Arabischer Frühling treibt OMV in nordischen Winter

21. November 2012, 19:15
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Die OMV orientiert sich neu. Milliarden werden in Öl- und Gasprojekte in der nördlichen Nordsee gesteckt

Die OMV orientiert sich neu. Wegen der angespannten Situation in Nordafrika und im Mittleren Osten werden Milliarden in Öl- und Gasprojekte in der nördlichen Nordsee gesteckt. Bei Schiefergas sei ein Engagement außerhalb Österreichs nicht auszuschließen.

 

Die Revolution im Norden Afrikas hat der OMV einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt eines Büros in Kairo, das bereits angemietet war und als Basis für weitere Aktivitäten in der Region dienen sollte, gibt es nun viel Arbeit für die OMV-Explorationstrupps in die Nordsee.

"Wir haben auf die geänderte Situation sehr rasch reagiert", sagte OMV-Chef Gerhard Roiss bei der Vorstellung der Strategie am Mittwoch in London. Schneller als andere Mineralölkonzerne? "Das zu beurteilen überlasse ich Ihnen."

Fast Vorkriegs-Förderniveau

In der Tat hat die OMV, die in Libyen mit 33.000 Fass (je 159 Liter) pro Tag fast das Vorkriegs-Förderniveau erreicht hat, im Jemen aber weiter mit Problemen zu kämpfen hat, ihre Nordsee-Aktivitäten durch Zukäufe gestärkt. Die Produktion von Öl und Gas soll dort von derzeit rund 7000 Fass Öläquivalent auf bis zu 100.000 Fass im Jahr 2020 steigen.

Das koste zunächst Geld. Roiss: "Wir werden über die nächsten Jahre dort Milliarden investieren." Ab 2014 sollten die Investments erste Früchte tragen, in Form von Ergebnisbeiträgen. Durch die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten sieht Roiss bestätigt, "dass das die richtige Entscheidung war".

Tankstellengeschäft wird zurückgefahren

Bis 2016 soll der Ausbau der Öl- und Gasgewinnung auf 350.000 Fass Öläquivalent am Tag (von derzeit 309.000 Fass) vorangetrieben werden. Umgekehrt werde das Tankstellengeschäft, das mit Ausnahme der Länder Türkei (Petrol Ofisi) und Rumänien (Petrom) wenig Ertrag bringe, zurückgefahren. Das gilt auch für das Raffineriegeschäft, wo es europaweit zehn bis 15 Prozent Überkapazitäten gibt. Der 45-Prozent-Anteil an Bayernoil soll "ohne Zeitdruck" bis 2014 veräußert werden. Rascher könnte es bei den 90 OMV-Tankstellen in Bosnien und Kroatien gehen, Verkaufsgespräche seien "weit gediehen".

Bei Schiefergas schließt Roiss nicht aus, "dass wir uns zum Zeitpunkt X im Land Y damit beschäftigen". Europa sei aufgerufen, Position zu beziehen. Jedes Mitgliedsland für sich genommen sei überfordert. Roiss: " Für Österreich ist das Thema beendet."

Rückendeckung von Europa erwartet sich Roiss auch beim Projekt Nabucco West. Die Pipeline soll dereinst Gas aus der kaspischen Region an der türkisch-bulgarischen Grenze aufnehmen und bis vor die Tore Wiens bringen. Gleichzeitig könnte die Leitung genutzt werden, die von der OMV im Schwarzen Meer entdeckten substanziellen Gasfunde nach Westeuropa zu bringen. Auch wenn Nabucco West nicht kommen sollte, werde dieses Gas den Weg nach Europa finden, ist der OMV-Chef überzeugt. (Günther Strobl, DER STANDARD, 22.11.2012)

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