"Am Grab wollen die Leute lieber einen Mann"

Porträt25. November 2012, 17:00
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Freie Rednerin Diana Carmen Albu-Lisson gestaltet Lebensfeiern von der Wiege bis zur Bahre

Wenn Diana Carmen Albu-Lisson Reden hält, kommt sie Menschen sehr nahe. Mit ganz persönlichen Worten begleitet sie frisch gebackene Eltern, Hochzeitspaare, Jubilare oder Trauergäste an deren besonderem Tag. "Es hat mir immer schon Spaß gemacht, vor Menschen zu sprechen und zu formulieren", sagt die promovierte Historikerin.

Die Idee, professionell zu reden, entstand aus dem Wunsch heraus, Menschen eine Alternative zu kirchlichen Feiern zu bieten. "Ich bin seit über 20 Jahren als Organistin und Begleiterin von Gottesdiensten in der evangelischen und römisch-katholischen Kirche aktiv - da bekommt man so einiges mit, wie kirchlich gestaltete Feiern ablaufen." Besonders in der katholischen Kirche störe sie die oft sehr allgemein gehaltene Gestaltung der Feiern: "Bei Trauerfeiern zum Beispiel werden die Verstorbenen von den meisten Priestern, die ich erlebt habe, kaum persönlich erwähnt." In den freien Zeremonien hingegen stünden, dem Anlass entsprechend, die Personen im Mittelpunkt. "Das schätzen die Menschen und sie erzählen mir dafür viel aus ihrem Leben."

Über Grenzen hinweg

Als freie Rednerin setzt sich Albu-Lisson über konfessionelle und kulturelle Grenzen hinweg. "Meine Leistungen stehen allen interessierten Menschen offen, auch jenen, die ausgetreten sind, nicht in der Kirche feiern wollen oder dürfen." So gestalte sie auch Verpartnerungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare oder freie Trauungszeremonien für wiederverheiratete Geschiedene, je nach Wunsch mit oder ohne religiösen Bezug. "Jeder getaufte Mensch kann eine Zeremonie mit religiösen Inhalten abhalten, eine Segnung oder Einsegnung gestalten", sagt die 36-jährige Gloggnitzerin. "Das ist biblisch nicht an einen geweihten Priester oder Pfarrer gebunden, darf aber auch nicht mit einer offiziellen kirchlichen Feier verwechselbar sein."

Alles ist möglich

Ort und individuelle Gestaltung der Zeremonie sowie Inhalt der Rede bespricht Albu-Lisson bei einem persönlichen Treffen mit den KundInnen. "Die Erneuerung des Eheversprechens in der Seilbahn ist genauso möglich wie ein Namensgebungsfest für ein Neugeborenes im eigenen Garten als symbolische Aufnahme in die Familie. Gedichte oder persönliche Texte fließen genauso ein wie spezielle Musikwünsche." Rituale und Feiern in Zusammenhang mit Anlässen seien den meisten Menschen sehr wichtig. "Sie haben das Gefühl, dass sonst etwas fehlt."

"Die Leute wollen lieber einen Mann"

Um an Kundschaft zu kommen, kooperiert Albu-Lisson mit Bestattungsunternehmen, präsentiert ihr Angebot auf Hochzeitsmessen, arbeitet an der Zusammenarbeit mit HochzeitsplanerInnen und Brautmodengeschäften. "Bei Kontaktaufnahmen für Beerdigungen bekomme ich immer wieder zu hören, dass die Leute nur oder lieber einen Mann haben wollen. Dieses haltlose Vorurteil höre ich nicht nur am Land, sondern auch in der Großstadt."

Warum das so ist, kann sich Albu-Lisson nur so erklären: "Vielleicht stellen sich viele einen Mann als Priesterersatz vor. Dabei kommt es bei der Freien Rede doch nicht auf das Geschlecht, sondern allein auf den Inhalt, die Kompetenz und Empathie des Redners oder der Rednerin an." Ihre Website hat sie trotzdem mit "freier-redner" betitelt, denn: "Kaum jemand gibt 'Rednerin' als Suchbegriff ein. So bin ich schlicht besser zu finden."

Wissenschaft als Leidenschaft

Ursprünglich kommt Albu-Lisson beruflich aus der "wissenschaftlichen Ecke". Nach dem Uni-Abschluss in Geschichte mit Fächerkombination aus Rechtsgeschichte, Kirchengeschichte und Kirchenrecht arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin und Kulturvermittlerin. "Geschichte und Recherche sind meine Leidenschaft", sagt sie. "In meinen Publikationen befasse ich mich am liebsten mit zeithistorischen Themen."

Über die Mitarbeit im Heeresgeschichtlichen Museum gelangte sie 2003 als wissenschaftliche Assistentin und Vortragende ins Bundesministerium für Landesverteidigung, wo sie bis heute am Institut für Religion und Frieden arbeitet. Die Verbindung von Religion und Heer ist für sie kein Widerspruch: "Der militärische Einsatz ist die ultima ratio, die man anwendet, wenn alle Wege, zu vermitteln, ausgeschöpft sind. Soldaten sehe ich durchaus auch als Wegbereiter und Garanten des Friedens."

Gelebter Glaube

Privat genießt Albu-Lisson die Zeit mit ihrem dreijährigen Sohn, den sie gemeinsam mit ihrem Mann, einem evangelischen Pfarrer, auch nach christlichen Werten erzieht. "Ich glaube an Gott, bekenne mich zur evangelischen Kirche und das lebe ich auch." Für ihre Tätigkeit als Freie Rednerin spiele das aber nur bedingt eine Rolle: "Ich spreche natürlich mit den Kundinnen und Kunden über ihre Einstellung zur Kirche, um zu erfahren, wie sie sich die Zeremonie wünschen. Ich möchte aber ungeachtet meines persönlichen Glaubens auf deren Weltanschauung eingehen." (isa, dieStandard.at, 26.11.2012)

  • Als freie Rednerin kommt Diana Albu-Lisson den Menschen sehr nahe. Sie erzählen ihr für die Gestaltung der freien Taufen, Hochzeiten, Jubiläen und Trauerfeiern viel aus ihrem Leben. Privat genießt sie die Zeit mit Sohn Flavio.
    foto: privat

    Als freie Rednerin kommt Diana Albu-Lisson den Menschen sehr nahe. Sie erzählen ihr für die Gestaltung der freien Taufen, Hochzeiten, Jubiläen und Trauerfeiern viel aus ihrem Leben. Privat genießt sie die Zeit mit Sohn Flavio.

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