Notfallmaßnahmen bei Verbrennungen

  • Die Haut von Kindern ist dünner und deshalb empfindlicher gegenüber thermischen Reizen.
    foto: dpa/claus felix

    Die Haut von Kindern ist dünner und deshalb empfindlicher gegenüber thermischen Reizen.

80 Prozent aller Verbrennungsunfälle geschehen in der Küche. Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind Kinder unter drei Jahren

Berlin - Jedes thermische Trauma ist ein Notfall und erfordert schnelle und vor allem richtige Maßnahmen. Das gilt insbesondere für Kinder, denn ihre Haut ist dünner und schon wenige Sekunden Einwirkzeit können schwere Verletzungen verursachen. Besondere Gefahr droht durch den Flüssigkeitsverlust, den eine Verbrennung mit sich ziehen kann. Schon fünf Prozent verbrannte Körperoberfläche können einen Schock auslösen.

"Wir wissen aus Studien und den Ergebnissen einer aktuellen Doktorarbeit, dass 80 Prozent aller Verbrennungsunfälle in der Küche geschehen und 60 Prozent der Betroffenen dabei jünger als drei Jahre sind", sagt Axel Hennenberger, Mitglied bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Laut Angaben des Experten, kommt es am häufigsten zu Verbrennungen mit heißem Wasser. Aber auch Unfälle mit erhitztem Öl aus der Fritteuse oder durch das Inhalieren von heißen Dämpfen - um eine Erkältung zu bekämpfen - geschehen nicht selten, weil das Kind beispielsweise die Schüssel vom Tisch zieht und sich die heiße Flüssigkeit über den Schoß ergießt.

Schweregrad der Verbrennungen

Die Medizin unterteilt die Art der Verletzung nach unterschiedlichen Schweregraden. Bei Verbrennungen 1. Grades - etwa durch einen Sonnenbrand - reicht es in den meisten Fällen aus, die betroffene Stelle mit kühlem Leitungswasser zehn Minuten zu kühlen. "Verbrennungen 2. Grades unterteilen wir dann in Schwerestufe a und b. Beim Schweregrad 2a kommt es zu einer Blasenbildung weil der betroffene Bereich schnell Flüssigkeit aufnimmt. Auch hier ist es zunächst wichtig, die Haut mit Leitungswasser zu kühlen. Anschließend aber sollte man die Wunde von einem Arzt versorgen lassen", rät Hennenberger.

Bei Verbrennungen vom Typ 2b sind die Blasen bereits aufgeplatzt und die Wundflüssigkeit abgeflossen. "In diesem Fall ist es ratsam, ebenfalls sofort mit Leitungswasser zu kühlen - gleichzeitig sollte man aber auch den Notarzt rufen. Die Verbrennungsreste müssen abgetragen, desinfiziert und mit Wundauflagen versorgt werden, sonst droht eine Infektion durch Bakterien", erklärt der Mediziner. Für die Kinder ist diese Behandlung extrem schmerzhaft. Manchmal ist eine Hauttransplantation nötig, die dann aber unter Kurznarkose erfolgt.

Bei Verbrennungen 3. Grades ist die Haut bis auf den Wundgrund verbrannt. Weder Hautzellen noch Schweißdrüsen sind vorhanden, die Haut sieht aus wie Leder. "In diesem Fall bitte sofort den Notarzt rufen", sagt der Facharzt. "Wenn die Kinder noch Kleidung tragen, stellt man sie am besten sofort unter die Dusche - denn so ist es leichter möglich, eventuell mitbetroffene Kleidung ausziehen. Anschließend wird nur die betroffene Stelle mit Leitungswasser gekühlt", ergänzt Hennenberger.

Prävention

Auf gar keinen Fall sollte man die Blasen selber öffnen. Hausmittel wie Mehl, Puder, Salben oder Gele sollten bei Verbrennungen ebenfalls tabu sein, denn sie erschweren dem Arzt die Beurteilung und Behandlung der Wunde und können die Infektionsgefahr erhöhen. Laut Meinung des Mediziners sind nur sterile Kompressen für die Wundversorgung geeignet. "Sollten diese nicht greifbar sein, ist es besser auf den Notarzt zu warten. Bis zu seinem Eintreffen sollten die Eltern oder die erziehungsberechtigten Personen versuchen, das Kind zu trösten und warm zu halten", erläutert Hennenberger.

Um Unfälle vorzubeugen sollten heiße Getränke und Wasserkocher immer außerhalb der Reichweite von Kindern sein, empfiehlt der DIVI-Experte. Ein weiterer Tipp: "Ganz wichtig ist ein Schutzgitter am Herd sowie ein abschließbarer Backofen. Die Kinder benutzen die Klappe sonst als Treppe".  (red, derStandard.at, 23.11.2012)

Weitere Infos zu Brandverletzungen sind unter www.paulinchen.de abrufbar.

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