Deutsche Wirtschaft besser gestimmt

23. November 2012, 15:11
19 Postings

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg um 1,4 auf 101,4 Punkte, in den vergangenen sechs Monaten war er kontinuierlich gefallen

Wiesbaden - Es ist ein kleiner Lichtblick für die lahmende deutsche Wirtschaft, aber kein Grund für Freudensprünge. Deutschlands Unternehmer haben ihren Konjunkturpessimismus nach sechs immer düstereren Monaten vorerst überwunden. Doch die Schuldenkrise hält Europa weiter in Atem, der Euroraum ist in die Rezession geschlittert.

"Die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Geschäftslage hat sich leicht verbessert. Zudem blicken die Unternehmen deutlich weniger pessimistisch auf die weitere Geschäftsentwicklung", kommentiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die aktuelle Stimmung in den Betrieben der Republik.

Zu früh für Freudensprünge

Für Freudensprünge ist es allerdings noch zu früh. Deutschland hat den Tiefpunkt der Krise noch nicht hinter sich. Nachdem sich das Wachstum in den ersten drei Quartalen stetig auf zuletzt 0,2 Prozent zum Vorquartal verlangsamte, dürfte es zum Jahresende komplett zum Erliegen kommen. Ökonomen erwarten bestenfalls Stagnation von Oktober bis Dezember. Nicht wenige glauben, dass die deutsche Wirtschaft sogar schrumpfen wird. "Die Erholung beginnt erst 2013. Dann wird das globale Wachstum wieder anziehen. Frühe Anzeichen in die richtige Richtung gab es zuletzt aus China und den USA", sagt Christian Schultz von der Berenberg Bank.

Noch aber befindet sich die deutsche Konjunktur in einer kritischen Phase, wie DZ Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier betont: "Die Belastungen, die von der Euro-Schuldenkrise ausgehen, werden das Wirtschaftswachstum im laufenden Winterhalbjahr 2012/13 wohl gänzlich zum Erliegen bringen." Der Ökonom hat daher seine Prognose für die deutsche Wirtschaft gesenkt: "In diesem Jahr wird die Wachstumsrate die 1 Prozent-Marke nicht überschreiten, 2013 dürfte sie noch etwas niedriger bei lediglich 0,4 Prozent liegen." Einen Absturz in die Rezession erwarte er aber nicht.

Verhaltene Zuversicht

Immerhin: Der jüngste ifo-Geschäftsklimaindex ist ein wichtiges Indiz, dass mit dem Tiefpunkt zum Jahresende bald wieder Schwung in die deutsche Konjunktur kommt. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen ist verhalten zuversichtlich: "Auch wenn der Ifo mit diesem Plus noch kein verlässliches Wendesignal gegeben hat, steigt mit dieser positiven Überraschung doch die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft sich in den kommenden Monaten - nach einem wohl schwachen vierten Quartal - wieder stabilisieren wird."

Selbst EZB-Präsident Mario Draghi äußert sich am Freitag wieder etwas optimistischer als zuletzt. Die Anstrengungen der Regierungen und der Europäischen Zentralbank hätten die unmittelbaren Spannungen an den Märkten beruhigt: "Daher kann ich heute von einer allmählichen Rückkehr des Vertrauens in die Eurozone berichten."

Außenhandel und Konsum mit Mini-Plus

Im dritten Quartal haben vor allem der Außenhandel und der Konsum im Inland der deutsche Wirtschaft ein Mini-Plus von 0,2 Prozent zum zweiten Vierteljahr beschert. Hingegen stellten die Unternehmen Investitionen zurück - nicht nur aus Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Schuldenkrise im Euroraum, wie DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater betont: "Zu den üblichen Euro-Querelen kam am Schluss auch der Machtwechsel in größten Schwellenland China hinzu und vor allem die Angst vor einem Schulden-Unfall in den USA."

Inzwischen kommen aus den beiden riesigen und für Deutschlands Exportindustrie enorm wichtigen Volkswirtschaften aber wieder positive Signale. Zuletzt deuteten Stimmungsdaten aus den Industriebetrieben im Reich der Mitte darauf hin, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt als globaler Wachstumstreiber wieder an Fahrt gewinnt. Dies sorgt nicht zuletzt in der Eurozone für Hoffnung, das Tal der Rezession im nächsten Jahr verlassen zu können.

Eine ernsthafte Belebung der deutschen Konjunktur erwartet Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres: "Diese wird insbesondere durch die Schwellenländer China und Brasilien angetrieben." Bis die Exporte das deutsche Wachstum wieder befeuern, ruhen die Hoffnungen auf einem robusten Arbeitsmarkt, der die solide Binnennachfrage weiter ankurbelt. (APA, 23.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In der deutschen Wirtschaft gibt es einen unerwarteten Lichtblick.

Share if you care.