Koalitionsspekulationen: Ohne Stronach

Kommentar21. November 2012, 18:41
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Dass Stronach sich selbst aus dem Spiel nimmt, ist vor allem eines: ungemein erleichternd

Frank Stronach ist ein seltsamer älterer Herr mit komischer Aussprache, der hier in Österreich, seiner alten Heimat, eine Betätigung sucht. Wirtschaft ist nicht mehr, jetzt probiert er es mit Politik. Und er scheint durchaus Anklang zu finden. Auch Abgeordnete hat er schon gefunden, ohne überhaupt angetreten zu sein.

Bei seinen Veranstaltungen, die er in den Bundesländern abhält, steht er im Mittelpunkt, die angeworbenen Mandatare ministrieren ihm untertänigst. Aus der Entfernung kann man das ja schwer nachvollziehen, ein Blick aus der Nähe zeigt aber: Der Mann hat nicht nur Adlaten, er hat tatsächlich Fans - ein dankbares Publikum versucht den Sinn seiner Wortkonstruktionen zu erfassen.

Zuletzt lautete eine seiner Botschaften: keine Koalition, mit niemanden. Zuvor war von diversen Medien heftig spekuliert worden, ÖVP, FPÖ und Stronach könnten nach der Nationalratswahl eine Regierungskoalition bilden. Dass ÖVP-Michael Spindelegger dementierte, nahm man mit Achselzucken zur Kenntnis, als glaubwürdig wurde das nicht befunden, egal jetzt, ob die ÖVP Dritter würde oder nicht. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ließ es sich offen: Er würde niemanden ausgrenzen, wenn er Kanzler würde, auch die Stronach-Partei nicht.

So war es etwas überraschend, dass Stronach selbst sich aus dem Spiel nimmt. Das nimmt den Spekulationen die Spannung. Ist aber ungemein erleichternd. (Michael Völker, DER STANDARD, 22.11.2012)

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