Zehn Goldene!

Gregor Fauma
3. Dezember 2012, 11:20
  • So funktioniert PR, so lässt man sich auch durch bunte Kataloge, 
Radio-Specials und geschickt integrierte Advertorials in 
Hochglanzmagazinen Pflanzen und Gartengeräte andrehen, von denen man 
vorher nie etwas wusste, und von denen man danach nie wieder etwas 
wissen will.
    foto: pixelio/s. hofschlaeger

    So funktioniert PR, so lässt man sich auch durch bunte Kataloge, Radio-Specials und geschickt integrierte Advertorials in Hochglanzmagazinen Pflanzen und Gartengeräte andrehen, von denen man vorher nie etwas wusste, und von denen man danach nie wieder etwas wissen will.

Heute: Wir basteln uns eine einfache Welt mit Rankings - Das funktioniert natürlich auch mit dem eigenen Garten, meint Gregor Fauma und präsentiert die kultiviertesten Top Ten des Jahres 2012

Es muss einige Wochen vor dem 23. November gewesen sein. Da saßen der Bocelli Andrea, sein Produzent und ein gewiefter PR-Agent in Rom beim Gigi in der Via Belsiana, einem schmalen, gehsteiglosen Gasserl ums Eck von der Piazza di Spagna, bei einem Teller verdammt scharfer Trippa zusammen und überlegten, wie sie den nächsten Hit landen könnten. Der Agent sprach: Lasst uns nach Deutschland gehen, die lieben uns, egal was du zusammenjeierst.

Der Bocelli Andrea nickte zustimmend und schlug Wetten, dass...? als Bühne vor, nur da war er schon zu oft. Der PR-Agent aber nahm einen Schluck vom Marino, einem leichten, römischen Weißwein, und zeichnete mit seiner Gabel im auf dem Tellerboden verbleibenden Olivenölspiegel seiner Trippa eine Boxarena, 70.000 weinende Deutsche und einen bei seinem letzten Kampf als Profiboxer verlierenden Henry Maske. Der Rest ist Geschichte: Am 23. November verlor Maske seinen letzten Kampf, und die Schmalzscheibe Time to Say Goodbye blieb elendslang in den Charts.

Goldene Zehn Garten-Faumas

So funktioniert PR, so lässt man sich auch durch bunte Kataloge, Radio-Specials und geschickt integrierte Advertorials in Hochglanzmagazinen Pflanzen und Gartengeräte andrehen, von denen man vorher nie etwas wusste, und von denen man danach nie wieder etwas wissen will. Auch Rankings sind dafür sehr beliebte Methoden und daher gleich das trendsetzendste und folglich trenzendst erwartete Ranking der Welt zum Thema Garten: den Goldenen Zehn Garten-Faumas des Jahres 2012.

Den ersten Goldenen Fauma bekommen die Kohlmeisen verliehen. Die sind immer da, verscheuchen die wirklich interessanten Vogerln und langweilen die Betrachter mit ihrem nervösen Herumgetue. Nummer zwei geht an die Blattläuse. Als müssten sie es einem jedes Jahr aufs Neue beweisen ... lasst euch einmal etwas anderes einfallen! Nummer drei geht an den Rasen. Wie unnötig ist ein Stück Rasen? Nur Arbeit, kein Duft, kein Blühen und ständig Zores mit den Moosen darin.

Eh schön, aber nur Platz vier

Goldener Fauma Nummer vier geht an die Nachtkerzen. Ja, eh schön, habt brav geblüht. Aber eure langen, dürren Stängel kann doch in Wahrheit keiner mehr sehen. Goldener Fauma Nummero fünf sind die Paradeiser: Einmal im Garten, und schon drängen sie sich jedes Jahr aufs Neue wie Unkraut in die Beete. Und da sind wir schon bei Nummer sechs, dem Phlox. Zu Recht galt er in Gärten als bereits ausgestorben, doch jetzt ödet er uns wieder an mit seinen Proletenfarben und dem Hang zu Oidiumexzessen.

Nummer sieben gehört dem Efeu am Nachbarhaus. Irgendwann hat man es einfach satt, ständig dicke Efeu-Neutriebe ausreißen zu müssen. Goldener Fauma Nummer acht - den haben sich die Geranien verdient. Einmal eingesetzt, nehmen sie Besitz vom ganzen Garten und danken es mit Blühfaulheit und Schneckenbeherbergung. Diese Symbiose sollte einmal erforscht werden! Der vorletzte Goldene Fauma geht dieses Jahr an das Wetter Anfang November. Hat bitte schön irgendwer eine schwer lastende Schneedecke bestellt, die sich über Nacht über alles Fragile legt und unter sich nur Elend und Kummer erzeugt?

Der letzte und somit zehnte Goldene Fauma geht dieses Jahr allerdings an jenen vertrottelten Gärtner, der aus purer Faulheit dubiose Argumente suchte, um seine tropischen Pflanzen bis in den Dezember draußen stehen lassen zu können. Ewig Schade um die Pracht, welche die Schneelast unter sich begraben hat.

Dass Rankings wirken, weiß nicht nur der Buchhandel. Man kann schon gespannt sein, wie sich die Wirkung dieses Rankings auf das Verhalten der Menschen in ihren Gärten auswirken wird. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 23.11.2012)

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