Brieftauben-Skelett aus dem Zweiten Weltkrieg wahrt sein Geheimnis

23. November 2012, 16:51
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Experten der britischen Regierung sind gescheitert und hoffen nun auf Hinweise aus der Öffentlichkeit

London - Der britische Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) verzweifelt am Entschlüsseln einer geheimen Brieftaubennachricht aus dem Zweiten Weltkrieg. David Martin aus der Grafschaft Surrey hatte die Nachricht nebst toter Überbringerin vor ein paar Wochen beim Renovieren seines Kamins gefunden: In einer Kapsel, die noch immer am Bein des Taubenskeletts befestigt war, steckte ein Zettel mit einem handgeschriebenen Code: Vier Reihen handgeschriebener Buchstabenkombinationen, die seitdem jedem Entschlüsselungsversuch trotzen.

Nach Geheimdienstangaben könnte die Botschaft doppelt verschlüsselt sein: Mit einem Codebuch und zusätzlich mit einem Code, der nur für diese Nachricht generiert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges haben die Alliierten rund 250.000 Tauben ausgebildet, um Nachrichten über den Ärmelkanal zu schicken. Britische Historiker sind sich ziemlich sicher, dass die Taube während der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 aus dem besetzten Frankreich losgeschickt wurde. Wegen der für den D-Day verordneten totalen Funkstille unter den Alliierten musste für wichtige Nachrichten über den Fortschritt der Invasion auf Brieftauben zurückgegriffen werden. Dass die Botschaft überhaupt verschlüsselt war, ist ein Hinweis darauf, dass sie sehr wichtig war; nur wirklich sensible Informationen wurden damals codiert verschickt.

Ein Historiker des GSHQ, der gegenüber der BBC nur seinen Vornamen, Tony, angeben wollte, muss nun eingestehen, dass es selbst den ultramodernen Computern des Abhördienstes nicht gelungen sei, die Botschaft zu entschlüsseln. Er erhofft sich nun von der Öffentlichkeit Hinweise zu der rund 70 Jahre alten Botschaft. Bei vielen solcher Nachrichten kannten nur Absender und Empfänger den Entschlüsselungs-Code. Deshalb hoffe er, ein noch lebender Verschlüsselungs-Experte aus dieser Ära könnte seinen ratlosen Kollegen auf die Sprünge helfen. (APA/red, derStandard.at, 23. 11. 2012)

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    Wochenlange Bemühungen des britischen Geheimdienstes haben nicht gefruchtet: Noch immer weiß man nicht, was für eine Botschaft diese Brieftaube überbringen sollte.

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