Frau aus Wien bei Bratislava verbrannt: Angeklagter freigesprochen

22. November 2012, 13:13
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Geschworene entschieden sich mit 7:1 Stimmen

Wien - Im Fall der gewaltsam getöteten 28-Jährigen, deren Leiche im November 2010 in einem Misthaufen auf einem Feld in Holice bei Bratislava gefunden wurde, ist der ehemalige Lebensgefährte am Donnerstag am Wiener Landesgericht freigesprochen worden. Die Geschworenen entschieden in dem Indizienprozess mit 7:1 Stimmen zugunsten des 45-Jährigen. Da der Staatsanwalt keine Erklärung abgab, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Staatsanwalt: "Krankhafte Eifersucht"

Laut Staatsanwalt Leopold Bien soll der Bauingenieur im Oktober 2010 seine Freundin aufgrund "krankhafter Eifersucht" und des sich abzeichnenden Endes der Beziehung getötet haben. Einen hieb-und stichfesten Sachbeweis konnte die Anklage nicht vorlegen. Vielmehr würden mehrere Indizien "schlüssig und widerspruchsfrei" für die Täterschaft des Mannes sprechen. So wurde am Fundort ihrer sterblichen Überreste eine aus der Wohnung der Frau stammende Decke aus Leopardenfell entdeckt, in welche die aus dem Kosovo stammende Frau eingewickelt worden war.

Zeugen relativierten

Der Freispruch war von zahlreichen Prozessbeobachtern jedoch erwartet worden, nachdem der 45-Jährige am zweiten Verhandlungstag überraschend vom Richtersenat (Vorsitz Andreas Böhm) enthaftet worden war. Zeugen hatten ihre zunächst belastenden Angaben relativiert. So wichen ein Lokalbesitzer und dessen Kellnerin recht deutlich von der Behauptung des Staatsanwalts ab, der 45-Jährige habe den beiden suggeriert, am Tag des Verschwindens seiner Freundin zeitig bei ihnen im Lokal gewesen zu sein, um sich so ein falsches Alibi zu verschaffen. Ein Arbeitskollege wiederum, dem der Baumeister angekündigt haben soll, er werde Flora töten und sie "verschwinden lassen", stellte im Zeugenstand fest, er habe diese Äußerung nicht ernst genommen.

Bien machte in seinem Plädoyer deutlich, dass er den Angeklagten weiterhin mit Sicherheit für den Täter hält: "Wenn es heute einen Freispruch gibt, dann wird ein Mörder freigesprochen." Es sei gesichert, dass die Überwurfdecke, deren Überreste bei der Leiche in der Slowakei gefunden worden waren, die "Klammer zwischen der Wohnung und der Tat sei". Daraus ergebe sich zwingend, dass der Täter Zugang zu diesen vier Wänden gehabt haben muss, was für irgendwelche Schlepper oder andere angebliche Verdächtige nicht zutrifft. 

Drei Personen in der Wohnung

In der Nacht der Tat, am 16. Oktober 2010, hatten sich in der Wohnung nur drei Personen aufgehalten: Flora A., der Angeklagte sowie der Bruder des Opfers. "Flora wird sich nicht selbst stranguliert und angezündet haben, der Bruder hat geschlafen, was auch der Angeklagte bestätigt - also bleibt nur er selbst", argumentierte Bien.

Dazu käme noch, dass Flora A., wenn sie - wie vom 45-Jährigen behauptet - die Wohnung verlassen habe, um im nahegelegenen Cafe die Abrechnung zu machen, es nur ein Zeitfenster von fünf Minuten gegeben habe, um die Kellnerin von der Mariahilfer Straße zu entführen. Sie habe aber die Decke laut dem Angeklagten nicht dabei gehabt.

Und diese hypothetischen Täter hätten danach in die Wohnung eindringen und die Decke holen müssen. Gegen den Bauingenieur würde auch sprechen, dass er ein Motiv habe und zum Tatzeitpunkt nachweislich nicht dort gewesen war, wo er es angegeben habe.

"Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass der Herr Staatsanwalt in einem anderen Verfahren als ich war", konterte Verteidiger Nikolaus Rast in seinem Schlusswort. Seiner Ansicht nach, wäre die Polizei entsprechenden Ermittlungsansätzen gegen andere Personen - etwa gegen den Ex-Ehemann Floras - nicht entsprechend nachgegangen. Es sei nur eindeutig gegen seinen Mandanten ermittelt worden. "Er ist schon vor einigen Tagen enthaftet worden, bereiten Sie seinem Martyrium nun endgültig ein Ende", appellierte Rast erfolgreich an die Geschworenen. (APA, 22.11.2012)

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