Staatsgold könnte verleast worden sein

22. November 2012, 14:19
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Laut Bankexperten Stöferle sprechen die relativ hohen Erlöse mit dem Edelmetall für Leihgeschäfte

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am Dienstag vor dem Parlament Aussagen über den Verbleib des österreichischen Staatsgolds getätigt, die für heimische Goldexperten weitere Fragen aufwerfen. Von OeNB-Vizegouverneur Wolfgang Duchatzcek genannte Erlöse aus den Goldleihgeschäften legten nahe, dass ein beträchtlicher Teil der in den Büchern geführten 280 Tonnen Nationalbank-Gold verliehen sein könnte, meinte Ronald Stöferle, Goldexperte der Erste Bank.

Der OeNB-Funktionär hatte vor dem Finanzausschuss davon gesprochen, dass die Nationalbank in den vergangenen zehn Jahren 300 Mio. Euro aus Goldleihgeschäften erzielt habe - im arithmetischen Mittel also 30 Mio. Euro jährlich.

Ruf nach Transparenz

Historisch lägen die sogenannten "gold lease rates" mit kurzen Unterbrechungen zwischen 0,1 und 0,5 Prozent aber sehr niedrig, sagte Stöferle. Dadurch liege der Schluss nahe, dass über den Zeitraum ein großer Prozentsatz des Golds Goldforderungen gewesen sein könnten, meinte Stöferle: "300 Millionen auf zehn Jahre suggerieren das." Es wäre transparent, wenn die Nationalbank "den nächsten Schritt macht und veröffentlicht, welchen Anteil sie physisch hält und welcher Anteil verliehen ist".

Die belgische Nationalbank hatte 2011 für von ihr verliehenes Gold (84 Tonnen) "Zinsen" von etwa 0,2 Prozent erhalten, geht aus einer früheren Aussage der dortigen Zentralbank vor dem Parlament hervor.

Aus den Äußerungen Duchatzceks "getraue ich mich jedenfalls nicht, zu schließen, welcher Prozentsatz derzeit physisch gehalten wird", sagte Stöferle.

Heimholungs-Trend

Die Nationalbank hatte am Mittwoch vor dem Finanzausschuss erklärt, dass sich 80 Prozent des österreichischen Golds (280 Tonnen) in London befänden - dort allerdings nicht nur in Barrenform, London sei auch der "Auslieferungsort nicht-physischer Bestände". FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Donnerstag den Rücktritt Ewald Nowotnys als Gouverneur der OeNB gefordert. Strache begründete dies mit einer "skandalösen Informationspolitik" der Nationalbank.

Den Lagerort Großbritannien selbst hält Stöferle insofern für plausibel, "weil London der bei weitem größte Goldhandelsort ist".

Ohne Zweifel gebe es aber auch einen "internationalen Trend", Staatsgold nach Hause zu holen, sagte Stöferle.

Auf österreichischem Staatsgebiet selbst lagern laut OeNB lediglich 17 Prozent der 280 Tonne - und damit ein nur etwa halb so großer Anteil wie in Deutschland (knapp ein Drittel). (APA, 22.11.2012)

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    Experte Stöferle: Es wäre transparent, wenn die Nationalbank "den nächsten Schritt macht und veröffentlicht, welchen Anteil sie physisch hält und welcher Anteil verliehen ist".

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