Fremdwährungskredite gehen deutlich zurück

Erstmals seit Jahren ist in Österreich das Volumen stark gesunken, die FMA ortet erhöhtes Risikobewusstsein

Wien - Erstmals seit Jahren ist in Österreich das Volumen der Fremdwährungskredite - wie von Nationalbank und Finanzaufsicht angestrebt - stark gesunken. Im 3. Quartal wurde der stärkste Rückgang seit Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 festgestellt, das insgesamt aushaftende Volumen verringerte sich binnen Jahresfrist wechselkursbereinigt um 13,1 Prozent oder 5,1 Mrd. auf 33,4 Mrd. Euro, gab die Finanzmarktaufsicht (FMA) am Donnerstag bekannt. Im Vergleich zum Vorquartal machte der Rückgang 2,0 Mrd. Euro oder 5,5 Prozent aus.

Gegenüber Herbst 2008 - als die FMA einen Stopp der Neuvergabe von FX-Krediten verhängte und Initiativen zur Begrenzung des Risikos der aushaftenden Beträge setzte - ist das Volumen wechselkursbereinigt um 13,9 Mrd. Euro oder um 29,4 Prozent gesunken. Der Fremdwährungsanteil an den gesamten Krediten privater Haushalte lag per 30. 9. bei 25,3 Prozent und erreichte damit laut FMA den niedrigsten Wert seit 10 Jahren.

Erhöhtes Risikobewusstsein

Für die FMA-Vorstände Helmut Ettl und Kurt Pribil "zeugt der starke Rückgang des Fremdwährungsanteils an Krediten privater Haushalte davon, dass die Maßnahmen der FMA zur Risikobegrenzung greifen". Die Aufsichtsbehörde sehe diesen starken Rückgang aber auch als Hinweis auf ein erhöhtes Risikobewusstsein, hieß es in einer Aussendung.

Der Großteil des FX-Forderungsvolumens entfiel Ende September mit 92,9 Prozent Anteil weiterhin auf Schweizer Franken, der Rest fast zur Gänze auf japanische Yen. Der Schweizer Franken hat seit Anfang 2008 um 36,8 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet. Einen weiteren Anstieg verhindert hier wie bekannt die von der Schweizer Nationalbank (SNB) bis auf weiteres festgelegte Fixierung von 1,20 Schweizer Franken pro Euro.

Schweizer Firmen in der Bredouille

Mit dem starken Franken hat nicht nur so mancher heimischer Kreditnehmer seine Probleme, sondern auch die Schweizer Unternehmer. Während sich die Betriebe in Österreich und Deutschland um den Euro sorgen, machen den Schweizer Firmen die Wechselkursproblematik und der starke Franken zu schaffen. Letztere schätzen deshalb auch ihre Wachstumsaussichten wesentlich zurückhaltender ein als der Durchschnitt der DACH-Region, wozu Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören, berichtet der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) in einer aktuellen Studie . Bei gut einem Viertel (26 Prozent) der Schweizer Familienbetriebe sind die Umsätze im vergangenen Jahr gesunken. (APA/red, derStandard.at, 22.11.2012)

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