Brutale Überfälle auf Wiener Pensionisten geklärt

22. November 2012, 13:29
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Opfer wurden teilweise schwer verletzt - Polizei rettete letztes Opfer: Verdächtiger im Stiegenhaus festgenommen

Wien - Die elf Opfer waren 70 bis mehr als 90 Jahre alte Damen, augenscheinlich hilflos und alleinstehend: Das Landeskriminalamt Wien (LKA) hat eine seit August andauernde, außerordentlich brutale Raubserie mit der Festnahme der drei mutmaßlichen Täter beendet. Die Ehefrau eines der Verdächtigen wurde unter dem Verdacht der Beitragstäterschaft in Haft genommen.

Seniorinnen misshandelt

Mindestens elfmal haben die Männer nach Angaben von Oberst Michael Mimra und Oberstleutnant Robert Klug zugeschlagen: Das Trio soll seine Opfer auf der Straße ausgesucht haben, als sie auf dem Heimweg vom Einkaufen oder vom Arzt waren, und ihnen bis vor die Haustür gefolgt sein. Ein Maskierter schlich sich unbemerkt mit hinein. Sobald die Seniorinnen ihre Wohnungstüren aufgesperrt hatten, wurden sie gepackt, in die Wohnung gestoßen und misshandelt.

Mit Totschläger verletzt

"Der Täter hat sofort und ohne Anlass auf die Opfer eingeschlagen", sagte Richard Götzmann, Chef der Ermittlungsgruppe Raub. Die Waffen wurden bei einer Pressekonferenz am Donnerstag gezeigt: ein sogenannter Totschläger, eine Teleskopstange, eine Pistolenattrappe. Die meisten der betagten Frauen mussten zumindest mehrere Tage ins Spital.

Ein Haupttäter

Die Beschuldigten haben keine Geständnisse abgelegt, die Verhöre laufen. Die Kriminalisten gehen aber davon aus, dass es sich bei einem 48-Jährigen um den "ausführenden Täter" handelt. Der Maskierte ist praktisch wortlos auf die Seniorinnen losgegangen. Außer ein paar Worten - "Geld", "Euro", "Schmuck" - habe er nie etwas gesagt. Die Komplizen - beide 29 Jahre alt - sollen für das Lenken des Fluchtfahrzeugs und "Schmierestehen" verantwortlich gewesen sein.

Mercedes brachte Polizisten auf die Spur

Auf die richtige Spur kamen die Ermittler durch Hinweise auf den Wagen, einen silberfarbenen Mercedes der S-Klasse. 252 solcher Autos gibt es in Wien, alle mussten überprüft werden. Am vergangenen Sonntag wurde das Auto in Rudolfsheim-Fünfhaus entdeckt. Folglich ließ die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität den Mercedes nicht mehr aus den Augen.

Widerstand bei der Verhaftung

"Es war klar, dass die wieder ein Opfer suchen", sagte Chefinspektor Manfred Gross. Von der Wegfahrt bis zum versuchten Raub dauerte es am Mittwoch dann nur eine Viertelstunde. Der Täter, mit Maskierung und Handschuhen, folgte der Frau von einer Einkaufsstraße in Penzing bis ins Stiegenhaus. Dort wurde er von Polizisten überwältigt. Alle drei Verdächtigen hätten bei den Festnahmen erheblichen Widerstand geleistet, berichtete Klug.

Rund 160.000 Euro erbeutet

Die Tatorte lagen quer über Wien verstreut, aber nur diesseits der Donau. Der erste Überfall fand am 20. August in Ottakring statt. Mit der Raubserie finanzierten die Verdächtigen ihren Lebensunterhalt. Insgesamt sollen rund 160.000 Euro erbeutet worden sein, vor allem Bargeld und Goldschmuck. "Wenn sie einmal höhere Beute gemacht haben, war eine Zeit lang Ruhe. Einmal haben sie nur ganz wenig erwischt, da haben sie direkt am nächsten Tag das nächste Delikt gesetzt", erläuterte Götzmann. Ein Überfall ging ganz ohne Beute aus, weil ein Nachbar dem Opfer zu Hilfe eilte. Der Mann wurde ebenfalls mit einer Stahlrute attackiert.

Ehefrau ebenfalls unter Verdacht

Zumindest bis kurz vor dem letzten Raubversuch wohnten offenbar alle drei Beschuldigten gemeinsam in einer Wohnung. Der 48-Jährige soll zuvor schon unzählige Male wegen Eigentumsdelikten vor Gericht gestanden sein. Die Ehefrau eines 29-Jährigen steht im Verdacht, zumindest bei einem Überfall im Vorfeld beteiligt gewesen zu sein. Um die drei schulpflichtigen Kinder des Paares kümmert sich seit der Verhaftung die Verwandtschaft.

Bei Raubdelikten insgesamt - vom Bank- bis zum Handyraub - habe es im Vergleich zu 2011 eine leichte Steigerung gegeben, sagte Mimra. "Wir halten bei rund 1.600 Delikten, im Vorjahr waren es etwa 100 weniger." Dafür seien heuer 20 Prozent mehr Fälle geklärt worden. (APA, 22.11.2012)

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