Chrono-Logie XI: Breitling

Gisbert L. Brunner
25. November 2012, 16:47
  • Zeitmessung anno 1915.
    foto: hersteller

    Zeitmessung anno 1915.

  • Navitimer, der Fels der modernen Breitling-Ära.
    foto: hersteller

    Navitimer, der Fels der modernen Breitling-Ära.

  • Chronomatic 1969.
    foto: hersteller

    Chronomatic 1969.

  • Die anatomische Darstellung des Manufakturkalibers.
    foto: hersteller

    Die anatomische Darstellung des Manufakturkalibers.

  • Jüngster Spross: die Weltzeituhr Unitime und die soeben eröffnete Breitling-Boutique am Wiener Kohlmarkt.
    foto: hersteller

    Jüngster Spross: die Weltzeituhr Unitime und die soeben eröffnete Breitling-Boutique am Wiener Kohlmarkt.

Wer den Namen Breitling hört, denkt beinahe zwangsläufig an Sport, Automobile und Flugzeuge - Menschen, die sich damit beschäftigten, gehörten von Anbeginn zur Zielgruppe des Firmengründers

1884 fertigte der Uhrmacher Léon Breitling bereits seinen einen ersten Chronografen. Und dieses Metier zieht sich bis zum heutigen Tag durch die gesamte Firmengeschichte. Nach eher handwerklich orientierten Anfängen entstand 1892 in La Chaux de Fonds die Uhrenfabrik G. Léon Breitling, welche sich primär der Herstellung von Stoppuhren und Zähler-Chronografen widmete. Aufgrund des Todes des Firmengründers im Jahre 1914 führte der damals 29-jährige Sohn Gaston die Arbeit des Vaters fort. Sein Augenmerk galt verstärkt den Armband-Chronografen.

1915

Natürlich ähnelten auch bei Breitling die Gehäuse früher Armband-Stopper denen von Taschenuhren. Auf der Tagesordnung ist auch der in die Aufzugs- und Zeigerstellkrone integrierte 3-Funktionen-Drücker für Start, Stopp und Nullstellung. Aber davon möchte Gaston Breitling weg. Also forciert er nicht zuletzt aus ergonomischen Gründen eine räumliche Trennung. Der Startschuss für Neues fällt 1915. Von da an offeriert Breitling eines der allerersten Modelle mit einem unabhängigen Chronografendrücker neben der Krone.

Diese Spezies Zeitmesser sollte im weiteren Verlauf der Firmengeschichte die Produktpalette dominieren. Doch 1927 schlug das Schicksal erneut zu. Im Alter von nur 42 Jahren verstarb der Unternehmer. Nun lag die Zukunft in den Händen des Sohnes Willy Breitling, der die Firma unverzüglich in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

1934

Der unabhängige Drücker war zweifellos gut. Aber auch hier folgte auf Start und Stopp zwangsläufig die Nullstellung. Das Aneinanderreihen mehrerer Stoppvorgänge war unmöglich. Dieses Manko ließ Willy Breitling und seine Uhrmacher nicht ruhen. 1934 konnten sie das Patent für eine bahnbrechende Neuerung entgegennehmen. Darin stand zu lesen: "Dieser Mechanismus zeichnet sich durch zwei von der Aufzugskrone getrennte Steuerungsorgane aus. Das erste setzt den Zeiger über ein Säulenrad in Gang und hält ihn an. Das zweite stellt den Chronographenzeiger sowie jene der Zähler durch entsprechende Herzhebel auf Null zurück." Besonders Schiedsrichter freuten sich zudem über einen 45-Minuten-Zähler, der genau eine Halbzeit erfasste.

1952

Mit Navy, also Marine, hat die 1952 vorgestellte Chronografen-Legende namens Navitimer nichts, aber auch gar nichts zu tun. Vielmehr wollte Breitling Piloten im Vor-GPS-Zeitalter ihren schwierigen Job der Koordination von Zeit und Navigation erleichtern. Hierfür besaß das Multifunktionsinstrument eine Rechenscheibe, deren Möglichkeiten jene des 1942 lancierten Chronomaten deutlich überstiegen. Breitling pries den Newcomer mit dem Handaufzugskaliber Venus 178 als "persönliches Bordinstrument" und "intelligentes Instrument", mit dem sich unter anderem multiplizieren und dividieren ließ. Mann konnte rasch Durchschnittswerte, Treibstoffverbrauch, durchschnittlichen Höhengewinn, Distanzen beim Aufsteigen und Landen errechnen sowie Kilometer in See- oder Landmeilen umwandeln und umgekehrt. Während circa drei Jahrzehnten erlebte der Ur-"Navitimer" zwar einige Metamorphosen bezüglich des Gehäuses, und die verwendeten Kaliber (Handaufzug, Handaufzug mit Datumsanzeige, Automatik), die vielfältigen Rechenfunktionen blieben unangetastet.

1969

Im Verlauf der 1960er-Jahre brach der Umsatz mit klassischen Handaufzugschronografen förmlich ein. Dem wollten Willy Breitling und sein Erz-Konkurrent Jack W. Heuer mit einer Rotorautomatik begegnen. Zusammen mit einigen technischen Partnern nahm das "Projekt 99" im Jahr 1965 seinen Lauf. Die beiden Initiatoren kümmerten sich um Design, Zifferblätter, Gehäuse und sonstige Komponenten, Büren um ein Uhrwerk mit Mikrorotor und Dubois-Dépraz um das zeitschreibende Schaltwerk. 1968 verliefen die Trageversuche mit den ersten Prototypen positiv. Im Gehäuseinneren fand sich das 31 mm große, 7,7 mm hohe Kaliber 11. Ein Jahr später, genau am 3. März 1969, schlug in Genf und New York parallel die Stunde null. Journalisten berichteten über den weltweit ersten Automatikchronografen mit Planetenrotor. Breitling lancierte ihn als Modell "Chrono-Matic" mit bewusst linksseitig platzierter Krone.

1982

Gegen die Quarz-Revolution konnte in den späten 1970er-Jahren freilich auch diese mechanische Innovation nichts ausrichten. Am 27. August 1979 stand im Branchenblatt L'Information Horlogère Suisse zu lesen, dass Breitling seinen Betrieb komplett einstellte. Doch Willy Breitling wählte den geordneten Rückzug. Im April 1979 unterzeichneten er und Ernest Schneider, Inhaber des Uhrenfabrikanten Sicura einen Vertrag, der die Übernahme der bestens eingeführten Namen Breitling und "Navitimer" beinhaltete. Der nächste Abschnitt in den umfassenden Breitling-Annalen begann am 30. 11. 1982 mit der offiziellen Registrierung des Nachfolgers namens Breitling Montres S. A. und einer Verlegung des Firmensitzes nach Grenchen im Aaretal. Die Zukunft war nicht nur gesichert, sondern sie präsentiert sich strahlender denn je.

2009

Ab 2002 zeichnete sich immer mehr ab, dass Breitling künftig nicht mehr nur auf Eta-Uhrwerke bauen konnte - ein Manufakturkaliber war überfällig. Selbiges debütierte pünktlich zum 125. Firmenjubiläum im Jahr 2009. Das 30 mm große und 7,2 mm hohe B01 bezieht seine Antriebsenergie von einem Zentralrotor. Ein Federhaus speichert Kraft für gut 70 Stunden oder ein bewegungsloses Wochenende. Selbstverständlich erfolgt die Chrono-Steuerung nach Jahren der Abstinenz nun wieder per Schaltrad. Auf Knopfdruck verbindet eine energieeffiziente Reibungskupplung den Stopper mit dem Räderwerk. Ein patentiertes Selbstzentrierungssystem mit neuartigem Herzhebel zur Nullstellung des Chronografenzeigers und des Minuten-Totalisators findet sich ebenso wie ein 12-Stunden-Totalisator sowie ein Fensterdatum. Man beschränkt sich auf nur 346 Werkskomponenten. Jedes Werk muss vor dem Einbau in die Schale zur COSC.

2012

Breitling hat inzwischen vier Manufakturkaliber. Das B02 besitzt einen Handaufzug, das B04 eine GMT-Funktion und das B05 ein Weltzeit-Dispositiv. Woraus sich schließen lässt, dass die Plattform B01 jede Menge Zukunftspotenzial besitzt. Der neue "Transocean Unitime" knüpft an ein Modell von 1951, das allerdings keinen Chronografen besaß. "Unitime" versteht sich dabei als Kürzel für jene Universalzeit, die der nostalgisch anmutende Chronograf auf seinem ausgeklügelten Zifferblatt abbildet. 24 Städtenamen stehen stellvertretend für ebenso viele Zeitzonen rund um den Globus.

Bei Fernreisen lässt sich alles ganz unkompliziert mithilfe der Krone ein- und umstellen. Vor dem Landen wandert die Repräsentantin der anschließenden Aufenthaltszone zur "12". Im Zuge dessen verändern sich auch die zentralen Zeitzeiger, das Datum und der 24-Stunden-Ring. Den Minuten- und Sekundenzeiger tangiert das Prozedere hingegen nicht. An die Sommerzeiten haben die Techniker ebenfalls gedacht. Den universellen, 46 mm großen Schaltrad-Chronografen mit offiziellem Chronometerzertifikat bietet Breitling in Stahl oder Rotgold an. Wenn es sein muss, kann er auch bis 100 Meter tief abtauchen. (Gisbert L. Brunner, Rondo, DER STANDARD, 23.11.2012)

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Luxusuhren mit "Taucherring" wie aus dem Kaugummiautomat ? - Nein, Danke (ja ja, alles nur Neid, aber ist doch wahr oder ?)

is ein hammermäßiges teil...

.. und das gebrabbl von all jenen die neidisch auf die schielen die sich s leisten können, gehört einfach zum "guten" ton dieser plattform :-)

Sehr hässliches, einfach nur protziges Teil...sorry.

über geschmack lässt sich trefflich streiten, nicht wahr? ist mir aber egal ... sonst hätt' ich's nicht gepostet

Breitling ist Ed Hardy unter den Uhren.
Brrr...

Was ist dann Rolex?

kann man nicht vergleichen.

geschätze 75% der rolex sind zeitlose, dezente uhren (datejust edelstahl), die selten von der "klischeezielgruppe" getragen werden. fast understatement.

rolex hat auch bei uhrenfreunden eine gute reputation. die modelle ändern sich optisch wenig und es gibt schon lange fast nur eigene werke (heute nur noch), kein schnickschnack. die uhren sind werbeständig und bei sammlern gefragt.

das strizzi- und parvenu-image kommt von den zielgruppen, die protzige gold- und bicolormodellen nachfragt. das sind aber recht wenige uhren.

Die Air King in Stahl ist doch eine sehr dezente Uhr.

Kleine Kritik: Meines Wissens haben die Air Kings immer noch 34 mm Durchmesser, wie in den 60ern. Ich brauche keine Pfanne mit 44 mm, aber um die 38 mm sollten es heute - für mich - schon sein.
;-)

Eigentlich bin ich aber eher der Zenith-Typ (El Primero, seit gut 15 Jahren).

so ist es.

viele stört halt dass sie kein datum hat und eben die geringe größe, die schon in richtung damenuhr geht. stilistisch ist die datejust sehr nahe, ein klassiker und auch etwas größer. 36-max. 40 mm sind für mich tragbar, darüber drohe ich mich lächerlich zu machen :)

zenith ep hatte ich, habe mich aber von dem schnellschwinger wieder getrennt was ich heute fast bereue.. ganz tolle uhr, aber ich trug sie nur selten (chronomaster), den chronographen verwendete ich sowieso nie.

Naja, trotzdem sind sie mir zu protzig. "Meine" Marken sind da eher Omega und Rado. Beide dezent, angemessene Technik und auch noch einigermaßen leistbar (mal abgesehen von Tourbillon-Werken).

du bist in der tat der einzige hier....

... der sich mit uhren wirklich auskennt!!

old navitimer am lederband ist die einzige uhr von breitling die mir gefällt - ich glaube helmut sinn hat sich die rechte/maschinen der old navitimer gesichert und als 903 neu aufgelegt... bevor ich angefangen habe mich für uhren zu interessieren, umgab breitling eine ganz besondere/exclusive aura. mittlerweile gefallen sie mir aber überhaupt nicht mehr; riesen durchmesser, polierte edelstahlbänder, barock anmutende verzierungen, breitling for bentley - schriftzüge, deutsche b-promis mit breitling-schildkappen auf benefizveranstaltungen, scientologe john travolta als werbefigur. mittlerweile verbauen sie auch "manufakturwerke" (da bleibt aber fraglich wie viele teile nur modifizierte eta-teile darstellen).

Und manche wissen trotz der sauteren Uhr

immer noch nicht, wie kostbar die Zeit ist !

Es wären eh schöne Uhren, wenn sie nicht von den Scheuchs und Dobernigs dieser Welt getragen würden...

Nein, nein, das hat schon alles seine Richtigkeit, dass genau diese windigen Gestalten genau diese stillosen überfrachteten Tellerminen tragen. *grusel*

Der Vergleich mit Ed Hardy von oben sitzt perfekt.

Und weil Scheuch BMW fährt, ist auch das eine geächtete Marke?

Ist doch piepegal was die Kärntner Politikversager haben oder tragen.
Ich habe seit 2 Jahren eine Super Avanger und würde sie gegen keine Uhr der Welt tauschen.

Machen schöne Uhren. Kein Thema.

Allerdings schlägt mein Herz seit einiger Zeit für die Uhren der Marke Sea Gull - vor allem die Ticker, die sie für das chinesische Militär produziert haben!

http://www.retrokeller.de/wp-conten... l_1963.jpg

Sicherlich nicht so prestigeträchtig wie Breitling, aber dafür auch deutlich geldbeutelschonender. ;)

fesch, erinnert mich an eine iwc portugieser ähnlich....

wenn sie von uhren fürs militär sprechen; gute qualität & angemessene preise; http://www.mkiiwatches.com/

Aber die Qualität...?

Bei einer Navitimer, die ich am Hongkonger Nightmarket gekaufd hab, ist nach einer Woche ein Zeiger abgefallen!

;o)

das gabs sogar bei original breitling

in der zweiten hälfte der 90er jahre: zeiger, die sich selbstständig machten und zwischen zifferblatt und glas herumflogen.

Die hiess aber auch "Breitring"... ;)

oder "Bleitling" ;)

"bezahlte Anzeige"?

...zum Image aufpolieren?

Also den Navitimer erkennt man aus 100 Metern Entfernung, und hat so ziemlich garnix mit Understatement zu tun (nur mit "habt's schon g'sehn, meine Breitling!").

Aber ich verstehe, dass wenn man sich nicht mit Uhren auskennt/beschäftigt (bei diesen price tags möchte _ich_ schon wissen was ich da kaufe), schon mal auf die eine oder andere Marke hereinfällt :-)

KHG unter den Uhren

Geht gar nicht - dieses Ding aus dem Jahr 69 ist allerdings superlässig!

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