"Financial Times Deutschland" wird eingestellt

23. November 2012, 11:56
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Letzte Ausgabe erscheint am 7. Dezember - Gruner + Jahr streicht mehr als 360 Arbeitsplätze - Vorstand: "Es geht ein bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende"

Hamburg - Nach tagelangen Spekulationen ist das Aus für die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" offiziell besiegelt. Die letzte Ausgabe werde am 7. Dezember erscheinen, teilten der Verlag Gruner + Jahr (G+J) und der Betriebsrat der gemeinsamen Wirtschaftsmedien-Redaktion am Freitag in Hamburg mit. Mehr als 360 Verlagsmitarbeiter werden ihre Jobs verlieren.

Von den Entlassungen betroffen sind 258 Mitarbeiter in der Zentralredaktion der G+J-Wirtschaftsmedien in Hamburg, 42 in Frankfurt am Main und 14 in weiteren Außenbüros. In angrenzenden Verlagsbereichen sollen weitere 50 Arbeitsplätze wegfallen. Das Unternehmen werde mit den Betriebsräten für die betroffenen Kollegen einen Sozialplan erarbeiten, teilte der Verlag mit.

Verluste seit Gründung

"Die Financial Times Deutschland schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die Financial Times Deutschland weiter zu betreiben", erklärte G+J-Vorstand Julia Jäkel. Diese sei eines der "ambitioniertesten journalistischen Projekte der vergangenen Dekade". Es gehe ein "bedeutendes Kapitel deutscher Publizistik zu Ende".

Das Ende der "FTD" war seit Tagen erwartet worden, nachdem der Aufsichtsrat dem Vorstand am Mittwoch freie Hand zur einer Einstellung oder einem Verkauf des Titels gegeben hatte. Über wirtschaftliche Probleme des Blatts und anderer Wirtschaftsblätter des Verlags war bereits länger spekuliert worden.

Die Nachricht vom Aus der "FTD" trifft die deutsche Medienbranche in einer ohnehin angespannten Lage. Vor kurzem ging die Traditionszeitung "Frankfurter Rundschau" pleite, die Nachrichtenagentur dapd meldete teilweise Insolvenz an.

"Capital" soll erhalten bleiben

Das G+J-Wirtschaftsmagazin "Capital" soll erhalten bleiben und am Standort Berlin mit einer kleineren Redaktion neu ausgerichtet werden. Noch nicht abschließend entschieden ist nach Unternehmensangaben über das Schicksal der ebenfalls von der G+J-Wirtschaftsmedienredaktion gestalteten Wirtschaftsmagazine "Börse Online" und "Impulse". Für die beiden Titel würden derzeit noch die Optionen eines Verkaufs beziehungsweise einer Fortführung mit einem sogenannten Management-Buyout geprüft. Falls die Gespräche scheiterten, würden auch sie eingestellt. Ein Management-Buyout ist die Übernahme einer Tochterfirma durch die eigene Führung, die diese dem Mutterkonzern abkauft.

G+J hatte alle seine Wirtschaftstitel 2008 zusammengelegt und von einer gemeinsamen Redaktion beliefern lassen. Die dadurch erzielten Einsparungen seien erheblich gewesen, reichen aber nicht aus, rückläufige Anzeigenumsätze auszugleichen, teilte der Verlag mit. Auch in diesem Jahr würden die eigenen Wirtschaftsmedien einen "deutlichen Verlust" machen". Das Unternehmen habe sich intensiv, aber erfolglos um Käufer für die "FTD" bemüht. Auch die Idee des Umbaus zur Online-Zeitung sei geprüft, aber als chancenlos verworfen worden.

Gruner + Jahr gehört zu den großen deutschen Presseverlagen. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg gibt unter anderem Zeitschriften wie "Stern" und "Brigitte" heraus. Der Verlag gehört zu 74,9 Prozent dem deutschen Medien-Großkonzern Bertelsmann, 25,1 Prozent der Anteile hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr. (APA, 23.11.2012)

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    Am 7. Dezember erscheint die "Financial Times Deutschland" zum letzten Mal.

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