Pendlerpauschale: reformieren oder abschaffen?

Leserkommentar |

Die Pendlerpauschale ist kein Geschenk der Bundesregierung, sondern wird auch von den Steuerzahlern bezahlt, die sie nicht erhalten

Menschen haben unterschiedliche Präferenzen. Die einen bevorzugen durch einen Wohnsitz in ländlichen Gebieten niedrige Wohnkosten oder höhere Wohnqualität und nehmen dafür längere Wege und höheren Verkehrsaufwand (Zeit und Geld) in Kauf. Den anderen sind kurze Wege wichtig. Den niedrigen Verkehrsaufwand erkaufen sie mit den höheren Wohnkosten in zentralen Lagen.

Auch die Wahl des Arbeitsplatzes ist eine Optimierungsaufgabe, die jeder aufgrund seiner persönlichen Präferenzen hinsichtlich Verdienst, Arbeitsinhalten, Arbeitsklima und Erreichbarkeit selbst löst. Arbeitsplätze, die weiter vom Wohnstandort entfernt liegen, werden näher liegenden nur dann vorgezogen, wenn deren Vorteile den höheren Verkehrsaufwand überwiegen. Der Arbeitsplatz in der fernen Stadt ermöglichst den Pendlern ein höheres Einkommen oder höhere Arbeitszufriedenheit als ein Arbeitsplatz in der Nähe.

Das Pendeln ist grundsätzlich im allgemeinen Interesse

Den Unternehmen steht durch das Pendeln ein größeres Arbeitskräfteangebot zur Verfügung. Dies dämpft ihre Lohnkosten und stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Kunden dieser Unternehmen profitieren davon wiederum durch niedrigere Preise für die Güter oder Dienstleistungen. Das Pendeln liegt daher grundsätzlich einmal im allgemeinen Interesse. Weder bringen die Pendler ein Opfer dadurch, dass sie in der "fernen Stadt" arbeiten, noch sind die Unternehmer in den Städten besonders "sozial", weil sie die "armen Pendler" anstellen. Es handelt sich um ganz normale Marktprozesse, also um die Summe der freiwilligen Verträge, die zwischen den Bürgern abgeschlossen werden.

Die Wermutstropfen der Mobilität

  1. Der Kostendeckungsgrad des PKW-Verkehrs in Österreich beträgt nur 38 Prozent (siehe auch BMVIT, Straßenforschungsheft Nr. 528, "Österreichische Wegekostenrechnung für die Straße 2000", Seite 105). Autofahrer tragen nicht einmal 40 Prozent der verursachten Gesamtkosten selbst; die restlichen mehr als 60 Prozent werden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Dies stellt eine Fehlleitung von Ressourcen dar, die zu einem ineffizienteren und teureren Verkehrssystem führt, als bei Einhaltung des Verursacherprinzips. Dass auch der Öffentliche Verkehr in Österreich seine Kosten nicht deckt, macht das Problem auch nicht kleiner.
  2. Die Pendlerpauschale fördert große Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsort. Die freie Wahl der Standorte wird einseitig verzerrt. Die Pendeldistanzen werden dadurch länger, als ohne diese staatliche Intervention. Die Pendlerpauschale wirkt als "Zersiedelungsprämie".

Wie wäre es mit "Zentrumspauschalen"?

Das Problem liegt darin, dass lange Pendeldistanzen und das Autofahren subventioniert werden. Pendler sind weder "arm" noch benachteiligt. Sie werden sogar steuerlich bevorzugt. Während lange Wege zur Arbeit durch die Pendlerpauschale steuerlich "belohnt" werden, gibt es für die höheren Wohnkosten in zentralen Lagen kein vergleichbares "Zentrumspauschale".

Freiheit und Eigenverantwortung bei der Standortwahl

In unsere demokratischen Gesellschaft kann (und muss) sich jeder selbst entscheiden, wo er wohnen und wo er arbeiten will. Und das ist auch gut so. Die Freiheit hat aber auch eine Zwillingsschwester namens Eigenverantwortung. Die besagt, dass die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen auch selbst zu tragen sind.

Es gibt keinen sachlichen Grund dafür, dass ein Teil der Steuerzahler einem anderen Teil dessen persönliche Vorlieben bei der Wahl von Wohnort, Arbeitsplatz und Verkehrsmittel bezahlen muss.

Daran vermögen auch "ökologische" oder "soziale" "Behübschungen" der Pendlerpauschale nichts zu ändern. Die Pendlerpauschale ist kein Geschenk der Bundesregierung, sondern wird auch von den Steuerzahlern bezahlt, die sie nicht erhalten. Angesichts der in Österreich extrem hohen Einkommenssteuersätze (43 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 26.000 Euro) wäre eine deutliche Steuersenkung nach Schweizer Vorbild sinnvoller als die aktuellen "Geschenke".

Die Pendlerpauschale gehört daher nicht reformiert sondern ersatzlos abgeschafft! (Leserkommentar, Roman Riedel, derStandard.at, )

Roman Riedel (49) ist Raum- und Verkehrsplaner.

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das ist ein scheingefecht, schade, dass der schreiber darauf hereinfällt

es gibt nach wie vor 599 vorschläge vom rechnungshof zur verschlankung der verwaltung.

und was macht die regierung damit? totschweigen und unerledigt sterben lassen ...

also: pendlerpauschale ja/nein ist eine der schattendiskussionen, die aufgeworfen werden, damit das wahlfußvolk (zu dem der verfasser auch gehört?) sich gegenseitig das leben schwer macht und in die wadeln beißt.

und das völlig ABGESEHEN davon, dass es schon ein fortschritt wäre, würde beim verteilen der beihilfen endlich mehr auf soziale treffsicherheit geachtet.

"Die Pendlerpauschale gehört daher nicht reformiert sondern ersatzlos abgeschafft!"

gut gemeint, aber weltfremd. welcher bürger lässt sich schon sein 'goodie' wegnehmen ohne auf seine 'wohlerworbenen rechte' zu bestehen?

allenfalls eine umschichtung dieser mittel wäre evtl. durchsetzbar:
= günstigere tickets für öffis. wer für das auto einen zuschuss will, muss nachweisen, dass der weg zur nächsten haltestelle kaum mithalten kann mit der direkten autofahrt zur arbeit. ansonsten gibt es für ihn null förderung.

ein nachteil für autopendler?
nur wenn man ihre vorteile ignoriert: wer durch das auto einen zeitvorteil hat, kann diese (zb tägliche stunde) als freizeit konsumieren oder per überstunde mehr verdienen. im gegensatz zum öffi-pendler.

" Dass auch der Öffentliche Verkehr in Österreich seine Kosten nicht deckt, macht das Problem auch nicht kleiner."

mMn ein hatscherter und unzulässiger vergleich:
wenn ein zusätzlicher pendler das mit dem auto erledigt, ändert sich nichts an der 38% zu 62% relation.

wenn er aber dafür öffis benutzt, ändert sich nichts an den kosten, aber seine fahrkarte reduziert das defizit.

Der Fehler, der bei der erwähnten 38 zu 62 Rechnung gemacht wird

es wird der externe Nutzen nicht einkalkuliert, d.h. Zeitersparnis, höhere Gehälter durch die Möglichkeit woanders zu arbeiten und damit höhere Steuern und Sozialabgaben fehlen. Dazu werden auch nicht die direkt mit der Kfz-Industrie verbundenen Steuern und Abgaben, zB. ESt/LSt, DB, KommSt, die durch die tausenden im Kfz-Bereich tätigen Menschen erwirtschaftet werden, eingerechnet.

Wenn ich bei der ÖBB nur die Ticket-Einnahmen den Gesamtkosten gegenüberstelle, komme ich auf noch eine schlechtere Deckung, als 38% - ist diese Rechnung fair und richtig?

lg
Dimple

" Die Kunden dieser Unternehmen profitieren davon wiederum durch niedrigere Preise für die Güter oder Dienstleistungen. Das Pendeln liegt daher grundsätzlich einmal im allgemeinen Interesse."

NUR wenn man die sache rein betriebswirtschaftlich betrachtet.
sobald aber die EXTERNEN kosten ebenfalls berücksichtigt werden ( das nicht zu tun, kann man als erbsünde einer volkswirtschaft bezeichnen!), schaut die rechnung ganz anders aus.

alle externen Kosten

Wenn schon externe Kosten berücksichtigen, dann bitte ALLE externen Kosten.

Ein anderes Beispiel dazu:

ich sehe nicht ein, warum ich mit meiner Lohnsteuer die Zuwendungen des Staates an die vielen Nichtlohnsteuerzahler finanziere.
Hören wir lieber auf mit diesem Unsinn, der nur die Bürger gegenseitig aufhetzt!

In Österreich passieren in Biedermeier-Lustigkeit wundersame Dinge:

80 Millionen Euro für die Ganztagsschule werden nicht gebilligt, dafür aber eine Woche später eine sozial asymmetrische, umwelt- und verkehrspolitisch sinnlose Pendlerpauschale in Höhe von 120 Millionen Euro.

(Zitat H. Androsch, siehe : http://derstandard.at/135320741... le-Steuer)

schulkinder sind keine wähler.

pendler hingegen sehr wohl!

Wegekosten

Gut, wenn die Autofahrer nur 38 Prozent der verursachten Kosten selbst tragen, wie kommt es dann, dass von den vielfältigen Einnahmen, welcher der Staat von den Autofahrern einkassiert, noch viele Milliarden übrig sind, um damit die ÖBB und viele, viele andere Dinge zu finanzieren?
Würden die vielen Milliarden der Autofahrer zweckgebunden nur für den Strassenbau etc. verwendet werden, würden wahrscheinlich 200 Prozent Kostendeckung herauskommen. Aber die Zweckbindung wurde aufgehoben, deshalb müssen wir jetzt extra noch ein Autobahnpickerl zahlen, damit die ASFINAG nicht so viele Schulden machen muss, was ja nicht notwendig wäre, würde man das Geld der Autofahrer zweckgebunden verwenden.
Im Prinzip nur eine Neiddebatte für Uninformierte!

"wenn die Autofahrer nur 38 Prozent der verursachten Kosten selbst tragen, wie kommt es dann, dass von den vielfältigen Einnahmen, welcher der Staat von den Autofahrern einkassiert, noch viele Milliarden übrig sind"

warum widersprechen sie sich in einem einzigen satz derartig?

wenn nur 38% der kosten durch die einnahmen gedeckt werden, dann sind nicht viele milliarden übrig, nicht mal ein cent. sondern ein riesiges defizit!

zu kompliziert?
dann versuchen sie es mit der methode 1. klasse volksschule:
max hat 2 äpfel, dann isst er 5 äpfel. wieviel äpfel bleiben max übrig?

Von Beruf Milchmädchen?

Von den komplexen Zusammenhänge zwischen Staatsbudget, Verkehrs- und Umweltkosten sollten Sie besser die Finger lassen!

Es heißt übrigens "das Pendlerpauschale".

DAS Pauschale

Pau­scha­le, die Wortart : Substantiv, feminin die Pauschale; Genitiv: der Pauschale, Plural: die Pauschalen, veraltet: das Pauschale; Genitiv: des Pauschales, Plural: die Pauschalien
Geldbetrag, durch den eine Leistung, die sich aus verschiedenen einzelnen Posten zusammensetzt, ohne Spezifizierung abgegolten wird.

In Wikipedia wird das Thema abgehandelt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Pend... chgebrauch

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist "das Pauschale" eher veraltet, im österreichischen Amtsdeutsch hat es sich aber gehalten. Daher *das* Pendlerpauschale.

In Österreich ist es anders

Der "Super Typ" hat schon recht, es heißt im österreichischen Steuerdeutsch DAS Pauschale:

https://www.bmf.gv.at/Steuern/F... _start.htm

könnte kärntnerisch sein

so wie Häfale, Schalale oder Kipfale.
Lei lafn losn !

Ja, natürlich gehört die Pendlerpauschale abgeschafft.

Es ist ja vollkommen absurd, sich einen Lebensbereich (die Fahrt zu und von der Arbeit)herauszupicken und daraus einen Förderbedarf abzuleiten, der dann von der Allgemeinheit getragen werden muss, alle anderen Lebensbereiche aber auszulassen. Natürlich verlangt der Autor nicht wirklich eine Zentrumspauschale, eine allfällige Argumentation für eine solche wäre aber mindestens so leicht zu führen wie für eine PP.
Ich schlage konkret vor: Man möge die PP auslaufen lassen und damit sich alle darauf einstellen können mit einem Zeithorizont von zB 5 Jahren. Die PP für Dienstwagenbenutzer allerdings mit sofortiger Wirkung. Die frei werdenden Mittel bitte in ausreichend große P&R Anlagen stecken. Das ist relativ einfach und bringt allen etwas.

Und wohin bauen Sie die P+R Anlagen? Genau. Direkt an die Bahnhöfe. Glauben Sie mir, dass in unserer Gegend Menschen 30, 40 km zum nächsten Bahnhof haben?

Ja, PP weg. Für DW-Fahrer sofort. Ist ja absurd. Untere km-Grenze auf 20 erhöhen. km-Geld fürs "kleine" erhöhen, dann profitieren die Öffis wenigstens davon.

Und dann endlich richtige Maßnahmen setzen um die Abwanderung des Geldes in die Ballungszentren zu stoppen. Wir arbeiten ja leider nicht nur dort, sondern bringen das verdiente Geld vielfach (darüber schon mal nachgedacht?) wieder zurück in die Stadt.

Wie kommen Sie darauf, dass hier nur EIN Lebensbereich herausgepickt wird? Haben Sie schon mal eine Arbeitnehmerveranlagung gemacht? Eine Vielzahl arbeitsbezogener Aufwendungen lässt sich absetzen und das ist grundsätzlich auch gut so. Die Pauschale bewirkt, die Verwaltungskosten niedrig zu halten und senkt außerdem noch den Absetzbetrag dramatisch ab.

Danke für die vielen Kommentare zu diesem wichtigen Thema!

Selbstverständlich trete ich nicht für ein "Zentrumspauschale" ein.

Der Zwischentitel "Wie wäre es mit Zentrumspauschalen?" stammt von der Standard-Redaktion. Er ist - wie ich neidlos anerkennen muss - eine sehr gelungene Zuspitzung meiner Aussage, dass dem Pendlerpauschale ein entsprechendes Zentrumspauschale gegenübergestellt werden müsste.

Es ist mir persönlich und auch als Fachmann prinzipiell egal, wer warum wo wohnt und arbeitet. Das soll und kann zum Glück jeder so halten wie er will. Die Leibeigenschaft ist in Österreich ja bereits 1782 aufgehoben worden.

Daher: "Jeder wie er mag." aber auch "Jeder zahlt seine Kosten selbst."

Wenn wir die Einkommenssteuer auf Schweizer Niveau halbieren, hat auch jeder das Geld dafür.

Ihr grundsätzlicher Denkfehler liegt darin, dass Sie

nicht verstehen, dass es gerade heute nicht so leicht ist sich seinen Arbeitsort frei auszusuchen. Statistisch gesehen behält ein Österreicher seinen Arbeitsplatz ca. 4 Jahre, soll er dann jedesmal mit Frau und eventuellen Kindern umziehen, Erstere muss sich dann ebenfalls eine neue Stelle suchen, Kinder müssen eine neue Schule, neue Freunde finden, dann 3-4 Jahre später wieder das gleiche Drama? Sollen wir in Zukunft alle in Ballungsräumen wohnen? Ist das sinnvoll? Bitte nochmal nachdenken und dann was Gescheites hier zum besten geben ...

Bitte in die USA auswandern. Dort passt ihre Denkweise.

Mit "jeder zahlt seine Kosten selbst" würde es sehr bald schlecht um die Gesundheit der Österreicher stehen. Schon mal drüber nachgedacht?

Dass Menschen, deren "Denkweise" angeblich nicht zum Land "passt" das Auswandern empfohlen wird, war doch schon einmal üblich.

Im 18. Jhdt. hatten die Protestanten in Österreich nicht die richtige "Denkweise" und wurden nach Preußen und Siebenbürgen ausgewandert.

Das Toleranzpatent von Josef II. beendete 1781 diesen netten Brauch bis er 1938 ein paar Jahre lang wieder eingeführt worden ist.

In Österreich ist es heute üblich und zum Glück auch erlaubt, verschiedene Meinungen zu haben und diese auch noch zu äußern.

Es gibt aber auch Länder, in denen die veröffentlichten Meinungen besser miteinander harmonieren und man sich nicht an unpassenden Denkweisen stören muss: Saudi-Arabien, Iran und Nordkorea sind einige Beispiele dafür.

"Jeder zahlt seine Kosten selbst."

Selbstverständlich, Herr Riedel!
Dann kriegt aber der Standard zukünftig auch keine Presseförderung mehr, sie keine Werbungskostenpoauchale für Journalisten, keine Mitbenutzung des Diesnt-PKWS für private Fahrten und alle Öffi-Benutzer zahlen ebenfalls die vollen tatsächlichen Kosten für ihren Transport. Dies gilt weiters natürlich bei Wohnbeihilfen/Wohnbauförderung,Förderung von Kunstprojekten, Anhebung der Mieten von billigen Gemeindewohnungen auf tatsächliche Marktpreise, usw. Auch hier könnte der geneigte Leser sehr leicht zur Auffassung gelangen, dass er nicht mehr länger den persönlichen Spaß Anderer mit der eigenen Lohnsteuer finanzieren muss, während seine Aufwändungen zur Erlangungeines Einkommens nicht länger absetzbar sind.

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