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Wien - Seine Reden erregen Aufsehen: Mit seiner Dankesansprache aus Anlass der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche 1998 löste Martin Walser eine heftige Debatte über die "Instrumentalisierung des Holocaust" und die " Auschwitz-Keule" aus. Am 9. November 2011 hatte die Harvard-Universität Walser eingeladen, eine Rede zu halten. Er sprach über Rechtfertigung, für ihn ist das "Rechthabenmüssen eine Versuchung". Diese Rede ist heuer im Frühjahr als Buch mit dem Titel Rechtfertigung, eine Versuchung bei Rowohlt erschienen.
Diese Reflexionen will Walser am Freitag in Wien im Rahmen der Jan-Patocka-Gedächtnisvorlesungen fortsetzen. Seit seiner Gründung widmet sich das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) dem Werk des tschechischen Philosophen und Bürgerrechtlers Jan Patocka (1907-1977).
Wie Walser jüngst in einem Gespräch mit dem Standard ankündigte, wird bei diesem Vortrag im Liechtenstein-Museum der Schweizer Theologe Karl Barth eine wichtige Rolle spielen. Barth kommt auch in seinen bisher letzten Büchern Der Muttersohn und Das dreizehnte Kapitel vor und ist für Walser ein wichtiger Impulsgeber, wie er selbst sagt.
Walser behauptet, er habe lange genug "im Reizklima des Rechthabenmüssens" verbracht. "An sich beherrsche ich mich, nicht mehr recht haben zu müssen. Das ist eine traurige intellektuelle Beschäftigung."
In Anlehnung an den Philosophen Friedrich Nietzsche, dessen Schriften für ihn die allabendliche Lektüre vor dem Schlafengehen sind, begibt sich Walser auch auf die Suche nach Selbstwiderlegung. Denn für ihn ist ein Argument nur dann bestechend, wenn auch das Gegenteil reflektiert wird. (afs, DER STANDARD, 23.11.2012)
23. November, 18 Uhr, Palais Liechtenstein, Fürstengasse 1, 1090 Wien.
Anmeldung unter: 01/313 58-0. Der Eintritt ist frei. DER STANDARD ist Koveranstalter.
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