Schlaganfallversorgung: Maßgeschneiderte Therapie

23. November 2012, 14:11
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Das Behandlungsspektrum nach einem Schlaganfall konnte mittlerweile durch Techniken der Neuroradiologie erweitert werden

Graz - Ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft, ist in mehr als 80 Prozent die Ursache eines Schlaganfalls. Um Gewebeschäden und Funktionsausfälle gering zu halten, muss der Blutfluss im Gehirn so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Immens wichtig sei es, die Akutversorgung genau auf den jeweiligen Patienten maßzuschneidern, erklärten Experten am Freitag bei einer Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Neuroradiologen in Graz.

Rund 20.000 Menschen werden jährlich wegen eines Schlaganfalls in die österreichischen Spitäler eingeliefert. "Standen früher zur Behandlung ausschließlich medikamentöse Therapien zur Verfügung, wird das Behandlungsspektrum heute wesentlich durch die Techniken der Neuroradiologie erweitert", sagte Kurt Niederkorn, Leiter der auf die Akutversorgung spezialisierten "Stroke Unit" am Universitätsklinikum Graz. Bundesweit gibt es 33 solcher Zentren.

Behandlung mit Medikamente oder Katheter

"Nur durch umgehende rasche Behandlung lassen sich Folgeschäden wie bleibende Behinderungen vermeiden", so die Experten. Hier gelte es, dass der Patient so schnell wie möglich ins Spital kommt und dort so rasch wie möglich die Therapie auf den jeweiligen Patienten abgestimmt wird, betonte Kongresspräsident Hannes Deutschmann von der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie der Medizinischen Universität Graz.

Über Computer- und Magnetresonanz-Tomografie können die betroffenen Hirnareale rasch lokalisiert werden. Die Standardbehandlung ist die sogenannte Thrombolyse. Die Patienten erhalten ein Medikament, welches das Gerinnsel im Gehirn auflöst. Ab einer bestimmten Länge, Größe und Lage lässt sich der Thrombus jedoch nicht mehr medikamentös beseitigen. In diesen Fällen kann eine Katheterbehandlung helfen, schilderte Primar Johannes Trenkler, Leiter des Instituts für Radiologie der Oberösterreichischen Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg.

Dabei werden die Blutgerinnsel mithilfe von neuartigen, wieder entfernbaren feinen Gefäßstützen (Stents), die über die Leistenarterie ins Gehirn vorstoßen, gefasst und aus dem Gefäß gezogen. Dieses als Thrombektomie bezeichnete Verfahren werde zunehmend erfolgreich angewandt. "So können wir zu 90 Prozent der Fälle das Gefäß wieder öffnen", sagte Trenkler. Auch die dauerhafte Platzierung eines Stents - wie bei der Behandlung des Herzinfarkts - sei möglich. (APA/red, derStandard.at, 23.11.2012)

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