Sarkozys Weg zum Richter und in die Politik

22. November 2012, 17:39
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Verhör wegen Spendenaffäre 2007 - Ex-Präsident Favorit der UMP für 2017

Der extra mit dem Privatjet von einer Konferenz in London eingeflogene Nicolas Sarkozy versteckte sich hinter getönten Autoscheiben und schickte gar ein Fahrzeug voraus, das die TV-Teams in die Irre führen sollte - der Vorladung konnte sich der 57-jährige Ex-Präsident aber nicht entziehen.

Der Untersuchungsrichter von Bordeaux, Jean-Michel Gentil, verhörte den Gaullisten stundenlang, um herauszufinden, ob er von der Milliardärin Liliane Bettencourt 2007 illegale Wahlkampfspenden erhalten hatte. Laut einer Augenzeugin erhielt Sarkozys damaliger Schatzmeister Eric Woerth mindestens 150.000 Euro zugesteckt. Er und Sarkozy bestreiten dies bisher energisch.

Ein Vergleich diverser Terminkalender belegt allerdings, dass Woerth zwei Tage vor der Geldübergabe Bettencourts Anwalt getroffen hatte. Sarkozy empfing den danach zur Ermittlung eingesetzten (und mittlerweile abgelösten) Staatsanwalt gleich acht Mal im Elysée-Palast. Sollte Gentil darin "gravierende und übereinstimmende Indizien" sehen, wie es das französische Recht verlangt, könnte er gegen Sarkozy offizielle Strafuntersuchungen eröffnen.

Unangenehm für Sarkozy, denn in Paris zweifelt niemand daran, dass der erst im vergangenen Mai abgewählte Staatschef an einem Polit-Comeback arbeitet. Laut einer Umfrage halten derzeit 52 Prozent der UMP-Anhänger Sarkozy für den bestmöglichen Präsidentschaftskandidaten für das Wahljahr 2017. (Stefan Brändle aus Paris /DER STANDARD, 23.11.2012)

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    Nicolas Sarkozy versteckte sich hinter getönten Autoscheiben

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