Experiment mit mehreren Unbekannten

23. November 2012, 05:30
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Ein unabhängiges Katalonien wäre nicht in der EU und außerdem hoch verschuldet

Viermal besuchte Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy im Wahlkampf Katalonien. "Das Schlimmste in der Krise sind unsichere Szenarien", warnt er angesichts der Spekulationen, ob Spanien schon bald unter den EU-Rettungsschirm fliehen muss. Die Debatte um die Unabhängigkeit der wichtigsten Industrieregion Spaniens könnte, so befürchtet die Regierung in Madrid, das Vertrauen der Märkte zusätzlich schädigen.

Spanien würde ohne Katalonien deutlich verlieren. 28 Prozent der spanischen Exporte sind "Made in Catalunya". Katalonien stellt ein Fünftel des spanischen BIPs, hat aber nur 16 Prozent der Bevölkerung.

Ein unabhängiges Katalonien würde gewinnen, während Spaniens Bedeutung in der EU mit knapp 7,5 Millionen Einwohnern weniger und einem geringeren BIP deutlich zurückgehen würde.

Doch auch für Katalonien wäre die Unabhängigkeit ein Experiment mit mehreren Unbekannten. Das neue Katalonien wäre nicht EU-Mitglied - eine Minderheit von Experten in Brüssel stimmt dieser Sichtweise nicht zu - und würde so nicht nur den spanischen und EU-Binnenmarkt verlieren. Außerdem wäre das neue Land hoch verschuldet, denn zu eigenen Schulden kämen anteilsmäßig jene Spaniens.

Zugang zu den Finanzmärkten hat die Region schon lange nicht mehr. Zwar würde Barcelona alle Steuern selbst eintreiben, doch kämen auf die Region Ausgaben für Verteidigung, Polizei, Grenzschutz, eine eigene Renten- und Arbeitslosenversicherung zu. (rw, DER STANDARD, 23.11.2012)

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