen....

Im Vergleich zu den Summen, die im Autocluster versenkt wurden ist das aber Peanuts!

Sollte man da nicht besser titeln

Magna plant Demontage des Standortes GRAZ ?

Radikaler Umbau bedeutet

dass sich die Mitarbeiterzahl innerhalb der nächsten Jahre halbieren wird.

Der Autoindustrie geht es schlecht, den Zulieferern noch schlechter. Produktionen gehen zurück in die Stammwerke oder in Billiglohnländer.

Auf die Russen, Chinesen u. Co. kann man ja hoffen. Vielleicht hilft das über einige Jahre. Die Gefahr ist hat, dass das Know How und die Technologie rasch abgesaugt wird. Aber: Macht's nicht die eine Firma, macht's die andere.

Die - wirtschaftliche - Welt wird in einigen Jahren ohnehin eine andere sein. Dass es "für uns" nicht besser werden wird, davon kann man - als Realist - ausgehen.

wir brauchen

neue eurofighter.

was zum teufel sind

plastikdetails? oder verwendet ihr babbelfish?

Fug

Babelfish.

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