Polizei wirft Roma-Fans Mordversuch vor

24. November 2012, 12:11
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Attacke auf Tottenham-Fans hatte wohl antisemitischen Hintergrund - Vorfälle auch während des Spiels

Rom - Nach dem Überfall auf Fans von Tottenham Hotspur in Rom hat die Polizei zwei Fans des AS Roma festgenommen. Sie sollen den brutalen Überfall mit zehn Verletzten zusammen mit Anhängern von Lazio Rom geplant haben. Wie italienische Medien am Freitag berichteten, wird ihnen versuchter Mord vorgeworfen. Insgesamt werde gegen 15 Personen ermittelt. Außerdem bestätigte sich der Verdacht eines antisemitischen Hintergrunds.

Den Ermittlungen der italienischen Behörden zufolge war die Attacke am Campo de Fiori kein üblicher Zwischenfall mit radikalen Lazio-Fans vor dem Europa-League-Spiel gegen Tottenham (0:0) am Donnerstagabend in Rom. Vielmehr habe es sich um einen gezielten Angriff verschiedener römischer Gruppen auf die Tottenham-Anhänger gehandelt. Der Londoner Klub hat eine zum Teil jüdische Vergangenheit, auch die nichtjüdischen Fans bezeichnen sich selbst als "Yids" und begegnen so antisemitischen Ausfällen vor allem der radikalen Fans der Stadtrivalen Chelsea und Arsenal.

Als Jürgen Klinsmann 1994 zu Tottenham wechselte, wurde er an der White Hart Lane mit dem Lied "Chim-chiminee, Chim-chiminee, Chim-chim-churoo, Jürgen was a German, but now he's a Jew" zu einer Melodie aus Mary Poppins begrüßt. Der englische Fußball-Verband forderte die UEFA am Freitag zu einer Untersuchung auf. "Wir sind betrübt und alamiert über die Ausschreitungen von Gesänge", sagte ein FA-Sprecher.

In einem offiziellen Brief an die FA entschuldigte sich der italienische Verband FIGC für die Vorfälle. "Leider war wieder einmal ein Fußballmatch Vorwand für eine Gruppe von Kriminellen, um ihren rassistischen und antisemitischen Wahnsinn freien Lauf zu geben. Der Angriff auf die englischen Fans verletzt das Ansehen unseres Fußballs und entspricht keineswegs der Gastfreundlichkeit Roms", hieß es in dem Brief an den FA-Präsidenten David Bernstein.

Lazio-Präsident versucht Distanzierung

Lazio-Präsident Claudio Lotito betonte, dass sein Klub und dessen echte Fans nichts mit dem Übergriff zu tun hatten. Er verurteilte die Attacke ebenso "aufs Schärfste", wie Italiens Fußballverbands-Präsident Giancarlo Abete und Roms Bürgermeister Gianni Alemanno. "Das war ein schrecklicher Überfall einer Bande von Verrückten und Kriminellen", sagte Alemanno. Er kündigte an, dass die Stadt in einem Prozess gegen die Angreifer als Nebenkläger auftreten werde.

Allerdings war es auch während des Spiels im Olympiastadion zu antisemitischen Vorfällen gekommen ist. Radikale Lazio-Fans skandierten in deutscher Sprache "Juden Tottenham, Juden Tottenham" und enthüllten ein Banner mit der Aufforderung: "Befreit Palästina". Lazio muss daher mit einer Strafe der UEFA rechnen. Der Klub hat ein massives Problem mit Rechtsextremen in der Anhängerschaft, deren harter Kern sich selbst "Irriducibili" ("die Unbeugsamen") nennt. Ziel des Hasses dieser Ultras, die von der rechtsradikalen Partei Forza Nuova beeinflusst werden sollen, sind vor allem die Anhänger vom Stadtrivalen Roma, aber auch schwarze oder jüdische Fußballer.

Der römische Rabbiner Riccardo De Segni sprach von "Barbarei". Er betonte jedoch auch, dass "der Sport nur zum Vorwand genommen wird, um Krieg zu führen". Die italienischen Zeitungen verurteilten die Tat am Freitag: Die "Gazzetta dello Sport" titelte "Schande!". Der "Corriere dello Sport" schrieb von einem "rassistischen Wahnsinn in Rom".

In der Nacht vor dem Spiel hatte eine Gruppe von maskierten Gewalttätern die Tottenham-Anhänger in einem Lokal in der Innenstadt von Rom überfallen. Die Angreifer verletzten zehn Fans, ein Engländer erlitt mehrere Stichwunden. (APA/sid/red; 24.11.2012)

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    Der "Drunken Ship Pub" auf dem römischen Campo dei Fiori nach der Attacke der Gewalttäter.

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    Und der Platz davor...

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    Wegen dieses Transparents, vor allem aber wegen antisemitischer Sprechchöre ermittelt die Uefa gegen Lazio Rom

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