Zwischenfall trotz Waffenruhe: Mann in Gaza erschossen

23. November 2012, 17:53
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Hamas wirft Israel Verletzung der Waffenruhe vor - Israels Armee bestätigte Warnschüsse auf Demonstranten

Gaza/Jerusalem - Am zweiten Tag der Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern haben israelische Soldaten am Grenzzaun des Gazastreifens nach Angaben aus Gaza-Stadt einen Menschen erschossen. Weitere 24 Palästinenser seien am Freitag durch israelisches Feuer verletzt worden, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Mittelmeer-Enklave, Ashraf al-Kedra, mit. Die israelischen Streitkräfte bestätigten, dass Warnschüsse auf Demonstranten am Grenzzaun abgegeben worden seien. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas warf Israel eine Verletzung der seit Mittwochabend (20 Uhr MEZ) geltenden Waffenruhe vor. Sie werde Ägypten als Garanten der Waffenruhe bitte, bei Israel zu intervenieren.

Den ersten Zwischenfall seit Beginn der Waffenruhe stellten beide Seiten unterschiedlich dar. Augenzeugen im Gazastreifen sagten, am Morgen seien zunächst fünf Bauern östlich von Chan Junis auf ihren Feldern in der Nähe des Grenzzaunes von israelischen Soldaten angeschossen worden. Daraufhin habe es eine spontane Demonstrationen von Bewohnern zweier nahe gelegener Dörfer gegeben. Einer der Demonstranten sei mit einer palästinensischen Flagge in der Hand auf den Zaun zugelaufen und dann erschossen worden. Weitere 19 Teilnehmer des Protestmarsches seien durch israelische Kugeln verletzt worden.

Unruhen

Das israelische Militär teilte auf Anfrage mit, schon seit dem Vorabend habe es Unruhen in der Nähe des schwerbewachten Zaunes gegeben. Palästinenser seien durch die 300 Meter breite Speerzone westlich des Zaunes bis an die Sperranlage selbst vorgedrungen. Mindestens einer sei hinübergeklettert und kurzfristig auf israelisches Gebiet gelangt. Einige hätten Löcher in die Absperrung geschnitten. Die Armee habe keine Informationen, ob es Tote oder Verletzte bei den Unruhen auf der Gaza-Seite des Zaunes gegeben habe.

Es sei der erste Zwischenfall seit Beginn der Waffenruhe. Bis auf fünf Raketen in der ersten Stunde der Waffenruhe sei Israel danach nicht mehr aus dem Gazastreifen angegriffen worden, bestätigte ein Militärsprecher der Nachrichtenagentur dpa. Auch nach Angaben eines dpa-Reporters im Gazastreifen gab es bis auf den Grenzzwischenfall keinerlei Verletzungen der Waffenruhe.

Hamas-Mitglieder steckten nach israelischen Angaben auch hinter dem Bombenanschlag auf einen Stadtbus in Tel Aviv am Mittwoch. Sicherheitskräfte nahmen nach eigenen Angaben den Täter sowie mehrere Komplizen fest, die zur Hamas und zum Ischlamischen Dschihad gehörten, teilte Armee-Sprecherin Avital Leibovich mit. Der mutmaßliche Täter ist nach diesen Angaben ein israelischer Palästinenser aus der Stadt Taibe in Israel. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Bei dem Anschlag waren am Mittwoch kurz vor Beginn der Waffenruhe für den Gazastreifen 17 Menschen verletzt worden.

Die seit Mittwoch 20 Uhr geltende Waffenruhe hatte achttätige bittere Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen beendet. Bei den Kämpfen waren 164 Palästinenser und 6 Israelis getötet worden. Auf palästinensischer Seite wurden nach diesen Angaben 1.225 Menschen verletzt, in Israel mehr als 100. Insgesamt wurden mehr als 1.500 Raketen auf Israel abgefeuert; Israels Luftwaffe griff etwa 1.500 Ziele im Gazastreifen an und zerstörte Waffen und wichtige Einrichtungen der Hamas.  (APA, 23.11.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Palästinenser protestieren an der Grenze bei Khan Younis.

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