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Die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau", das erwartete Aus der "Financial Times Deutschland", Sparmaßnahmen auch bei österreichischen Blättern: Die Print-Krise scheint auch in Mitteleuropa angekommen. "Das Wort 'Zeitungssterben' geistert durch die Branche, und all jene professionellen Auguren und Totengräber fühlen sich bestätigt, die es immer schon gewusst haben wollen, dass die Zeitung keine Zukunft hat", schreibt Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Essay in der "Welt". Dennoch sagt er, dass "der Zeitungsjournalismus das Beste noch vor sich" habe.
Denn Journalismus sei nicht vom Papier allein abhängig. "Der Geist bestimmt die Materie und nicht umgekehrt", schreibt Döpfner. "Die Zukunft des Journalismus von digitalen Informationsträgern abzukoppeln wäre ein törichtes Missverständnis." Eine Zeitung könne "heute - glücklicherweise - nicht nur analog, also auf Papier, sondern auch digital, also auf auf elektronischem Papier, einem Computer, Tablet oder Mobiltelefon, zum Leser kommen. Gute Zeiten für Verleger, die Wachstum gestalten wollen."
Döpfner prangert einmal mehr die Gratisinhalte im Netz an. Unabhängig recherchierter Journalismus habe seinen Preis und seinen Wert. "Deswegen brauchen digitale Zeitungen so wie analoge Zeitungen Bezahlmodelle. Nur wenn Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt ein Geschäftsmodell ist, wird es künftig einen Markt und keine politisch gesteuerte Staatspresse geben", sagt er.
"Warum haben es Zeitungen eigentlich nicht geschafft, den Online-Journalismus für sich zu erobern?", fragt sich Wolfgang Münchau auf Spiegel Online. "Das Internet bietet mittlerweile so viel an Gratis-Informationen hoher Qualität, dass nicht spezialisierten Tageszeitungen mittlerer Größe mit geringen redaktionellen Ressourcen der Markt wegbricht", schreibt er.
Die "eigentliche Tragödie" liege in der Unfähigkeit des gesamten Sektors, "das Internet für sich zu kolonialisieren". Münchau: "Überall auf der Welt fremdelten Zeitungen mit dem World Wide Web. Viele tun es heute noch. Sie begriffen das Internet nur als eine Art Vertriebskanal."
Aber die "erfolgreiche 'Zeitung'" im Internet sei genau deswegen erfolgreich, weil sie keine Zeitung ist - "und sich auch nicht so nennt". "Die erfolgreichsten Internetangebote bieten eine multimediale Integration von Artikeln, Hintergrundinformationen, Video und Audio. Sie sind vernetzt. Im Gegensatz zur Zeitung kommt man nicht erst dann auf die Seite fünf, wenn man die Seite vier gelesen hat", so Münchau.
Auch Sascha Lobo spricht im "Spiegel" diese Prozess-Veränderungen von Nachrichten an. Der statische, gedruckte Artikel sei nicht mehr zeitgemäß. Lobo: "Schriftliche Nachrichten kommen auf Papier wie im Netz in Artikelform daher, das entspricht der Konsumgewohnheit. Aber vielleicht ändert sich genau das, weil das Publikum auch hier die Prozessualisierung erwartet." Nachrichten seien das Gefühl, aktuell informiert zu werden. "Vielleicht steht nicht das bedruckte Papier, sondern die statische Berichterstattung und der abgeschlossene Nachrichtenartikel ohne jede Prozessualisierung im Zentrum der Krise."
Der Tod der Tageszeitung sei laut Münchau auch eine Frage der demografischen Entwicklung, Printmedien hätten vorwiegend alte Leser und Schwierigkeiten, junge Leser zu gewinnen. Münchau: "Mit jeder weiteren Sparmaßnahme wird dieser Trend beschleunigt. Damit verringern Zeitungen ihre Qualität mit dem Resultat, dass noch mehr Leser abwandern." Wenn der Einbruch kommt, dann komme er oft mit voller Wucht. Münchau: "So wie in diesem grauen Zeitungsherbst. Es ist der Anfang vom Ende für das bedruckte Papier".
Nur jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren liest noch regelmäßig eine Tageszeitung. Vor zehn Jahren war es noch mehr als die Hälfte, rechnet die "Zeit" vor. "Das Sterben der meisten Tageszeitungen werde sich am Ende wohl nicht aufhalten lassen, heißt es dort. "Das mag für die Beschäftigten in den Redaktionen bitter sein, aber es muss den Journalismus nicht in die Krise stürzen - wenn es den Verlagen gelingt, auch im Netz Geschäftsmodelle zu entwickeln, die guten Journalismus möglich machen." Gefragt seien neue Einnahmequellen."Ein reines Zeitungsunternehmen kann heute nicht mehr erfolgreich sein", sagt Zeitungsforscher Horst Röper in der "Zeit".
Das erwartete Ende der "Financial Times" in Deutschland habe nichts mit der aktuellen Zeitungskriste zu tun, schreibt Jens Schröder in meedia.de. "Die Financial Times Deutschland war zu keinem Zeitpunkt ein gesundes Produkt. Selbst in Zeiten, in denen das Wort Zeitungskrise noch gar nicht existierte, bescherte sie dem Verlag Verluste, Verluste, Verluste." Die Überraschung sei also nicht die, dass die FTD nun offenbar eingestellt wird, "die Überraschung ist, dass es nicht einer der vorigen G+J-Vorstände im Laufe der 12 Jahre getan hat." (red, derStandard.at, 22.11.2012)
Links
welt.de: Der Journalismus hat das Beste noch vor sich
Spiegel Online: Der Anfang vom Ende fürs bedruckte Papier
Spiegel Online: Alles fließt
Zeit.de: Wer sterben und wer überleben wird
meedia.de: FTD scheiterte nicht wegen der Zeitungskrise
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Tageszeitungskonzepte mit mehr Mut und Radikalität diskutieren - FAZ-Herausgeber D'Inka mahnt vor "Geschwätz" - "Zeit Online"-Chef Blau an Tageszeitungen: "Netz nicht als Feind empfinden"
Vielleicht liegt ja gerade darin der "Hund begraben"!
Bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und Einnahmequellen ist es weniger hilfreich immer und immer wieder das alte Geschäftsmodell als Ausgangs- und auch Ziel-szenario heranzuziehen.
So kommt man sichtlich nicht weiter. Der erste Schritt wäre vielleicht sich von der Bezeichnung (digitale Zeitung) zu trennen. Dann wird der Kopf frei und neue Wege vielleicht auch.
Über "Qualität" im Journalismus entscheidet letztlich der Leser/Konsument. Entweder er nutzt ein Medium, oder nicht (=Reichweite).
Bezahlmodelle: funktionieren schon im "Leitmedium" TV nicht (http://www.atmedia.at/news/onli... 2/17365/).
Es wird wohl ganz andere Ansätze brauchen.
mehr gibt. Was mich immer schon angestunken hat, waren
- die schwarzen Finger von der Druckerschwärze,
- der durch hineingestopfte Zeitungskonvolute explodierte Briefkasten, wenn man mal drei Tage nicht zu Hause war,
- die gottverdammte "Gratiszeitungs"-Scheiße, die wochenlang originalverschnürt und gebündelt im Mietshaus-Foyer herumlag (von wegen "totale Haushaltsabdeckung"!)
- die unmöglichen Großformate (im Auto und am kleinen Kaffehaustisch nicht lesbar),
- die elende Sucherei, bis man die im Titel groß angekündigte Aufmacherstory letztendlich als einspaltigen Fünfzeiler auf Seite 34 fand,
- das sägende Moped des Kolporteurs um 5 Uhr früh,
und noch einige andere Dinge.
Der Geist aus der Flasche Wunderlins, oder was?! Wo ist der Unterschied zwischen Analog und Digital? Wohl kein wesentlicher. Journalismus zeichnet sich aus durch Neugierde, Fantasie, Aufklärung und Begabung zum Schreiben. Gewinnorientierten Häusern wie Springer mag das abgehen, aber sie sind die ersten, die darunter leiden, abspecken müssen. Falls sie überbleiben sollten, wird keiner mehr da sein, den deren Produkte interessieren. Unabhängig sein, heisst unabhängig denken! Wer sichs leisten kann. DiePresse/Wirtschaftsblatt zeigen ja auch dieser Tage, dass ihre treue Regierungslinie letztendlich nichts nutzte, wenns ums liebe Geld geht. Und auch Herr Novak wird sich nicht persönlich bei den Entlassenen verabschiedet haben. Lieber Termin bei
Print ist noch lange nicht tot, gedruckte Medien haben noch lange Werte und Vorteile. Lesen kann man immer wann und wo ist egal, geht auch ohne Strom!
Jugend liest nicht ist ein Quatsch! Jugend liest sehr wohl auch Print, auch sehr gerne, soferne im Haushalt Printtitel sind. Gewohnheiten bleiben dann.
Dass guter Journalismus kein Papier braucht ist eine no-na Aussage, nicht sehr sophisticated!
Es mag ja sein, dass sich die gedruckten Zeitungen auf irgend eine Weise überlebt haben, hier ist mal einer anderer Meinung: http://www.ots.at/presseaus... n-und-dumm
...ist meiner Meinung nach das Zauberwort in der jetztigen Situation!
Keiner, aber wirklich keiner weiß wo die Reise hingeht und nachdem wir die letzten Jahrzehnte wirklich gutes Geld mit den Printprodukten verdient haben und uns keine Gedanken über neue Wege machen mussten, trifft die Branche dieser existenzbedrohende Zustand mit voller Wucht und lässt uns erstarren!
So oder so ähnlich sieht, mMn, das Bild der Branche aus!
Ob Fachmagazin, Tageszeitung, wöchentliches Gratisblatt oder Kundenmagazin...es werden einfach alle spüren und einige werden zusperren . Das ist nun mal so!
Und online wird derzeit von FB, Google und grossen Plattformen wie Amazon beherrscht!
Also viel Platz für Kreativität
..mehr Leute, die alles neu denken. In Österreich starren sie wie das Kaninchen auf die Schlange, vor allem der völlig ratlose News-Verlag, dem nach dem Wahljahr das Auseinanderbrechen droht, weil die Inserate nicht zurückkommen werden. Und nach der Wahl wird es zudem viel weniger staatlich befohlene oder staatlich geförderte Inserate geben.
Man darf der damaligen Standard-Geschäftsführung unverhohlen gratulieren, mit diesem Onlinemedium früh genug begonnen zu haben. Was lange als Außenposten galt, wird bald schon das Mutterschiff. Das war ein Instinkt, den niemand sonst hatte in Österreich. Es war auch Zufall, aber nun ist es..
Zeitungen und Zeitschriften die ein tragfähiges, von Tagesmeldungen abgekoppeltes Profil haben. Etwa "die Zeit", "Neon", "Servus", etc. "News", "Format", ja nichtmal der "Trend" werden dieser Gruppe der Überlebenden zugehörig sein. Die Tageszeitungen werden als Tageszeitungen verschwinden. Nicht unbedingt als Marke. Sie können sich gerne - wie alle österreichischen Kollegen - an den Satz "Totgesagte leben länger" klammern. Doch die Wahrheit ist: die Totenglocken läuten. Und zwar laut..
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