Zwangsumtausch für Devisen in der Ukraine

Die Firmen müssen die Hälfte der Exporterlöse konvertieren. Damit reagiert die Nationalbank auf schrumpfende Dollar-Reserven

Kiew - Die ukrainische Nationalbank hat einen Zwangsumtausch für Devisen angeordnet, die Regelung soll am 29. November in Kraft treten. Damit reagierte sie auf den starken Rückgang der Devisenreserven in den vergangenen Monaten. Beobachter sehen einen Grund für die Probleme der Nationalbank in den Stützungskäufen, mit denen sie den Kurs der heimischen Währung Hrywnja (Griwna) vor der Parlamentswahl künstlich auf einem stabilen Niveau gehalten hat, berichten ukrainische Medien.

Ohne Rückfrage mit Kunden

Die ukrainischen Banken müssen den Umtausch ohne Rückfrage mit ihren Kunden durchführen, berichten ukrainische Zeitungen. Für Privatpersonen gilt der Zwangsumtausch ab einem Betrag von über 150.000 Hrywnja (14.312,98 Euro) im Monat, der auf ihren Konten eingeht. Bei Firmen sind es 50 Prozent des durch Exporte erzielten Umsatzes, der zwangsweise umgetauscht wird. Anfang November hatte das Parlament die Nationalbank zu der Regelung ermächtigt. "Diese Entscheidung soll den Devisenmarkt stabilisieren und die ukrainische Zahlungsbilanz ausgleichen", erklärte der Abgeordnete Aleksandr Schepeljew der Internetzeitung "versii.com".

Die Devisenreserven der ukrainischen Nationalbank gingen allein im Oktober um 8,4 Prozent auf 26,8 Milliarden US-Dollar (20,79 Milliarden Euro) zurück. Seit Jänner beträgt der Rückgang 15,7 Prozent, im November sehen Experten laut Wirtschaftszeitung "Kommersant Ukraina" ein weiteres Minus von über zwei Milliarden US-Dollar. Denn die Ukrainer vertrauen der heimischen Währung immer weniger. Nach Angaben der Zeitung "Zerkalo Nedeli" kauften die Bürger im Oktober Fremdwährungen im Gegenwert von 2,2Milliarden US-Dollar, so viel innerhalb eines Monats wie seit dem Krisenjahr 2008 nicht mehr. Dennoch blieb der Kurs der Hrywnja über die Parlamentswahl hinaus stabil.

Urkrainische Währung gibt nach

Schon vor Wochen sahen Experten einen erheblichen Druck auf die Hrywnja. "Je eher die Abwertung kommt, desto besser", erklärte der Ökonom der Bank HSBC Alexandr Morosow gegenüber "Zerkalo Nedeli". Die ukrainische Währung werde um rund zehn Prozent bis zum Jahresende gegenüber dem US-Dollar nachgeben, so der Experte. Im kommenden Jahr sei ein weiterer deutlicher Wertverlust wahrscheinlich. Das ukrainische Parlament will die heimische Währung durch ein weiteres Gesetz stützen.

Das von der regierenden "Partei der Regionen" eingebrachte Projekt sieht eine Steuer von 15 Prozent auf Devisenverkäufe vor. "Ziel ist der Kampf gegen die Währungsspekulanten", erklärte der Abgeordnete der Partei der Regionen, Vitalij Chomutynnik, gegenüber "Kommersant Ukraina". Die Opposition sprach sich gegen das Gesetz aus. (APA, 23.11.2012)

Share if you care