Vom Wert des schönen Scheins

22. November 2012, 01:53
posten

Die Vienna Art Week klingt am Wochenende im Vienna Gallery Weekend aus

Wien - Von unseren Eltern und Großeltern kennen wir die Geschichten, dass sie im Winter einen Scheit Holz zum Einzeizen in die Schule mitbringen mussten. Vielleicht sieht die Zukunft in den Museen ähnlich aus? Eintrittskarten gibt's im Tausch gegen Brennmaterial. Solche düsteren Visionen drängten sich dem fröstelnden Besucher diese Woche im ehemaligen K. K. Wiener Telegrafenamt auf, wo die Vienna Art Week-Ausstellung Predicting Memories (bis 25. 11.) stattfindet. Diese beschäftigt sich - inmitten bröckelnden Prunks, einem architektonischen Zeugen goldener Zeiten - ja ebenfalls mit Vorhersagen, die an Vergangenem geschult sind.

Zum Glück ist das Haus am Börseplatz die einzige Kältezone des Vienna Art Week-Kunstgeschehens. Trotz wohliger Wärme und dem der Krise trotzenden Investitionsgut Kunst, macht sich der Markt jedoch Gedanken über das, was kommen mag. Da bekanntlich nicht nur Gutes über den großen Teich schwappt, nutzt womöglich der Blick nach New York. Seit Dekaden gilt es als Welthauptstadt der Kunst, weil von dort die Impulse für den internationalen Diskurs kommen. Aber ist das noch so? Gibt womöglich dort inzwischen auch der Markt den Ton an? (Podium mit New Yorker Künstlern, Dorotheum, 22. 11., 17.00)

Dass der stabile Warencharakter in Zeiten ökonomischer Unsicherheiten andere Wertigkeiten von Kunst, wie etwa ihre Inhalte, in den Hintergrund treten lässt, darum dreht es sich in der Diskussion Der schöne Schein (Dorotheum, 23. 11., 13.00). Wie kann man Käufer für Kunst jenseits der Aktie interessieren?

Ebensolchen Effekten steuern die Galeristen etwa im persönlichen Kontakt zu Sammlern oder mit "Entschleunigungsmodulen" entgegen. Eben darin sieht der Primärmarkt sein Stärke. Primary Market heißt daher auch das Motto des heurigen Vienna Gallery Weekends, das zum Finale der Vienna Art Week stattfindet und die Leistungen der Galeristen in den Fokus rückt. "Der große Vorteil ist, dass die Galerien die Künstler erstmalig präsentieren", sagt Gabriele Senn, Präsidentin des Galerienverbands. " Der Mehrwert für die Sammler ist, dass sie die Entwicklung des Künstlers mitverfolgen können." Zugang und Auseinandersetzung sind unmittelbarer. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 22.11.2012)

Diskussion "Primary Market" mit Galeristin Rosemarie Schwarzwälder, Sammler Harald Falckenberg, Kunsthalle Wien-Chef Nicolaus Schafhausen, Art-Consultant Michael Neff. Moderation: Standard-Ressortleiterin Kultur Andrea Schurian, Kunsthalle Wien, 24. 11., 11.00

Share if you care.