Gemeinderatswahlen in Graz: Unberechenbare Swing-City

Kommentar | Colette M. Schmidt
22. November 2012, 18:37

Nagl ist in seinem dritten Wohlfühl-Wahlkampf: Auf seinen Plakaten posiert er wie ein H&M-Model oder liegt lässig mit multikulturellen Grazern am Boden.

Graz ist unberechenbar. Es gibt eine hohe Dichte an Burschenschaften, eine aktive rechtsextreme Szene, aber eine stagnierende FPÖ und Kommunisten in der Stadtregierung. Es gab schwarze, rote und blaue Bürgermeister und eine grüne Vizebürgermeisterin. Diese Mischung aus Bürgertum, linker Kulturszene und Studierenden, die ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, probiert auch gerne Neues aus. Den Piraten könnte das nützen.

Auch ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl ist unberechenbar: Einerseits ein rechtskonservativer Katholik, der die Stadt mit Verboten überzog. Andererseits gab er sich mit der - mittlerweile verschmähten - grünen Koalitionspartnerin Lisa Rücker einen liberalen Anstrich.

Nagl ist in seinem dritten Wohlfühl-Wahlkampf: Auf seinen Plakaten posiert er wie ein H&M-Model oder liegt lässig mit multikulturellen Grazern am Boden. Mit rosa Logos, absolut rassismusfrei und ohne Angstmache.

Wenn er Stadtchef bleiben will, braucht er aber einen Partner. Sein Verhältnis zu Mario Eustacchio (FPÖ), den Nagl zuletzt wegen seiner Kontakte zu Rechtsextremen angriff, ist eisig. Martina Schröck, seit 2008 siebente Parteichefin, die den SPÖ-Sinkflug zu stoppen versucht, könnte dankbar für ein Angebot sein. Doch Schwarz-Rot hatte Nagl abgeschworen. Bleibt KPÖ-Stadträtin Elke Kahr, die im Umfragehoch liegt. Das wäre die nächste Überraschung: Don Camillo und Peppina in Swing-City. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 23.11.2012)

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nagl liberal?

Der Artikel bezeichnet Nagl dezitiert nicht als liberal sondern es heisst, dass er sich einen liberalen Anstrich gibt.

Das mit dem Anstrich kommt schon hin.

Vota communista!

(ein Liberaler, Bürgerlicher mit Wut im Bauch)

Ich wünsche den Piraten viel Glück, ihr politischer Ansatz steht mir persönlich am nächsten. Liquid democracy, nicht so tun müssen, als wüßten sie alles, hebt sich wunderbar von den Repräsentationspolitikern ab (auch wenn sie sich in Detailfragen, die meine wirtschaftliche Existenz betrefffen, leider als meine Feinde entpuppen. Naja, auch die anderen Parteien bemühen sich redlich die Neuen Selbständigen abwechselnd zu ignorieren oder ihnen Knüppel vor die Füße zu werfen. Das ist der Zeitgeist, Galgenhumor die einzige Rettung.)

"Liquid democracy, nicht so tun müssen, als wüßten sie alles, ..."

na, wenns so wäre!
aber herr pacanda sagt bei jeder gelegenheit "wir wissen, wie es geht"

na dann wird es aber höchste Zeit für eine KPÖ Bürgermeisterin!!

Die Steirer Krone schlägt auch schon auf republikanerhafte Fox-News Art und Weise aus

Das packst nicht was da für Stimmung gemacht wird. Dank WEB 2.0 Ausbau kann man erstmalig richtig sehen was da abläuft.

Unserem Don Camillo

fehlt aber die Fähigkeit des Originals zur Fehlereinsicht, und statt dem schlauen Jesus hat er nur Claudia »anders Denken« B., einige Baulöwen und den Wirtschaftsbund als Einflüsterer …

Beendet nagls antiurbane ausgrenzungspolitik!

Die H&M-Assoziation ist auch net schlecht.

Ich muss allerdings immer an BIPA, Dein Kosmetikparadies denken.

komisch, den grazern selbst ist die gemeinderatswahl im grunde egal...

die hälfte von graz ist am wochenende eh woanders...

nate silver

kann 50 bundesstaaten, davon 10 swing states, auf wenige tausend stimmen genau abschätzen

in österreich weiß man bei einer mini-stadt nicht mal wer 2ter wird

für das versagen der meinungs"forscher" in österreich hab ich 2 erklärungen:

unfähigkeit oder glatte lügen

naja, dazu kommt halt schon noch die etwas diversifiziertere Parteienlandschaft...

Eigentlich tröstlich, dass wir nicht ganz so vorhersehbar wählen, auch wenn es die Polittruppe wahrscheinlich dazu bewegt noch populistischer zu agieren, als sie es ohnehin schon tut.

was soll daran tröstlich sein wenn statistiker ihr handwerk nicht beherrschen?

Dazu...

müssten sie Graz kennen.

Ein Beispiel: Ernst Kaltenegger 20% bei den Gemeinderatswahlen. Das konnte nie und nimmer wer voraussehen, weil das eine zutiefst Grazer innenpolitische Sache war, waum die Leute ihn gewählt haben. und seien wir uns ehrlich, wer sagt schon er wählt KPÖ wenn irgendwelche Schwindlige Typen am Telefon anrufen um einen auszufragen. Und durch die Heterogenitöät der Parteien bliebt der Wahlkampf bis zum Schluss spannend.

" ...wenn irgendwelche Schwindlige Typen am Telefon anrufen ..."

eben, meinungs"forschung" in österreich wird einfach nicht seriös betrieben

Ich habe echt Angst, dass die ÖVP in Graz die Absolute erhält, hoffe aber, dass diese unmögliche ewiggestrige Partei auf 30 Prozent abstürzt und dann der Weg für Rot-Rot-Grün frei ist.

keine angst, die absolute mehrheit will ja auch herr baumgartner von "wir wähler" machen ;-)

Ich bin auch für die kommunistische Weltrevolution, die in Graz ihren Anfang nehmen wird!

Haben Sie die Berichterstattung nicht mitverfolgt? Die ÖVP ist irgendwo bei 30% ...

Es hat nicht viele Umfragen gegeben, die letzte ist schon eine Zeit her.

"Don Camillo und Peppina"

@Colette M. Schmidt

dafür würd ich ihnen gerne ein ganz dickes grünes stricherl geben,

ich hab mich an die filme erinnert und Kahr und Nagl in den entsprechenden rollen gesehen...*lach*

Paßt imho gar nicht

Die Elke Kahr ist kein bramarbasierender Volkstribun und Siegfried Nagl ist sicher das Gegenteil eines Menschenfreundes und Genussmenschen der über seine eigene Fehlbarkeit bescheid weiß.

Ich hab früher den Don Camillo auch so gesehen.

Bis mir dann einmal eine frühe Ausgabe in die Hände gefallen ist und ich das Vorwort vom Guareschi gelesen habe - rassistisch, rechtsklerikalfschistisch, zum speiben.

http://www.civitas-institut.de/index.php... &Itemid=33

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