Novomatic versucht sein Glück bei dayli

23. November 2012, 15:07
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Wien - Novomatic versucht sein Glück beim Nahversorger dayli (ehemals Schlecker) als neuer Hälfte-Eigentümer. Der niederösterreichische Glücksspielkonzern steige zu 50 Prozent ein, es handle sich aber um keinen Mehrheitsanteil, betonte dayli-Chef Rudolf Haberleitner. Wie viel Geld Novomatic zuschießt, darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Dass bald Glücksspielautomaten bei dayli stehen, schließt Haberleitner aus: "Wir sind ein Retailer, keine Glücksspielfirma."

Operativ werde sich Novomatic nicht einmischen, so Haberleitner, der im Juli über seine Investmentgesellschaft TAP 09 alle 1.350 Schlecker-Standorte in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg übernahm und sie nun unter dem Namen dayli betreibt. Auch im Management soll sich nichts ändern, wenngleich man auf der Suche nach einem Finanzchef sei. Von Novomatic soll zumindest niemand in die Geschäftsführung einziehen.

Zukauf im In- und Ausland

Die Novomatic-Geldspritze will Haberleitner in den Zukauf von Handelsfirmen im In- und Ausland sowie in die Expansion stecken. Haberleitner kündigte heute an, Einzelhandelsketten übernehmen zu wollen - auch in Österreich. Ein Vorhaben, das von Branchenexperten angesichts der speziellen Marktsituation hierzulande bezweifelt wird.

In Polen arbeitet Haberleitner mit einem Partner zusammen. Auch in Italien sei ein Joint Venture kurz vor dem Abschluss. Deutschland stehe als nächstes auf dem Plan. "Wir haben in Deutschland bereits mehr als 400 Standorte identifiziert, die für uns infrage kommen", meinte Haberleitner. Es handle sich dabei um ehemalige Schlecker-Standorte. "Mein Ziel ist es, außerhalb von Österreich mit Partnern zu arbeiten, die den Markt im jeweiligen Land kennen", so Haberleitner.

Mode bis Bistro

Die Umwandlung von Schlecker zu dayli sei nun überall abgeschlossen. Demnächst sollen auch Lebensmittel in die Regale einziehen. In seinen "Bauchladen"-Geschäften will der Unternehmer auch Dienstleistungen (Post, Putzerei usw.), Papier- und Schreibwaren, Mode sowie Elektroartikel anbieten. Sogar ein Bistro in jeder Filiale ist angedacht.

Heuer wird dayli noch Verluste schreiben. Haberleitner erwartet einen Betriebsverlust (EBIT-Verlust) zwischen 8 und 10 Mio. Euro. Bereits 2013 soll das Ergebnis auf EBIT-Basis positiv sein. Den konsolidierten Umsatz für 2012 bezifferte er mit rund 400 Mio. Euro.

Keine weiteren Investoren gesucht

Auf der Suche nach weiteren Investoren sei er nicht, so Haberleitner. Novomatic-Gründer und Multimilliardär Johann Graf sei auf ihn zugekommen, ob man sich finanziell beteiligen könne. Novomatic-Generaldirektor Franz Wohlfahrt ließ am Freitag in einer Aussendung wissen, dass man "von der Notwendigkeit eines innovativen, zukunftsweisenden Nahversorgungskonzepts überzeugt" sei und dayli diese Voraussetzungen erfülle. "Daher steigen wir als Partner ein, auch wenn dieses Investment nicht zu unseren Kerngeschäftsfeldern zählt."

In der Glücksspielbranche wird der Einstieg von Novomatic als kluger Schachzug gewertet. Der niederösterreichische Konzern könnte sich so langfristig Standorte für Glücksspielsalons sichern; im Falle, dass dayli-Filialen zusperren, könnte Novomatic als Eigentümer laufende Mietverträge des Einzelhändlers übernehmen, wird spekuliert. Generell zahlen Automatenbetreiber bis zu ein Fünftel mehr für ihre Standorte als andere Mieter. Novomatic selbst wollte sich zu dem Deal am Freitag über die Presseaussendung hinaus nicht äußern.

Automaten in den dayli-Geschäften aufstellen dürfte Novomatic von Gesetzes wegen nicht, sagte Helmut Kafka vom Automatenverband. Auch nicht in der Übergangsfrist, in der das sogenannte kleine Glücksspiel noch erlaubt ist. Momentan ist das Automatenzocken in vier Bundesländern legal, 2014 bzw. 2015 läuft das kleine Glücksspiel aus, dann greifen die Neuregelungen im Glücksspielgesetz (GSpG). (APA, 23.11.2012)

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