Eine Geste gegen tödliche Keime

23. November 2012, 09:33
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Das spanische Start-up Tedcas bringt die Gestensteuerung der Microsoft-Konsole Xbox ins Spital: Chirurgen sollen damit Computer steuern und auf diese Art das Risiko von Infektionen reduzieren.

"Ärzte und Chirurgen können während Operationen in Echtzeit auf Informationen, wie etwa die Krankenakte des Patienten, zugreifen und auch Eingriffe steuern", sagt der 26-jährige, in Santander geborene Daniel Calvo. Und das alles per Handbewegungen und Wortbefehlen. Calvo hat gemeinsam mit dem acht Jahre älteren Jesús Pérez-Llano vor knapp elf Monaten das Start-up Tedcas gegründet. Die beiden wollen dem unternehmerischen Pessimismus im Spanien der Dauerkrise trotzen, indem sie eine Technik, die ursprünglich für eine Spielkonsole entworfen wurde, weltweit in Krankenhäuser bringen. 

Keimfreie Umgebungen

"Wir entwickeln für den Medizin-Bereich Interfaces, basierend auf Microsofts Kinect-Technologie", sagt Calvo im Gespräch mit dem STANDARD. Kinect nutzt optisch-elektronische Sensoren. Sie tasten den Raum vor ihnen ab und übertragen menschliche Bewegungen in Informationen, die vom Computer verarbeitet werden können. Tedcas soll überall dort Einsatz finden, wo es gilt, aseptische, also keimfreie Umgebungen zu bewahren. 

Revolution im OP

Gefördert von der Start-up-Schmiede Wayra des spanischen Telekomgiganten Telefónica soll das System Operationssäle weltweit revolutionieren und dabei auch viele Leben retten. "Der Verzicht auf Tastaturen, Touchscreens oder Computermäuse verhindert Sekundärinfektionen", erklärt Tedcas-Mitbegründer Pérez. Die Übertragung von Erregern in Spitälern sorgt in vielen Fällen für schwere Komplikationen und kann selbst den Tod des Patienten nach sich ziehen. 

600 Millionen Euro Schaden

Allein in Spanien werden laut Gesellschaft für Präventivmedizin alljährlich 300.000 Menschen mit Krankenhauskeimen infiziert, rund 6000 sterben daran. Pérez beziffert den Schaden mit 600 Millionen Euro für das Gesundheitssystem, "ganz zu schweigen von den menschlichen Verlusten". 

Pilotprojekte

Kürzlich unterzeichneten Pérez und Calvo ein Kooperationsabkommen mit einem Spital in Santander - eine der "Smart Cities" Iberiens -, um die Entwicklung voranzutreiben und die Technik bis zur Kommerzialisierung zu optimieren. "Pilotprojekte gibt es von Singapur bis Südafrika, im Praxis-Einsatz ist die Technik bereits in der Türkei, in Italien und Spanien", sagt Pérez, "der so gut wie nie Computerspiele spielt", wie er sagt. Tedcas kooperiert zudem mit Microsoft Research in Cambridge, der Harvard Medical School und dem Medizintechnik-Unternehmen Medtronic. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 23.11.2012)

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Tedcas

  • Chirurgen gestikulieren, um mittels Kinect Computer zu steuern
    screenshot: tedcas

    Chirurgen gestikulieren, um mittels Kinect Computer zu steuern

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