Leerstand in Wiener Erdgeschoßen: "Es braucht eine kleine Revolte"

Interview | Elisabeth Mittendorfer
29. November 2012, 13:48
  • Theresa Schütz hat sich im Rahmen der Publikation "Perspektive Erdgeschoß" mit leerstehenden Erdgeschoßen auseinandergesetzt.
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    Theresa Schütz hat sich im Rahmen der Publikation "Perspektive Erdgeschoß" mit leerstehenden Erdgeschoßen auseinandergesetzt.

  • Zwischennutzungen in Erdgeschoßen sind vor allem für kreativwirtschaftliche Projekte interessant.
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    Zwischennutzungen in Erdgeschoßen sind vor allem für kreativwirtschaftliche Projekte interessant.

  • Schütz plädiert für eine stärkere sozio-kulturelle Nutzung von leerstehenden Erdgeschoßzonen.
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    Schütz plädiert für eine stärkere sozio-kulturelle Nutzung von leerstehenden Erdgeschoßzonen.

Erdgeschoßzonen sind die Visitenkarte eines Gebietes. Trotzdem stehen viele von ihnen leer oder verwahrlosen

Anfang 2011 hat die Stadt Wien dem Fachbereich "Örtliche Raumplanung" der TU Wien den Auftrag gegeben, ein Strategiekonzept für Erdgeschoße im Hinblick auf Leerstand zu entwickeln. Das Ergebnis nach einer Reihe von Workshops, Vor-Ort-Studien und Expertisen zu rechtlichen und immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die Publikation "Perspektive Erdgeschoß".

Darin werden unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungshaltungen zu Zukunftsfragen in der Entwicklung von Erdgeschoßen versammelt. Es werden aber auch konkrete Orientierungslinien und Expertenwissen für den Umgang mit derart leerstehenden Flächen der Öffentlichkeit offen dargelegt. Theresa Schütz war maßgeblich an diesem Prozess beteiligt. Im derStandard.at-Interview erklärt sie warum durch die Nutzung der Erdgeschoßzone manche Stadtteile bei Versorgungsqualität und mit sozio-kultureller Vielfalt punkten, während wo anders lieber im Parterre gewohnt wird.

derStandard.at: Welche Bedeutung hat die Erdgeschoßzone für eine Stadt?

Schütz: Sie ist vor allem im Zusammenhang mit dem öffentlichen Raum und dem Straßenraum zu sehen. Jener Raum, wo noch nicht alles vorprogrammiert ist und man die Möglichkeit hat, auf Fremde mit unterschiedlichen Einstellungen zu treffen. Ein Ort des Austauschs, wo es Handel, aber auch Kommunikation gibt, nicht nur in Kaffeehäusern, sondern auch im Stiegenhaus oder beim Friseur.

Hier werden soziale Kontakte ermöglicht, die sonst im öffentlichen Raum nicht stattfinden. Durch die Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Raums wird das immer weniger und darum umso wichtiger.

derStandard.at: Wie wirkt sich das auf die unmittelbare Umgebung aus?

Schütz: Eine Erdgeschoßzone ist so etwas wie die Visitenkarte eines Gebiets. Sie sagt aber nicht nur etwas über den Reichtum der Bewohnerschaft eines Viertels aus. An der Nutzungsart und -vielfalt werden der städtische Alltag und Charakter eines Milieus sichtbar. Zudem lässt sich auch die soziale und kulturelle Verantwortung ablesen, die Bewohner für ihre Wohnumgebung oder Eigentümer für ihre Häuser übernehmen.

Wenn die Erdgeschoßzone komplett abgewirtschaftet ist und ewig leer steht, weil sich kein neuer Mieter findet oder kein Eigentümer darum kümmert, wirkt sich das auch negativ auf den Charme und die Qualität eines ganzen Straßenzuges aus.

derStandard.at: Woher rührt der Leerstand im Erdgeschoß?

Schütz: Die Gründe liegen vor allem in der Veränderung der Gesellschaft und ihren Arbeitsformen. Die Erdgeschoßzone kann den sich rasant wandelnden Ansprüchen und differenzierten Lebenskonzepten einer Wissens- und Netzwerkgesellschaft weder als Raumstruktur noch als Mietobjekt nachkommen.

Daher sucht sich die arbeitende Stadtgesellschaft, die hauptsächlich auf Dienstleistungen im Wissenssektor ausgelegt ist, oft andere Plätze: Statt schlecht belichteter unbeheizter Souterrains, die einst kleinen Handwerksbetrieben als Werkstätten gedient haben, wird lieber ein helles, gut ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossene Bürohaus oder die repräsentative Wohnung im Dachgeschoß weit über dem Parterre gewählt.

derStandard.at: Was hat sich noch geändert?

Schütz: Es fehlt heute die Möglichkeit, als Schuster oder Schneider gegen einen Kleiderhändler zu konkurrieren, der mit global wirksamen Werbekonzepten und Produkten aus Billiglohnländern arbeitet. Nur einige wenige Kleinbetriebe und -händler in den Haupteinkaufsstraßen schaffen das - und das nur mit einem ausgeklügelten Marketingkonzept, mit hervorragenden Kontakten in eine kauffreudige und -kräftige Klientel und mit einem Netzwerk, das nicht jeder zur Verfügung hat. Nur so kann ein kleiner Greisler gegen einen Billa kämpfen.

Gleichzeitig findet eine räumlich Zentralisierung statt, sodass es dichter und besser versorgte Bereiche gibt und genau das Gegenteil davon. Wir erleben das tagtäglich ebenso in den Arbeits- und Mobilitätsstrukturen - daher sind die Erdgeschoßzonen auch ein Spiegelbild unserer Zeit.

derStandard.at: Warum funktioniert es in manchen Gegenden trotzdem?

Schütz: Es funktioniert aus der Not heraus. Menschen kommen hier an und müssen sich eine Existenz aufbauen. Aus abgewirtschafteten und toten Erdgeschoßzonen werden, sofern es doch noch leere Lokale billig zu mieten gibt, spezialisierte und durchmischte Nachbarschaften.

Das gilt für folgende Bereiche: Die hauptsächlich von Menschen mit Migrationshintergrund adaptierten Einzelhandelsstrukturen. Die von Künstlern und sozialen und kulturellen Initiativen um- und neugenutzten Ateliers. Und für Vereinslokale, Werkstätten und auch das Gastgewerbe. Alle diese Bereiche sind vielleicht deswegen so gut untereinander vernetzt und helfen sich gegenseitig, weil sie den sozialen Mehrwert erkannt haben, der sich durch den öffentlichen Austausch für das gesamte Wohnviertel ergibt. So werden aus verwahrlosten Straßen wieder lebendige.

derStandard.at: Welche Unterschiede bestehen zwischen Neubau und Gründerbauten?

Schütz: Die größten Fehler in den Neubaugebieten, beziehungsweise Gebieten in Planung, passieren, wenn man nach wie vor autogerechte und funktionsgetrennte Städte konzipiert. Dann werden Abstandsflächen zwischen Gebäuden als Erschließungsräume definiert und so fehlt in den daraus hervorgehenden Schlafstädten oder Businessdistricts die notwendige kritische Masse im öffentlichen Raum, damit eine Erdgeschoßnutzung überhaupt Fuß fassen kann.

Oder es werden Erdgeschoßzonen als Funktionsbereiche und Garageneinfahrten unter den ertragreichen Nutzflächen in den Obergeschoßen mit Mindestgeschoßhöhen gebaut. Das bedeutet von Vornherein ein Ausschlusskriterium für eine Werkstatt, einen kleinen Betrieb oder einen Veranstaltungsraum.

derStandard.at: Und bei Gründerbauten?

Schütz: In gründerzeitlichen Gebieten sind es zu hoch angesetzte Mieterwartungen von Hauseigentümern und Immobilienverwaltungen. Die Immobilienentwicklung fokussiert den kurzfristig abschöpfbaren Ertrag bei schnellem Wiederverkauf und nicht den längerfristig anhaltenden Mehrwert durch eine genutzte und gepflegte Erdgeschoßzone, die sich positiv auf die Liegenschaft über die attraktivierte Umgebung auswirkt. Das zusammen macht es unmöglich, dass dort sozio-kulturelle und neue Nutzungen aufkommen.

derStandard.at: Was lässt sich bei Neubauten generell verbessern?

Schütz: Bei großen städtebaulichen Projekten werden die einzelnen Bereiche auf verschiedene Bauträger aufgeteilt. Es wird aber nicht untereinander abgesprochen, welche Nutzungen im Erdgeschoß geplant sind. Aber genau dort findet das Andocken an den öffentlichen Raum statt. Die Folgen sind Unterversorgung auf der einen Seite und fünf Kindergärten in jedem Neubau auf der anderen.

derStandard.at: Wie lässt sich so etwas lösen?

Schütz: Es bräuchte ein dialogorientiertes Verfahren für den Austausch zwischen den einzelnen Bauträgern sowie offene und partizipative Plattformen, wo potenzielle zukünftige Nutzerinteressen eingebunden werden können. Beziehungsweise bräuchte es verbindliche Regeln, um diesen generellen Garagen- und monofunktionalen Wohnbau zu verhindern. Zum Beispiel eine Mindesträumhöhe im Erdgeschoß von drei Metern, um Flexibilität und Variabilität in der Raumnutzung sicherzustellen.

derStandard.at: Welche wesentlichen Erkenntnisse brachte die Auseinandersetzung mit Leerstand?

Schütz: Wir haben erkannt, dass die vielen unterschiedlichen Förderinstitutionen nicht oder kaum aufeinander abgestimmt sind. Es fehlt eine Drehscheibe, wo die bestehenden Förderungsinstitutionen der Wirtschaftskammer und der Wirtschaftsagentur, aber auch der MA 7, also der Kultur, andocken können, und wodurch auch umfassendere Fördersummen und Beratungsangebote möglich werden würden.

Mit diesen gebündelten Geldern sollten auch soziokulturelles Engagement und gemeinnützige Räume gefördert werden. Und nicht nur ökonomische, kreative und reine Wohnnutzungen oder für die Immobilienwirtschaft interessante.

derStandard.at: Wurden die Empfehlungen umgesetzt?

Schütz: Unser Ziel war eine Plattform zu schaffen, um der Bevölkerung Know-how und Unterstützung zu geben, damit sie ihre Nutzungsidee für Erdgeschoße aktiv und sichtbar in der Stadt wirken lassen können. Eine Stelle für Ratschläge, wie man eine kleine Organisation oder ein Unternehmen auf die Beine stellt. Oder wie Projekte untereinander vernetzt, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit kommuniziert und damit ein generelles Umdenken in der Gesellschaft über neue Nutzungsformen der Erdgeschoße eingeleitet werden. Noch haben wir keine Rückmeldungen von der Stadt Wien, inwiefern unsere Empfehlungen umgesetzt werden.

Leider ist mir klar geworden, dass man diese soziokulturelle Ebene als qualitativen Mehrwert und als Notwendigkeit in einer Stadt kaum ernst nimmt, sondern erst und nur dann, wenn sie mit einem wirtschaftlichen Profit in Zusammenhang gebracht werden kann.

derStandard.at: Welches Potenzial haben Erdgeschoßzonen in Wien?

Schütz: Man muss Leerstand als wertvolle Ressource verstehen lernen, mit der man verantwortlich umzugehen hat. Immobilienentwicklern und Verwaltern muss klar sein, dass Nachnutzung in kultureller oder sozialer Form nicht immer nur alternativ, unerwünscht oder gefährlich ist. Im Gegenteil: Da werden Räume recycled,  neue urbane Lebensformen kreiert und mit wenig Budget und viel Engagement ein sozialer Mehrwert geschaffen, der länger hält als eine frisch verputzte Fassade leuchten kann.

derStandard.at: Welcher Eigentümer stimmt da zu?

Schütz: Auch für den Eigentümer hat das Vorteile: Das Haus verfällt nicht und im oberen Geschoß ist der Fußboden nicht kalt. Dafür hat man eine Gasse, wo tags- und nachtsüber was los ist. In der Nacht muss man sich nicht fürchten, weil Licht vorhanden ist, wenn man den Gehsteig entlang geht. Auch da gehört der Fokus von den wirtschaftlichen auf den qualitativen Mehrwert.

Dafür braucht es aber eine kleine Revolte und Mut von allen Personen. Wir müssen uns trauen, mehr zuzulassen, damit auch Neues entstehen kann.

derStandard.at: Welche Risiken gibt es bei Zwischennutzungen in Erdgeschoßen?

Schütz: Für eine kreative Gemeinschaft kann das bedeuten, dass der wirtschaftliche und soziale Mehrwert dann von einer stärkeren immobilienwirtschaftlichen Gruppe abgeschöpft wird - und nicht von denen und für jene, die sich engagiert haben. Wir brauchen ein Leerstandsmanagement und nicht nur eine Agentur, die eine weitere zeitliche Ressource locker macht.

derStandard.at: Wie hoch ist der Anteil von leerstehenden Erdgeschoßen in Wien im Moment?

Schütz: Wir haben nicht plötzlich übermäßigen Leerstand. In manchen Gebieten findet eine Zentralisierung von kleinen Einzelhandelsstrukturen im hochpreisigen Greislersegment statt, in anderen Teilen eine Ausdünnung dieser Strukturen.

Der krasse Unterschied zeigt sich zwischen teuren Lagen mit hoher Fußgängerfrequenz wie im siebten Bezirk gegenüber ewig langen Einfallstraßen ohne Fußgänger, aber mit umso mehr Autoverkehr.

derStandard.at: Wo wird das in Wien besonders sichtbar?

Schütz: Den Unterschied sieht man deutlich in der Ottakringer Straße: Der Bereich, in dem man ja auch von Gentrifizierung durch SOHO spricht, ist sehr belebt. Aber dort hat man nicht nur durch dieses kulturelle und kreativwirtschaftliche Zutun mehr kleinen Einzelhandel geschaffen. Dort gibt es auch viele Wohnungen und eine hohe Bevölkerungsdichte, die lokal versorgt werden muss.

Am äußeren Rand, oberhalb der Ottakringer Brauerei, oder in der Triesterstraße in Favoriten brechen diese kleinteiligen Strukturen weg.

Ganz schlimm empfinde ich Neubauten, wo von Vornherein die Erdgeschoßzone entweder rein für das Wohnen konzipiert wird und eine ewig lange homogene Fassade von Garagentoren und Vorhängen oder zugezogenen Rollos den Straßenraum säumt.

derStandard.at: Wieso kann man die Erdgeschoßzonen nicht dem freien Markt überlassen?

Schütz: Der freie Markt stellt wirtschaftliche Interessen vor die qualitativen und sozialen, also genau das Gegenteil von dem, was notwendig ist, damit eine Erdgeschoßzone im Zusammenhang mit dem öffentlichen Raum funktioniert.

derStandard.at: Was müsste sich politisch ändern, um Erdgeschoßzonen besser nutzen zu können?

Schütz: Momentan findet eine Deregulierung statt, beziehungsweise gibt es vermehrt eine Zusammenarbeit der Stadt mit privaten Investoren bei der Konzeption von Neubaugebieten. Im Gründerzeitbau zeigt sich die Deregulierung vor allem darin, dass man viel Geld für Stadtmarketing, also Oberflächenbehandlung, ausgibt und wenig für Gebietsbetreuungen oder andere lokal aktive Akteure.

Außerdem sind keine rechtlichen Kriterien festgelegt, wie man mit den Erdgeschoßzonen umgeht. Denkbar wäre zum Beispiel eine Leerstandsabgabe, wenn spekulativ gehandelt wird. Einiges, was jetzt im Stadtentwicklungsplan als unverbindliche Leitlinien für öffentliche Räume vorgeschlagen wird, muss über rechtliche Rahmengerüste konkret gemacht werden. Das gibt auch den Eigentümern eine Perspektive und klare Zielvorgaben.

derStandard.at: Hätte das auch ökonomische Vorteile?

Schütz: Man kann auch über Vorzeigeprojekte ein Umdenken in der Marktwirtschaft bewirken. Die Marktwirtschaft ist ja nicht der per se der Teufel. Auch da gibt es innovative Menschen und sozial verantwortlich agierende Leute, aber die müssen einen Anreiz bekommen mitaufzuspringen. Damit sie sich nicht in den Schatten derer stellen müssen, die nur nach reinen Profitinteressen vorgehen. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 29.11.2012)

Theresa Schütz ist Universitätsassistentin am Department für Örtliche Raumplanung an der TU Wien.

Zum Thema:

"Perspektive Erdgeschoß"
Herausgegeben von der MA 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung
Erscheinungsjahr: 2012
298 Seiten, 7 Euro

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Ökonomie

Wenn man möchte, dass Menschen als Kleingewerbetreibende einen Laden aufmachen,dann muss man die Steuern und die Auflagen des Staates reduzieren.Umso höher die Steuern und umso mehr Auflagen es zu erfüllen gibt,umso weniger Kleingewerbetreibende wird es in den Stra0en geben.Was es maximal geben wird, sind Filialen, die sich aufgrund ihrer Umsätze hier und da weitere Standorte leisten können.Dann sieht aber eben alles gleich aus.Das Angebot an Kleingewerbe ist die eine Seite.Die andere ist die sinkende Kaufkraft.Wenn das Geld an Wert verliert und der Wohlstand abnimmt,setzt ein Verdrängungswettbewerb ein.Dadurch werden manche Straßen veröden.Das alles ist simple Ökonomie und lässt sich nicht planen.

Schön und gut, dass sich die MA18 damit auseinandergesetzt hat.

Aber ehrlich, wer möchte dort wohnen ? Nicht mal die Beamten der MA18 würden sich dort eine Wohnung oder ein Büro einrichten, weil die bekommen ihre Beamtenburgen sowieso vom großen Vorsitzenden im Grünland von Wien hingeklotzt.

Staat und Stadt als Unternehmenkiller

Die blinde Gier der beiden Institutionen ist ein richtiger Wirschaftskiller. Null Anreize, horrende Abgaben. So stirbt das Geschäftsleben in den wiener Einkaufstrassen aus. "Matratzen Concord" und "Admiral Sportwetten" übernehmen den Rest der verwahrloster Laden in der postatomaren Einkaufslandschaft.

sehe eher die Lokalmieten als "Killer".

Wenn ein Greissler oder kleiner Einzelkaufmann in einer eher schwachen Lage für sein 50 m2 - Lokal schon mal 1500 zahlt, dann geht sich nach Betriebskosten, Steuer und sonstigen Abgaben wohl kein Leben mehr aus.

spannende Detailbetrachtung der Stadtentwicklung

Ich finde gerade die Betrachtung eines speziellen Details der Stadtentwicklung sehr interessant. Die Entwicklung von Bedarf und Nutzung von Platz und Raum insbesondere in Großstädten ist auch das zentrale Thema auf dem Platzprofessor-Blog (http://platzprofessor.myplace.eu/), wir haben den Artikel deshalb als Link-Tipp aufgenommen. Die Artikel auf dem Blog beschäftigen sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Nutzung von Platz und Raum im urbanen Kontext.

Geschäftsstrassen sterben aus

Die Ottakringer, Hernalser, Neulerchenfelderstrasse etc.

Wettbüros, Kebap, Hühnerläden, fremdländische Friseure und Brautmoden, sowie Supermärkte
der Rest steht leer

DAfür dürfen die Wiener ins Umland zum Shoppen fahren!

im 9. bezirk hat man festgestellt, dass viele dieser verrammelten, offenbar leer stehenden lokale vermietet sind - als lagerräume

vorteil für den vermieter: einnahmen, ohne investitionen für die erhaltung, bei einem lager ist es wurscht, ob im zugeklebten fenster ein sprung ist, oder der fußboden kaputt, die wände abgeschlagen, usw

Diese Lagerräume sind zum Großteil Altbestände aus den 80ern und 90ern. Heute hast kaum eine Chance sowas für einen halbwegs realistischen Preis zu finden - hab selbst genauso lange wie erfolglos gesucht.

Solange Vermieter für leerstehende Flächen nicht nennenswert Steuern Zahlen müssen, werden weiterhin Flächen eher leerstehen, bevor sie "zu günstig" vermietet werden.

na dann fahrens einmal in den 7.
dort werden in guter lage geschäfte als lager oder bueros vermietet. super. dem blimlinger ist des wurscht.

besser vermietet als leerstehend, würde ich mal sagen.

Wobei mir eine schön durchmischte und lebendige Geschäftsinfrastruktur auch lieber wär'.

Lagerräume werden nach Flächenwidmung als Geschäftslokal gesehen?

das Problem sind die Shopping-Zentren: de facto bilden sie eine Geschäftsstraße ab, bei der aber eine Fußgängerzone herrscht. d.h. man hat in der Regel die selben Fußwege. Und die Leute wollen ja auch ohne sich zwischen Autos zu quetschen zwischen den Geschäften einkaufen und flanieren: sieht man auch bei der SCS: da kann man ja auch nicht mit dem Auto vors Geschäft fahren.

Da wäre es eine Überlegung: mehr Fußgängerzonen zu schaffen, wobei am Beginn und Ende einer jeden Fußgängerzone Parkgaragen sein könnten: das würde a) die Geschäftsstraßen in den Bezirken attraktiver machen zum Einkaufen (sieht man z.B. anhand der Meidlinger Hauptstraße sehr gut) und b) würden die Leerstände reduziert werden.

sind sie autofahrerIn?
probieren sie einmal einen einkauf im shoppingcenter, und einen in einer fussgängerzone - sie weden schnell merken warum die einkaufszentren boomen und die einkaufsstrassen sterben.

der artikel lässt leider unerwähnt, dass flächenwidmungspläne die schaffung von wohnraum im erdgeschoss verbietet. wird ein kleines geschäftslokal mietfrei, ist es nicht zulässig, das als wohnung zu nutzen, das in einer zeit, wo angeblich billiger wohnraum fehlt. kleingewerbetreibende werden auch immer weniger und so passierts dann: nutzungsverbot für den eigentümer, von der gemeinde wien angeordnete verslummung; zur lösung des offenbar endlich erkannten problems studien in auftrag zu geben, ist schon mal nützlich, klarer menschenverstand wäre allenfalls genauso hilfreich.

Das macht aber schon Sinn.

Zur Städteplanung gehört eine Durchwachsung mit Geschäftsstraßen und Nahversorgung; würden viele Erdgeschoßgeschäfte als Wohnungen vermietet, leidet einerseits die Nutzung der gesamten Straße als Geschäftsstraße, was wieder andere Hauseigentümer, die ihre Geschäfte angemessen vermieten, schädigt.

Andererseits wird die Infrastruktur einer Stadt um viel Geld öffentlich geplant und lebende Geschäftslokale liegen im öffentlichen Interesse.

Man wird halt als Fehlern lernen und den Bau großer Einkaufszentren einschränken müssen.

PS: Und ehrlich gesagt würde ich um viel Geld nicht in einer Wohnung mit Auslage auf eine Straße wohnen wollen, allein schon aus Sicherheitsgründen. Das macht man in Deutschland, wo die Wohnungssituation viel schlechter ist als in Österreich, und die Leute keine Wahl haben.

Wo liegt das Problem bei einer Ergeschosswohnung in einem ehemaligen Gewerbelokal, wenn das Schaufenster - zumeist mit wenig Aufwand - auf ein "normales" Fenster umgebaut werden kann? Bei den meisten Einfamilienhäusern sind die Erdgeschosse auch bewohnt. Solche Wohnungen wären doch für Personan, die günstige Mieten suchen, z.B. für StudentInnen oder MigrantInnen, interessant.

Und warum sollten StudentInnen und MigrantInnen in solchen Buden hausen wollen, bei denen ständig jemand durchs Fenster schaut. Bei den meisten Einfamilienhäusern gibt es zwischen Fenster und Gehsteig noch einen Garten mit Hecke.

unnuetzes geschwafel

ich revitalisiere gerade eine immobillie die seit zehn jahen leer steht und wo die strasze davor bislang tot ist und wo ich unter anderen in das EG mehrere Lokale reinhole. bei der aktion verdiene ich auch noch ein schoenes geld. was es dafuer braucht ist interesse es zu tun, begeisterungsfaehigkeit, netzwerken und lokale beamte (Denkmalschutz, Stadtplanung, Baupolizei...), die so eine idee gutfinden und helfen - die unteren ebenen musz man fuer so was nicht einmal schmieren. was es dafuer nicht braucht eine studie mit langweiligen platitueden, einen gruen/roten beauftragten auf versorgunsposten und duemmliche fantasiekonzepte wo klar ist, dass die neuen mieter unfaehig sein werden der strasze davor leben einzuhauchen.

Fürcherliches links linkes Getöse!

Ich vermute mal für die Studie ist auch öffentliches Geld geflossen. Wenn ja, dann mögen wir uns als Steuerzahler für diese retrokommunistische Zitatesammlung genießen. Ansonsten gratuliere ich zur Begriffskonzentration "sozi-kulturell" auf kürzesten Raum.

Nachdem der Strassenstrich

so gut wie Geschichte ist wär es doch die Gelegenheit den Sexarbeiterinnen ein menschenwürdiges Umfeld zu schaffen indem leerstehende Gassenlokale adaptiert werden und kostengünstig den Damen zur Verfügung gestellt werden. Die Auslagengestaltung können ja Nachwuchskünstler übernehmen.

Wichtiger als "Regeln" und "Durchsetzung" wäre eine einfachere Handhabung:

Wenn Geschäfte leerstehen und sich BesetzerInnen finden, die dort was machen,
dann
* sollten sie unterstützt und nicht mit Polizei geräumt werden
* sollten sie 6 Monate mietfrei dort (legal) sein dürfen
* sollte weitere 6 Monate eine gesetzliche Mindestmiete verlangt werden dürfen
und erst DANN ein Mietvertrag nach Wunsch des Hausverwalters fällig werden bzw. ein Rauswurf in Frage kommen.

(Ausnahme: wenn während dieser Zeiten ein "echter" Mietvertrag zustandekommt und der neue Mieter hinein will, um seinen Shop zu starten)

Wäre das nicht vernünftiger als die hässlichen leerstehenden GeschäftsRuinen?

klingt nach DDR. und passt nicht in eine Marktwirtschaft.

Der mit der gesetzlichen Mindestmiete war gut!

Ui - da haben Sie gleich alle Besitzstandwahrer gegen sich :-)

Eh, pfeif auf Eigentümerrechte,

Schöne Vorstellung das. Ich wolle schon immer einen Partyraum für mich und meine Kumpels zum Abhängen. Couch rein, grosser Kühlschrank, Stereoanlage, Dartscheibe, Wuzzler, Grossbildfernseher, was man halt so braucht. Jedes halbe Jahr hiesse es halt umziehen, das liesse sich mit einer Art Tauschbörse leicht bewerkstelligen.

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