Waldviertel - Hort der kernigen Unternehmer

  • Die Köpfe mit den etwas anderen Ideen gibt es auch im Waldviertel. Im 
Skulpturenpark des Kunstmuseums kann man etwa diesen hier bewundern. Und 
sich vielleicht zu mehr Mut inspirieren lassen.
    foto: apa/idea

    Die Köpfe mit den etwas anderen Ideen gibt es auch im Waldviertel. Im Skulpturenpark des Kunstmuseums kann man etwa diesen hier bewundern. Und sich vielleicht zu mehr Mut inspirieren lassen.

Dass sich bewusste und nachhaltige Geschäftskonzepte durchsetzen, zeigen Beispiele aus der Region

Dass sich bewusste und nachhaltige Geschäftskonzepte durchsetzen, zeigen Beispiele aus einer Region, die schon oft zum wirtschaftlichen Problemkind ausgerufen wurde. Was das Waldviertel so besonders macht - und warum sich immer mehr Menschen damit identifizieren.

Wien - Lange bevor Bio in aller Munde war, wurden im Waldviertel schon erste Gehversuche in diese Richtung unternommen - wenn auch gegen Widerstände.

Als Johannes Gutmann etwa 1988 die Firma Sonnentor gründete, sei er "fast angespuckt worden" für seine Idee, Kräuter aus der Region unter einem Logo zu verkaufen. Schon damals galt das Waldviertel als wirtschaftliches Problemgebiet. Doch der Erfolg gab Gutmann, dem "Spinner mit der Lederhose", recht: rund 210 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 23,3 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011. Oder mit anderen Worten: Marktführer auf dem heimischen Biosektor mit einem Anteil von rund 50 Prozent und an dritter Stelle in Deutschland beim Handel mit Biokräutern, Tee und Gewürzen.

Vor 30 Jahren begann auch Heinrich Staudinger, ein weiterer Vorreiter der erfolgreichen nachhaltigen Wirtschaftsbewegung, als junger Alternativer ökologische Schuhe aus Dänemark zu verkaufen. Die spätere Übernahme der Waldviertler Schuhwerkstatt, einst Projekt von Sozialminister Alfred Dallinger gegen Arbeitslosigkeit, rettete hunderte Jobs. Und beweist ebenso, wie sich andere Geschäftsmodelle durchsetzen können - gegen Gier, Spekulation und Wachstum aus Prinzip. Aktuell ist Staudinger mit seinem Kampf gegen die Finanzmarktaufsicht aktiv: Weil er zur Finanzierung seines Betriebes keinen Kredit mehr bei der Bank nehmen wollte, sondern sich das Geld bei Kunden und Freunden verzinst ausborgte, drohen ihm nun saftige Geldstrafen.

Aufstand bis ins Parlament

Sogar Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hat sich als Vermittler in den Streit eingeschaltet, doch der Waldviertler Rebell kommt gerade erst in Fahrt. Mittels Unterschriften und Bürgerinitiative will er das Parlament dazu bewegen, das Bankwesengesetz zu ändern. "Es soll jedem Menschen freistehen, sein Geld in ein Unternehmen oder eine Initiative seiner Wahl zu investieren", so Staudinger auf seiner Homepage. Mit dem Geld der Kunden wurde übrigens die größte Photovoltaik-Anlage der Region gebaut - eine weitere Erfolgsgeschichte des Waldviertels.

"Es gibt bei uns viele Firmen, die im Hightech-Bereich bei erneuerbaren Energien arbeiten, und das weltweit", sagt Josef Wallenberger vom Wirtschaftsforum Waldviertel. Das Bild der ständig schrumpfenden Gegend sei deshalb überholt. "Viele Menschen pendeln von Wien ins Waldviertel, weil wir hier sehr spezialisierte Unternehmen angesiedelt haben." Eines der größten ist etwa die Windenergiebeteiligung, kurz Web, die international tätig ist.

Warum die Waldviertler ein bisschen anders zu ticken scheinen, erklärt sich Wallenberger mit der Lage. "Am äußersten Rand von Österreich mussten wir immer schon ein bisschen mehr zusammenarbeiten."

Eigene Währung

Neben Bio-Produkten, Handwerk und alternativer Energie etabliert sich der Öko- und Wellness-Tourismus neben der Gesundheitssparte. "Wohnen. Arbeiten.Leben:natürlich", lautet das Marketing-Motto im Waldviertel. Neben Rückwanderungsinitiativen wird besonders in den Standort als Zentrum für Nachhaltigkeit, Handwerk und Lebensqualität investiert. Im Sinne von Hans Carl von Carlowitz, dem Schöpfer der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit, sind das Haushalten mit den Ressourcen und Respekt vor der Natur Kern des Konzepts.

Sogar eine eigene Währung, den "Waldviertler Regional", hat der Verein für regionales Wirtschaften 2005 eingeführt. Der Wechselkurs zum Euro ist 1:1, rund 200 Unternehmen akzeptieren den als Ergänzung gedachten " Waldviertler" als Zahlungsmittel. "Als Komplementärwährung verwendet bin ich kein Fan davon", sagt Wallenberger. "Aber als Marketingaktivität zur Kundenbindung ist die Regionalwährung auf jeden Fall interessant." (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 23.11.2012)

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