Österreich ist in Sachen digital publizierter Bücher nicht Avantgarde

22. November 2012, 10:21
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Die Branche, die sich derzeit auf der Messe Buch Wien austauscht, verdiente 2011 noch immer weniger als ein Prozent ihres Umsatzes mit E-Books

Die Spitzen von Österreichs E-Book-Charts im Oktober sind prickelnd wie ihre Pendants aus der Taschenbuch-Wertung: Auf den ersten Plätzen liegen da wie dort die drei Bände des Erotikreißers Shades of Grey. Eher verschämt gehen dagegen die Leser von in Österreich verlegten Büchern mit dem Thema E-Book um. Während in den USA die Verkäufe explodieren und 2011 bereits rund 15 Prozent aller verkauften Bücher ausmachten, besagt eine Studie des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels (HVB), dass die heimischen Verleger erst im Jahr 2015 einen Anteil "von zehn bis 15 Prozent" für realistisch halten.

Interaktive Geschichten fürs iPad

Auch bei der gerade angelaufenen Messe Buch Wien wird dem bevorstehenden Strukturwandel Platz eingeräumt. Selbst interaktive Geschichten fürs iPad werden präsentiert. Dabei haben laut der HVB-Studie im fünften Jahr nach der Einführung erster E-Book-Reader, 2011, nur 29 Prozent der heimischen Verlage mit E-Books einen Umsatzanteil von über fünf Prozent erwirtschaftet, bei 44 Prozent liegt er unter einem Prozent. E-Books machen mit einem Umsatz von etwa einer Million Euro nach wie vor weniger als ein Prozent des Branchenumsatzes aus. Die Verleger signalisieren Offenheit: Fast 90 Prozent seien bereit, in digitale Bücher zu investieren. Der Tiroler Haymon-Verlag gehört zu den gut 30 Prozent der Verlage, die den Einstieg bereits hinter sich haben. Nicht nur neue Bücher - etwa 180 pro Jahr - soll es bei Haymon auch als E-Books geben, auch ältere würden schrittweise für digitale Träger aufbereitet, sagt Geschäftsführer Markus Hatzer.

Lesefutter

Für Stefan Mödritscher, Chef des Buchvertriebs Morawa, würden besonders Leser von Genreliteratur, von "klassischem Lesefutter" zu E-Books greifen. Künftig werde es eine stärkere Trennung im Preis geben. Er werde zum "Qualitätsmerkmal". (APA, pum, DER STANDARD, 22.11. 2012))

 

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