Erneut Ebola-Tote in Uganda

22. November 2012, 09:40
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Aberglaube fördert Ausbreitung - Über 40 Verdachtsfälle

Mindestens vier Tote und mehr als 40 Personen zur Beobachtung unter Quarantäne: Das ist die bisherige Bilanz des aktuellen Ebola-Ausbruchs in Uganda.

Nachdem das Land erst vor wenigen Wochen ebolafrei erklärt worden war, ist das lebensgefährliche Fieber vergangene Woche im Bezirk Luweero, etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Kampala, erneut ausgebrochen. Die ugandischen Gesundheitsbehörden, Teams der WHO und von Ärzte ohne Grenzen sind vor Ort bemüht, eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern - allerdings machen ihnen Aberglaube und Religiosität zu schaffen.

Als ein Spezialteam die Leiche eines Mannes bergen wollte, der möglicherweise an Ebola gestorben war, entriss ihnen ein wütender Mob die Leiche. Die Muslime bestanden darauf, den Toten vor dem Begräbnis zu waschen. Die Frau des ersten Ebola-Toten des aktuellen Ausbruchs wurde erst eine Woche, nachdem ihr Mann verstorben war, gefunden - sie lag bewusstlos im Schrein eines lokalen Hexers. Von dem Mann fehlte vorerst jede Spur.

Körperkontakt steckt an

Zuletzt war das Fieber im Juli im westlichen Distrikt Kibaale ausgebrochen. 17 Menschen starben daran. Weitere 24 Menschen waren mit Verdacht auf Ebola in Krankenstationen isoliert worden. Aufgrund funktionierender Frühwarnsysteme und dem Einsatz internationaler Teams konnten Experten die Ebola-Seuche relativ schnell unter Kontrolle bringen. Bei zwei Ebola-Ausbrüchen in den Jahren 2000 und 2007 waren in Uganda mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Experten gehen davon aus, dass die Krankheit über Wildtiere wie Fledermäuse auf Menschen übertragen wird. Die Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt über Körperkontakt mit einem Infizierten. Ebola-Infizierte leiden an inneren Blutungen und Austrocknung. In 50 bis 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Bis heute gibt es keine Therapie oder Impfung gegen das Virus. (Tobias Müller aus Kampala, DER STANDARD, 21.11.2012)

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