Rimowa-Chef Morszeck: "Es ist nicht einfach, einfach zu bleiben"

Michael Hausenblas
27. November 2012, 11:04
  • Koffer-König Dieter Morszeck in seiner Kölner Fabrik.
    foto: hersteller

    Koffer-König Dieter Morszeck in seiner Kölner Fabrik.

Der Kofferhersteller Rimowa eröffnete vor kurzem einen Flagship-Store in Wien - Mit dem Geschäftsführer Dieter Morszeck sprach Michael Hausenblas über gute Ideen, den Film "Stirb langsam 4" und den Begriff Vollkoffer

STANDARD: Sie sind heute von Köln nach Wien geflogen. Haben Sie Ihre Koffer selbst gepackt?

Dieter Morszeck: Nein, das hat meine Frau gemacht. Das macht immer meine Frau.

STANDARD: Wieso?

Morszeck: Weil sie gute Ideen hat. Wir haben deshalb auch schon einmal das Innenleben eines Modells angepasst. Es ging dabei um eine Hemdentasche. Außerdem lass ich mir gerne helfen.

STANDARD: Wie packt man denn richtig?

Morszeck: Wenn man viel unterwegs ist und zum Beispiel Anzüge dabeihat, gibt's schon gewisse Techniken gegen Falten. Ich bevorzuge diesbezüglich einen sogenannten Zweikammerkoffer. In einer Kammer sind nur Anzüge und Hemden. So werden diese nicht zu stark zusammengepresst.

STANDARD: Was sagt ein Gepäckstück über seinen Träger aus?

Morszeck: Da hat sich viel verändert. Der Koffer ist mittlerweile viel mehr Lifestyle-Objekt als früher. In China ist ein Gepäckstück inzwischen ein Statusobjekt. Es zeigt, dass man sich das Reisen leisten kann.

STANDARD: Haben Sie am Flughafen schon einmal einen Koffer verwechselt?

Morszeck: Ja. Das heißt, eigentlich war es andersrum. Jemand hat den Koffer meiner Frau statt seines eigenen vom Band genommen. Wir sahen dann zufällig, wie dieser Jemand die Rolltreppe hinunterfuhr und der Koffer plötzlich die Treppe hinunterpurzelte. Es war unser Koffer.

STANDARD: Ihr Vater Richard fertigte 1950 den ersten Koffer mit der für Ihre Produkte typischen Rillenstruktur. Wie kam es dazu? (Richard Morszeck gab dem Unternehmen auch den Namen Rimowa, es bedeutet "Richard Morszeck Warenzeichen", Anm.).

Morszeck: Als der internationale Flugverkehr aufkam, ging es einfach immer mehr um Gewicht. Bei Seereisen war das nicht so wichtig. Das erste Ganzmetall-Flugzeug, die Junkers F 13, war ein bisschen das Vorbild für das Design der Koffer. Die Rille ist quasi das Urdesign.

STANDARD: Und erfüllt auch einen Zweck?

Morszeck: Sie erfüllt viele Zwecke. Sie schützt vor großflächigen Kratzern, verkratzt werden nur die Rillen. Und am Anfang spielten sie auch eine große Rolle in Sachen Stabilität, so wie bei der Junkers-Maschine.

STANDARD: Und vor zwölf Jahren setzten Sie alles auf die Karte namens Polycarbonat.

Morszeck: Wir hatten etwas von dem Material auf dem Tisch liegen, und ein bekannter Lieferant sagte mir, ich solle da mal mit dem Hammer draufdreschen. Dem Zeug ist nichts passiert. Auf vielen Umwegen, mit viel Forschung und Tüfteleien über drei Jahre haben wir es dann geschafft, das Material für unsere Koffer zu optimieren. Ich weiß noch, als wir wie die kleinen Kinder auf den Koffern herumgehüpft sind. Dann machten die Koffer plopp und waren wieder in ihrer ursprünglichen Form. Wir wussten, das ist das Material der Zukunft. Wir waren damals noch eine relativ kleine Firma. Das war die beste Idee meines Lebens, und ich wundere mich bis heute, dass uns keine andere Firma diese Einfälle weggenommen hat. Das war damals meine größte Angst, und ich verstehe es bis heute nicht. Offensichtlich ist uns der Royal Flush gelungen. Aluminium ist aber weiterhin im Trend.

STANDARD: Deutsche Gründlichkeit?

Morszeck: Ja, und Qualität. Die meisten Hersteller beziehen ihre Produkte aus Asien, produzieren nicht selbst. Wir haben eigene Fabriken.

STANDARD: Eine Ihrer Lebensmaximen lautet angeblich - "Geniale Dinge haben eines gemeinsam: Sie sind genial einfach!" Der italienische Designer Vico Magistretti sagte, "Einfachheit ist die komplizierteste Sache der Welt". Was sagen Sie dazu?

Morszeck: Er hat recht. Es ist nicht einfach, einfach zu bleiben. Oft werden die Dinge over-engineered, werden zu schwer. Was hab ich davon, wenn ich ein kompliziertes Bremssystem für die Rollen eines Koffers erfinde, wenn das Ding ein Kilo mehr wiegt.

STANDARD: Wie viele Modelle bieten Sie an?

Morszeck: Ich würde sagen, wir haben 100 bis 120 Produkte im Angebot. Der längste Koffer misst 84 Zentimeter in der Länge. Den kaufen vor allem Asiaten.

STANDARD: Stimmt es, dass der US-Pilot Robert Plath 1987 den Rollkoffer erfunden hat, weil er des ewigen Schleppens überdrüssig geworden war.

Morszeck: Das wird so gesagt. Ich denke, es gab auch in Europa schon Systeme dieser Art. Aber der Zweirollenkoffer kam aus den USA zu uns.

STANDARD: Mittlerweile ziehen die Leute schon die Aktenkoffer hinter sich her. Finden Sie das nicht ein bisschen affig?

Morszeck: Der Zweirollenkoffer spielt bei uns überhaupt keine Rolle mehr. Der Trend geht ganz klar zum Vierrollenkoffer. Der lässt sich viel leichter durch die schmalen Gänge eines Flugzeugs schieben. Er ist viel lenkbarer.

STANDARD: Reisen, speziell mit dem Flugzeug, ist heutzutage oft eine sehr stressige Angelegenheit. Wie wird sich das Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Morszeck: Ich glaube, es wird leichter werden, es wird weniger stressig. Man arbeitet ja schon an Systemen, die Sache zu vereinfachen. Ich denke, eines Tages wird man zum Beispiel seinen Koffer zu Hause einchecken können.

STANDARD: Sie sind neben der Fabrik aufgewachsen? Hatten Sie nicht permanent Reiselust, beim Anblick all der Koffer?

Morszeck: Als Jugendlicher wollte ich eine Zeitlang gern nach Südamerika reisen. Aber ich war auch sehr technikorientiert und hab nach der Schule immer in der Produktion zugeschaut. Und am Wochenende hab ich dann selber an Koffern rumgebastelt. Es war eine Mischung aus Reiselust und technischem Interesse.

STANDARD: Ihre Koffer spielen auch in Filmen wie "Ocean's Eleven" oder "Wall Street 2" mit. Welche ist Ihre liebste Film-Koffer-Szene.

Morszeck: Unsere Koffer spielen in mehr als 250 Filmen mit. Meine Lieblingsszene kommt in Stirb langsam 4 mit Bruce Willis vor.

STANDARD: Was passiert da?

Morszeck: Man sieht zum ersten Mal das Rimowa-Zeichen, obwohl wir das gar nicht so wollten. Nein, im Ernst, das ist einfach ein gut gemachter Actionfilm, und in unserem Aktenkoffer sind ganz spezielle Instrumente eingebaut. Im Film Ronin mit Jean Reno spielt unser Koffer sogar eine Hauptrolle.

STANDARD: Wissen Sie, was ein Vollkoffer ist?

Morszeck: Nein.

STANDARD: Die Herkunft des Begriffs ist umstritten, aber er bezeichnet einen Vollidioten.

Morszeck: Aha. Witzigerweise ist das in Brasilien auch so. Malas heißt eigentlich Koffer, aber auch Idioten oder Verrückte werden mitunter so bezeichnet. Im Karneval gibt es eine Gruppe, die Malas heißt.

STANDARD: Wenn Sie nach Ihrer Reise wieder in Köln landen und am Gepäckband stehen und all die Koffer und Taschen sehen - was geht Ihnen da durch den Kopf?

Morszeck: Das, was mir dort immer durch den Kopf geht. Ich zähle natürlich Rimowa-Koffer und denke mir, "wir können noch viel verkaufen" (lacht). (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 23.11.2012)

Rimowa wurde 1898 in Köln unter dem Namen "Kofferfabrik Paul Morszeck" gegründet und zählt weltweit zu den führenden Premium-Marken für Koffer aus Aluminium und aus dem Hightech-Material Polycarbonat. Soeben eröffnete Rimowa seinen FlagshipStore am Neuen Markt 2 in Wien. Solche gibt es bereits u. a. in Beverly Hills, Hongkong, Rio de Janeiro, Singapur und Mailand. Dieter Morszeck (Jg. 1953) leitet das Unternehmen in dritter Generation seit 1981.

www.rimowa.de

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Mein Rimova ist mehr 20 Jahre alt, viel auf Reisen gewesen und auch für eine Reparatur in der Rimova Fabrik – ein tolles Service.

Mein Rimova ist mehr 20 Jahre alt, viel auf Reisen gewesen und auch für eine Reparatur in der Rimova Fabrik – ein tolles Service.

Ich hab in den letzten 10 Jahren dreimal einen neuen Koffer von der Airline bekommen. Ist die einfachste und billigste Lösung.

Hab mir heut einen gekauft! *jubeljubeljubel*
:-D

Bei solchen Koffern muss man fürchten, dass sie wegen der Hülle gestohlen werden

und nicht wegen des vermuteten Inhalts.

rimowa - die besten und elegantesten cabin-trolleys, die es gibt !

Ist mir trotzdem zu teuer. Kaufe lieber einen 80 € Trolley, da ich ihn sowieso alle 4 Jahre entsorgen muß-

jo, kann nur beipflichten. und hände weg von samsonite, deren produkte der letzten jahre sind nur mist, und kundenservice bzw. garantiebearbeitun schrecklich.

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