Im Politsumpf

Ansichtssache23. November 2012, 16:59
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Fünf Soldaten kommen beim Einsatz Dänemarks in Afghanistan ums Leben. Die Premierministerin Birgitte Nyborg (Sidse Babett Knudsen) ist in Bedrängnis. Schließlich war sie immer gegen den Einsatz, musste sich jedoch Koalitionspartner und Opposition unterordnen. Beratungen folgen, wie man weiter vorgehen werde. Schließlich wird getan, was der Sprecher empfiehlt: "Zuerst halten wir eine Pressekonferenz ab."

foto: arte/mike kollöffel/dr

Dänemark ist überall, und es spricht für Adam Prices Dramaserie Borgen, dass diese Spitze in Folge eins, Donnerstag auf Arte, ganz ohne Ironie verstanden werden soll. Die Öffentlichkeit hat mehr Einfluss auf das politische Handeln, als sie glaubt, weil nichts als katastrophaler gilt als schlechte Presse. 

Elf Monate nach dem Ende der ersten Staffel setzt nun die Fortsetzung mit unverminderter Schärfe und analytischer Kraft ein. Wie alle guten Serien funktioniert auch Borgen (deutscher Titel: Gefährliche Seilschaften) nach dem Showrunner-Prinzip, wonach ein Hauptautor die Hand auf das Gesamtergebnis hält und für Kontinuität sorgt.

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foto: arte/mike kollöffel/dr

Nicht nur aufgrund dessen ist Borgen eine der besten Serien europäischer Herkunft. Zu sehen, wie hier Politik auf das Privatleben abfärbt und umgekehrt Privates politische Willensbildung beeinflusst, ist fesselnd - und ein hervorragendes Rezept gegen Politikverdrossenheit. (Doris Priesching, DER STANDARD, 24./25.11.2012)

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