Studium: Module nach Maß statt freie Fächer zur Wahl

22. November 2012, 17:18
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Die Studienpläne sind in den letzten Jahren immer stärker reguliert worden. Die freien Wahlfächer wurden dadurch besonders eingeschränkt - oder gar abgeschafft. Nun stehen die Zeichen aber wieder auf mehr Wahlfreiheit

Wien - Die Debatte rund um die aktuellen Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen zwischen Wissenschaftsministerium und Unis fokussiert sich primär auf Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Curricula und Studiengestaltung bleiben dabei weitgehend unbeachtet.

Das betrifft auch die freien Wahlfächer, die an jeder Uni anders gehandhabt werden. Von den Reformen der vergangenen zehn Jahre, etwa die Umstellung auf das Bolognasystem, blieben Wahlfächer weitgehend unberührt und sind zumeist weiterhin frei wählbar.

Einen Sonderweg hingegen schlug die Uni Wien ein. Sie führte 2008 sogenannte Erweiterungscurricula (EC) ein: Vorgefertigte Module à 15 oder 30 ECTS. Im Bachelorstudium ist es überhaupt nicht mehr möglich, freie Wahlfächer zu belegen - zwei oder drei ECs mit Pflichtfächern stehen jetzt stattdessen zur Auswahl. Das sorgt bis heute für Kritik: Die Hochschülerschaft meint, die Wahlfreiheit sei durch die EC gefährdet. Bei der Audimax-Besetzung 2009 war "Freie Wahlfächer statt EC" eine zentrale Forderungen der Besetzer.

Zwar entschärfte die Universität Wien ihr selbstgeschaffenes System bereits, als sie 2010 freie Wahlfächer im Umfang von maximal 15 ECTS abseits der ECs erlaubte - diese "alternative Erweiterung" muss allerdings von der jeweiligen Studienprogrammleitung genehmigt werden.

Andere Unis wie die Wirtschafts-Uni Wien oder die Unis in Linz und Innsbruck lehnen die ECs ab. In Graz werden zwar Module angeboten, jedoch freiwillig und mit einem Zertifikat belohnt. Die Uni Wien hält trotz Kritik an den Modulen fest: ECs ermöglichten individuelle Spezialisierungen neben der vorgegebenen Basisausbildung, lautet die Argumentation.

Wunsch nach starren Plänen

Hochschulforscher Martin Unger vom Institut für Höhere Studien sieht bei jungen Studierenden durchaus auch den Wunsch nach starren Studienplänen - die ECs könnten so als Service für Studierende gesehen werden. Zudem gibt die Uni Wien Beispiele, welche Kombinationen an Basisstudium und EC im späteren Berufsleben von Vorteil sein können.

Alle genannten Motive haben eine Gemeinsamkeit: Sie könnten der Uni Wien in den Verhandlungen um Geld bei den Leistungsvereinbarungen nutzen. Denn schneller abschließende, gut auf den Beruf vorbereitete Studenten sind ganz im Sinne der seit 2002 laufenden Uni-Reformen.

Zieht die Uni Wien Vorteile aus den ECs, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis andere folgen, befürchten Studentenvertreter. Aber auch das Gegenteil kann eintreten: So konstatieren die ÖH und Unger, dass der Trend wieder in Richtung Deregulierung gehe. Die Zeichen der Zeit stünden auf mehr Wahlfreiheit im Studium. (Fabian Schmid, UNISTANDARD, 22.11.2012)

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    Erweiterungscurricula schaffen freie Wahlfächer nach Maß in abgepackten Modulen.

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